Tomte hat Pause. Die Hamburger Indierockband, mit der sich Thees Uhlmann vom Schweinehänger im niedersächsischen Cadenberge bis auf die Bühnen der großen Konzerthallen gespielt hat, muss hinter den Ambitionen ihres Frontmanns zurückstehen. Denn der wollte eine Platte ohne den Ballast von fast 20 Jahren Bandgeschichte. Eine mutige Entscheidung. Und eine gute. Denn „Thees Uhlmann“ ist eine sehr persönliche Platte geworden. Es geht um das Littbarski-Poster über dem Bett, um Dörfer, in denen man noch seine Jugendliebe heiratet. Um das, was einen geprägt hat – auch wenn man das vielleicht nicht wahrhaben will.
Der 37-jährige Uhlmann hat sein erstes Soloalbum auf Anraten seines Produzenten Tobias Kuhn (Monta, Miles) auf dem Klavier komponiert, dennoch sind schwelgerische Songs wie „& Jay-Z singt uns ein Lied“ für die große Bühne bestimmt. Aufdringlich sind die elf Titel selten. Viel öfter sind sie sehr eindringlich. Wie etwa „Die Toten auf dem Rücksitz“, ein wunderschönes Road-Movie fürs Kopfkino. Vom Ausbrechen handelt der Song und vom dem, was man dabei mitnehmen sollte: Narben, Hoffnungen, alte T-Shirts, Lieblingsplatten und das letzte Geld. Und von dem, was man mitschleppt, ob man will oder nicht. Die Toten auf dem Rücksitz eben: „All das Gute, all das Schlechte, all die Menschen, mit denen man Zeit geteilt hat“, wie Uhlmann im Interview sagt. Fast schon altersweise. Wie das Album.
Karsten Röhrbein
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