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So klingt "Relaxer" von alt-J

Neue Platten: alt-J So klingt "Relaxer" von alt-J

Das neue Album von alt-J ist keine Indie-Konsensplatte: Zu den weichen Folk-Melodien kommen imposante Bläser und punkige Sounds à la Iggy Pop. Einen roten Faden sucht man vergeblich. Aber lässt man sich auf das Gesamtpaket ein, kann man ganz neue akustische Welten entdecken, meint ZiSH-Autorin Sirany Schümann.

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Quelle: Handout

Zum Glück zählen die inneren Werte. Das Cover von „Relaxer“ von alt-J ist wahrlich keine Schönheit. Darauf zu sehen ist ein Screenshot aus dem surrealistischen Videospiel „LSD: Dream Emulator“. Der Spieler erkundet darin pixelig-karge Traumwelten. Wer nach einem größeren Ziel – Endgegnern oder Rätseln – sucht, wird enttäuscht werden oder ob der Reizüberflutung irgendwann durchdrehen. Ähnlich verhält es sich mit dem dritten Album der drei Jungs aus Leeds.

„Relaxer“ ist – anders als seine beiden Vorgänger – keine Indie-Konsensplatte. Zugang zu den acht Songs zu finden, die eher allein für sich denn als Gesamtkompilation wirken, ist nicht so leicht. Den Auftakt macht die Vorab-Single „3WW“, die sich mit einem cleanen Gitarrenriff, Percussions und Soundspuren langsam aufbaut, bis sie den musikalischen Höhepunkt erreicht und erst nach mehrmaligem Hören so richtig ins Ohr geht.

In „In Cold Blood“ schimmern die alten alt-J mit reizvollen Akkordfolgen und Lalalalala-Bridge noch am stärksten durch. Neu ist der imposante Bläserchor. „Hit Me Like That Snare“ schlägt in eine ganz andere Kerbe und ruft punkige Assoziationen mit Iggy Pop hervor. Stärkster Song des Albums ist das ruhige und gerade deshalb so intensive „Adeline“.

Den roten Faden auf „Relaxer“ zu suchen, ergibt wenig Sinn. Besser ist es, die Lieder einzeln anzuhören, über Streicher, Bläser, Orgeln oder gar einen Knabenchor zu staunen und dadurch neue akustische Welten zu entdecken – dann macht das neue alt-J-Album auch Spaß.

Sirany Schümann

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