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Tatsächlich ... Hass

Neue Platten: Fjørt Tatsächlich ... Hass

Die Hardcore-Band Fjørt ist angetreten, um sich die Wut von der Seele zu schreien. Das hört man den Aachenern an. Wie gut Wut, Hass und Verzweiflung klingen können, beweist ihr neues Album "Kontakt", meint ZiSH-Autor Manuel Behrens.

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"Wir wollen uns auskotzen", sagt die Band Fjørt. Hört man.

Quelle: handout

Mit Wut im Bauch tut man selten die richtigen Dinge. Kurzschlussreaktionen oder Übersprungshandlungen, die im Nachhinein echt dumm oder wirklich peinlich sind, kommen dabei heraus. Doch Wut und verbitterte Angepisstheit können auch gut – ja, sogar schön sein. Das beweisen die Aachener von Fjørt.

„Kontakt“ heißt das zweite Album des Trios, welches schon jetzt, ein paar Wochen nach der Veröffentlichung, ein nicht mehr wirklich geheimer Geheimtipp in der Hardcore-Szene sein dürfte.
Klar, eine Hardcore-Band, die nicht angepisst klingt, hat sich wohl im Genre geirrt. Was Fjørt besonders macht, ist ihre Art, sich diesem Thema zu widmen: Wut, die irgendwo zwischen Herz und Magen entspringt, wird – entgegen aller Neigung – nicht gleich herausgespuckt. Vorher bekommt sie Zeit, im Kopf abgewogen zu werden. Mit deutschen Texten ist es in der Regel schwer, nicht in eine pubertäts-punk-gleiche „Ich hasse meine Eltern, die Schule und die Welt“-Attitüde zu verfallen.

Diese Hürde meistern Fjørt ohne Probleme: Ob Beziehung („Anthrazit“), die stumpfe Pegida-Bewegung („Paroli“) oder vor allem Selbsthass („Lichterloh“), die junge Band um Schreihals Chris beschreibt die Emotion Wut nicht nur, sie schafft es, sie ein Stück weit zu definieren. Und das ist wirklich nicht einfach. Das brachial produzierte und inszenierte Gitarre-Bass-Drums-Inferno bietet die perfekte Kulisse, sich mal wieder so richtig auskotzen zu können. Dafür haben sich Fjørt – nach eigener Aussage – überhaupt gegründet.

Manuel Behrens

Fjørt: „Kontakt“, Grand Hotel Van Cleef.

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