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So mutig klingt das Debütalbum von Pumarosa

Indie-Band aus London So mutig klingt das Debütalbum von Pumarosa

Wann kommt denn endlich der Refrain? Das fragt man sich beim ersten Hördurchgang von Pumarosas Debütalbum "The Witch" mehrfach. Doch bald wird klar, dass sich die Indie-Band aus London wenig um Pop-Formeln schert. Warum die unkonventionelle Platte trotzdem in ihren Bann zieht, weiß HAZ-Redakteur Karsten Röhrbein.

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Pumarosa: So eigensinnig und stimmig war lange kein Debüt mehr.

Quelle: Handout

Wer auf der Suche nach neuer Musik nur mal kurz in den Refrain reinskippen will, kann bei Pumarosa lange suchen: Das Indie-Quintett aus London schert sich nicht um bewährte Pop-Formeln, um Strophen und Refrains. „Priestess“, die erste Single, kommt nur schleppend in Gang, sie ist mit sieben Minuten zudem glatt doppelt so lang wie die Songs, die heutzutage im Radio gespielt werden. Aber während man immer ungeduldiger darauf wartet, dass die wabernden Gitarren endlich mal zum Punkt kommen, hat einen die theatralische Stimme von Isabel Munoz-Newsome schon in ihren Bann gezogen.

Die Britin, die sich auf dem Debütalbum „The Witch“ über Liebhaber („Honey“) ebenso ereifern kann wie über die astronomischen Mieten in ihrer Heimatstadt („Lion’s Den“), erinnert dabei an die schroffe Post-Punk-Ikone Siouxsie 
Sioux.

Produzent Dan Carey (Kate Tempest, Bat for Lashes) hat ihren abgeklärten, hohen Gesang so weit in den Vordergrund gemischt, dass einem erst nach und nach auffällt, wie aberwitzig die Musik im Hintergrund ist: Milder Dream-Pop trifft da auf entfesselten Trip-Hop, zackige Math-Rock-Gitarre auf psychedelisches Softporno-Saxofonspiel. „Industrial Spiri­tual“ nennen Pumarosa diese wilde, von allen Genregrenzen befreite Mischung. Ein pathetischer Name, der einen aber nicht abschrecken sollte. So eigensinnig und stimmig war lange kein Debüt mehr.

Karsten Röhrbein

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