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Neue Platten: Okkervil River Zum Sterben schön

Die Folkband OkkervilRiver aus Texas ist bekannt für tieftraurige Songs, die auf Beerdigungen laufen könnten. Auf ihrer neuen Platte "Away" geht die Band noch einen Schritt weiter und schreibt den Soundtrack für den eigenen Tod. Wie das klingt, weiß HAZ-Redakteur Gerko Naumann.

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Tieftrauriger Folk: Okkervil River.

Quelle: handout

Hand aufs Herz: Viele Musikfans haben schon darüber nachgedacht, welche Lieder auf der eigenen Beerdigung gespielt werden sollten. Okkervil River gehen einen Schritt weiter – und schreiben sich den Soundtrack für die letzte Reise einfach selbst. Die Texaner tragen im Video zu „R.I.P. Okkervil River“ symbolisch ihren Sänger Will Sheff zu Grabe. Der liegt mit Mikrofon in einem offenen Sarg und zieht ein bittersüßes Fazit: „My body, it is aching / And my poor old heart is breaking / And I’m so freaked out / We’ve got a big chance coming“.

Die morbide Vorabsingle des neuen Albums „Away“ dient durchaus als Blaupause für die neun Stücke. So tieftraurig klang selbst das für seine Melancholie bekannte Folk-Quintett selten. Das liegt natürlich hauptsächlich an der klagenden, zerbrechlichen Stimme von Sheff. Die lässt selbst Up-tempo-Nummern (oder was Okkervil River darunter verstehen) wie Balladen klingen.

Vor allem räumen die Musiker den Instrumenten mehr Raum ein als früher. Da dürfen die Streicher minutenlang Atmosphäre aufbauen; Piano oder Bläser halten sich dezent im Hintergrund. Die Akustikgitarre schleicht sich meist erst schüchtern heran, gewinnt dann aber im Laufe der Songs die Oberhand. Dieser Spannungsbogen braucht Zeit, weshalb kaum ein Song kürzer als sieben Minuten ist. Es sind eindringliche Momentaufnahmen, die zum nahenden Herbst passen. Man kann sich kaum satthören an den Songs – und wünscht sich mehr. Möge die Band noch lange leben!

Okkervil River: „Away“, ATO Records. www.okkervilriver.com

Gerko Naumann

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