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Mittelfinger für die Doppelmoral

Neue Platte: OK Kid Mittelfinger für die Doppelmoral

OK Kid knüpfen mit "Zwei" vom Stil her an ihr erstes Album an. Neu sind die gesellschaftskritischen Texte: Offenbar richtet sich der auf dem Cover angedeutete Mittelfinger vor allem auch gegen Alltagsrassisten.

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Hip-Hop mit verschnörkelten Texten über das Lebensgefühl der Generation Y: Ok Kid.

Quelle: Stefan Braunbarth

Das zweite Album ist ja angeblich das schwerste. OK Kid, die angesagten Pop-Rapper aus Gießen, gehen offensiv mit ihrem Respekt vor diesem Musik-Mythos um und nennen ihr neues Machwerk schlicht „Zwei“. Und sie bleiben dem Stil ihres einst ordentlich gehypten und erstaunlich eingängigen ersten Albums „OK Kid“ treu. Harte Schlagzeug-Beats treffen auf wabernde Synthie-Sounds, dazu liefert Sänger Jonas Schubert verschnörkelte Texte über das Lebensgefühl der Generation Y ab. Neu ist: Die Band bezieht Stellung zur politischen Lage.

In der Single „Gute Menschen“ prangern OK Kid den Alltagsrassismus an, der gesellschaftsfähig geworden ist. Besorgte Bürger hetzen aus „Angst um ihre Blutsbrüder“ gegen Ausländer – und gönnen sich anschließend einen Döner mit der „besten Soße der Stadt“. Dieser Doppelmoral strecken die Wahl-Kölner auf dem Cover den Mittelfinger entgegen: „Wahrscheinlich werden sie es nie verstehen, warum ich kotzen muss, wenn ich sie seh.“

Ein politisches Album ist „Zwei“ dennoch nicht. Im Song „Bombay Calling“ taumeln die Musiker, alle Anfang 30, ziellos im Gin-Rausch durch die Nacht und grölen „Alle suchen nach dem Zeitgeist – meiner kommt aus der Flasche.“

Auch wenn der rote Faden fehlt, dem deutschen Hip-Hop tun OK Kid gut. Mit ihren emotionalen Texten bieten sie einen erfrischenden Kontrapunkt zu den unzähligen stumpfen Möchtegern-Vorstadtgangstern, die sich in den Charts beleidigen.

Gerko Naumann

OK Kid: „Zwei“, Four Music (Sony Music). www.okkidmusik.com

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