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So klingt eine gute Out-of-Bed-Frisur

Neue Platten: Potugal.The Man So klingt eine gute Out-of-Bed-Frisur

Vier Jahre lang haben Portugal. The Man an ihrem neuen Album "Woodstock" getüftelt. Das Ergebnis klingt anders: Statt mit ehrlicher Gitarrenmusik trumpfen die US-Amerikaner mit gut gemachter Nachlässigkeit auf. Ob das funktioniert, weiß ZiSH-Autor Martin Wiens.

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Portugal. The Man ist zurück - "Woodstock" liefert Hits im Vorbeigehen.

Portugal. The Man wollten es einfach ein bisschen zu doll. Jahrelang tüftelten die fünf Musiker aus Wasilla, Alaska, tagein, tagaus an ihrem neuen Album, ehe sie bemerkten, dass sie sich verrannt hatten. Also: alles wegschmeißen, noch mal von vorne. Herausgekommen ist „Woodstock“: ein Album wie eine sehr gut gelungene Out-of-Bed-Frisur.

Es ist voll von der Sorte Hits, die so klingen, als seien sie mal eben schnell im Vorbeigehen passiert: ups, schon wieder ein Hit. Wie schwierig es in Wirklichkeit ist, gut gemachte Nachlässigkeit zu fabrizieren, weiß allerdings wohl jeder, der sich schon einmal selbst an einer Out-of-Bed-Frisur versucht hat.


Bestes Beispiel ist die Single „Feel It Still“. Die Hi-Hat tippelt zum sanften Tscha der Snare. E in Bass tupft dumpfe Töne, dazu tröten einsame Bläser. Mehr braucht es nicht. Den Rest erledigt der piepsige Falsettgesang von Frontmann John Gourley.

Der ist auch das Einzige, was vom dunstigen Indie-Rock früherer Alben übrig geblieben ist. Gitarren sind kaum zu hören. Stattdessen fiepen und tönen warme Synthies zu knarzenden Hip-Hop-Beats – mal überdreht („Easy Tiger“), mal pompös („Rich Friends“), und dann plötzlich ganz nahbar („So Young“). Mit ehrlicher Gitarrenmusik hat „Woodstock“ nur noch wenig zu tun. Ein Glück!  

Martin Wiens

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