Hannover.
Jetzt singt sie auch noch: Ex-Moderatorin Nora Tschirner, die in Til-Schweiger-Komödien erstaunlicherweise eine genauso gute Figur macht wie in charmant-durchgeknallten Indie-Produktionen („Ijon Tichy“), ist neuerdings nicht nur Schauspielerin und Regisseurin, sondern auch Gitarristin und Sängerin. Und auch das gelingt der 31-Jährigen mit Bravour.
Prag heißt die Band, zu der Tschirner 2011 durch Zufall stieß: Sänger Erik Lautenschläger, den sie noch aus ihrem Berliner Schulchor kannte, suchte eine Duettpartnerin und sprach Tschirner an, als er sie zufällig wiedersah. Angeblich vor einem Kino. Die Schauspielerin kam mit ins Studio, hatte gleich einige Verbesserungsvorschläge für die fast fertigen Songs und war schnell festes Bandmitglied. Das Prag-Debütalbum „Premiere“ ist clever arrangierter, leicht grobkörniger Breitwandpop fürs Programmkino. In den besten Momenten, bei der Single „Bis einer geht“ etwa, erzählt Prag beschwingt vom Ausbruch in kindliche Unbeschwertheit („Barfuß durch die Blätter / Und die Luft riecht nach Gewitter“). Leider gibt es davon nicht so viele. Das liegt auch daran, dass Tschirner bei den wenigsten der 14 Titel mitsingt. Die augenzwinkernde Nostalgie, die sich in Gestalt von Lautenschlägers Texten penetrant über die schön altmodischen Chamber-Pop-Songs legt, ist wie schlechte Synchronisation im Kino: schwer erträglich. Dafür sind die Videoclips schön anzusehen. Die hat schließlich auch Tschirner gedreht.
Karsten Röhrbein
Prag: „Premiere“
Tynska Records (Tonpool)
www.prag-music.com
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