Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Kuss vom Dementoren

Neue Platten: Der Ringer Kuss vom Dementoren

Auf ihrem Debüt "Soft Kill" gibt sich die Hamburger Synth-Pop-Band Der Ringer äußerst steril. Die Synthies klirren kühle Melodien, zwischendurch fiept die Gitarre, das Schlagzeug tuktakt vor sich hin. Das wirkt beklemmend – und ist deshalb gut, findet ZiSH-Autor Martin Wiens.

Voriger Artikel
Stadion-Rock im Studi-Club
Nächster Artikel
In den Straßen von Philadelphia
Quelle: Markus Alexander Voigt

Der Ringer zu hören ist wie im Wartezimmer vom Zahnarzt zu sitzen. Natürlich hat man Angst vor der bevorstehenden Behandlung. Was einen aber eigentlich fertig macht, ist dieser Nicht-Geruch, diese brutale Sauberkeit. So ist es auch beim Debütalbum „Soft Kill“ der Hamburger Band. Ihr düsterer Synth-Pop ist so steril, dass er kaum erträglich ist.

Die Synthies klirren kühle Melodien, zwischendurch fiept die Gitarre, das Schlagzeug tuktakt vor sich hin. Dazu singt Jannik Schneider emotionslos, die Stimme gluckert vom überdrehten Autotune-Effekt. Natürlich ist das alles händisch eingespielt, es klingt jedoch zuweilen so, als sei die ganze Band durch Maschinen ersetzt worden. Auch in den Texten geht es um Menschmaschinen: Der Song „Apparat“ ist ein ebenso schöner wie auch abstoßender Roboter-Lovesong („Für dich bin ich nicht real / ein Gesicht im Datenstrom“). Fast jeder Song von Der Ringer ist wie ein Kuss vom Dementoren.

Auf Albumlänge wird das zunehmend anstrengend, man fühlt sich ausgesaugt, was von den Hamburgern ganz sicher genau so gewollt ist. Es bleibt ein Gefühl der Beklemmung, und das ist gut. Denn dass etwas bleibt, lässt sich nicht von vielen deutschsprachigen Debütalben behaupten.

Von Martin Wiens

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus Neue Platten
Meistgelesene Musik-Artikel