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Neue Platten: Lang lebe der Tod So klingt Mut

Zynische Überblendungen statt schwelgerischer Jugendhymnen - auf seinem vierten Album "Lang lebe der Tod" sprechsingt Casper gegen alles Stumpfe an. Das Ergebnis ist beeindruckend, findet HAZ-Redakteur Karsten Roehrbein.

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Raus aus der Berliner Luft
Quelle: Stephan Flad

Harte Zeiten erfordern harte Musik: Das zeigt das neue Album des Rap-Sonderlings Casper. Hysterisch zuckende Gitarren und brachial gestauchte Bässe wummern zu Zeilen wie „Check den Instagram-Stream / Fett mit Klicks was verdien’n / Bibi und Dagi Bee / Live im Krisengebiet mit Tipps für Teens“. Die schwelgerischen Hymnen über die Jugend in der Provinz sind zynischen Überblendungen gewichen.

Youtube-BeautyStars und das ungeschminkte Flüchtlingselend am Mittelmeer treffen in „Alles ist erleuchtet“ jäh aufeinander. So als wolle Casper die Youtube-Kids schütteln, damit sie merken, dass es Dinge gibt, die wichtiger sind als ein perfekter Lidschatten oder das neueste Let’s-Play-Video.

 

„Lang lebe der Tod“, das vierte Album des Rappers mit der Reibeisenstimme und der Hardcore- und Indierock-Sozialisation, ist sperrig, es ist voller Brüche – und voller Poesie. Die Boulevardisierung der Welt erfülle ihn mit Ekel, sagte Benjamin Griffey, wie Casper mit bürgerlichem Namen heißt, der „Süddeutschen Zeitung“. Deshalb sprechsingt er gegen alles Stumpfe an, gegen Verschwörungstheoretiker und die Echo-Verleihung.

Ein Jahr lang hat er die schon fertigen Songs noch einmal überarbeitet – obwohl das bedeutete, die Tour abzusagen. Das Ergebnis ist beeindruckend, vor allem, wenn Casper verletzlich und nackt wirkt, wie in „Flackern, Flimmern“, dem letzten Song. So klingt Mut.

Karsten Röhrbein

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