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neue platten

Spätsommerpop


Melancholisches Klangalbum aus Hamburg: Karsten Röhrbein stellt für ZiSH das neue Album von Boy vor.
Sie sind Boy: Valeska Steiner und Sonja Glass.

Sie sind Boy: Valeska Steiner und Sonja Glass.

© Handout

Zwischen Abschied und Ankommen, zwischen Rausch und Ernüchterung spielen die Songs des Hamburger Duos Boy. Bravourös gelingen Valeska Steiner und Sonja Glass auf „Mutual Friends“ zwölf gänzlich unaufgeregte Songs, die alle einen feinen Sepia-Stich haben, weil sie von einer Gegenwart erzählen, die voll von Erinnerungsfetzen ist. Von Partyfotos am Kühlschrank singt Steiner – und von der Ahnung, dass die lachenden Menschen, die darauf zu sehen sind, nur so lange Freunde sind, wie die Party andauert. In diesen Momenten ist„Mutual Friends“ ein Abgesang auf die Generation Facebook, auf euphemistische Statusmeldungen und ein soziales Netz, von dem man nicht weiß, ob es einen auch dann auffängt, wenn es mal ernst wird.

Das klingt melancholisch, aber nie verzweifelt – schönster Spätsommerpop eben. Die federleichten, traumwandlerisch stilsicheren Akustikgitarren- und Pianostücke haben Boy bisweilen auf Streicher- und Bläserarrangements gebettet – ganz behutsam, als würden sie sonst zerbrechen. Gefunden haben sich die Hamburgerin Glass und die Züricherin Steiner beim Studiengang Popularmusik an der Hamburger Musikhochschule – was auch die Professionalität des Debüts erklärt. Mit Unterstützung von Gastmusikern wie Phoenix-Drummer Thomas Hedlund sind Songs entstanden, die nicht nur die Wartezeit bis zum nächsten Feist-Album verkürzen. Lange haben Zwischentöne nicht mehr so schön geklungen.

Karsten Röhrbein

Boy: „Mutual Friends“, Grönland Records.

www.listentoboy.com

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