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Düstere Wildnis

Neue Platten: Hundreds Düstere Wildnis

Brachiale Beats, unheilvolle Klavierklänge und dunkle Paukenschläge – auf der neuen Platte von Hundreds "Wilderness" herrscht Weltuntergangstimmung. Bislang das stärkste Album des Elektropop-Duos, findet ZiSH-Autorin Sirany Schümann.

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Quelle: Handout

Ein Geschwisterpaar zieht sich in ein Studio mitten im tiefsten Wendland zurück, um im Idyll zwischen Wiesen und Wäldern ein Album über die Zerstörung der Natur durch den Menschen aufzunehmen. Klingt paradox, aber das ist die Entstehungsgeschichte zu der neuen Platte von Hundreds, die den treffenden Namen „Wilderness“ trägt. Dafür durchbrach das Hamburger Elektropop-Duo seine alten Songstrukturen. Denn apokalyptische Themen lassen sich schlecht mit heiteren Jahrmarkt-Synthesizern, die noch den Hit „Happy Virus“ bestimmten, mischen.

 

Stattdessen ist eine düstere Wolke über den Songs der Hundreds aufgezogen. Hieß die letzte EP noch „Tame the Noise“, versuchen Eva und Philipp Milner auf dem dritten Album nicht mehr, ihren Sound zu bändigen. Im Gegenteil: Sie lassen das Biest in Form von weniger zugänglichen, ausufernden Arrangements und brachialen Beats heraus. Schon das Intro des Titeltracks „Wilderness“ verheißt nichts Gutes: Dunkel pocht der elektronische Beat, zu Paukenschlägen und unheilvollen Klaviertönen setzt Evas tiefer (Sprech-)Gesang ein – er klingt wie eine Kriegserklärung.

Hundreds: „Wilderness“, Embassy of Music, (Warner), www.hundredsmusic.com

     
„What remains / is always / nothing“, heißt es in „What Remains“. Der Nihilismus macht „Wilderness“ mit ernstem Elektropop und vielschichtigen Soundcollagen wie in „Bearer & Dancer“ zum stärksten Album des Duos. Und das eingängige „Un-Unify“ oder das melodische „Lilly“ geben Hoffnung, dass die Welt vielleicht doch noch nicht verloren ist.

Sirany Schümann

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