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Auf dem neuen Album von Prinz Pi, „Im Westen Nix Neues“, geht es um die Kämpfe einer Luxusgesellschaft. Musikalisch springt der Rapper zwischen Kitsch und Kritik hin und her.

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Letztes Jahr war er noch unter seinem Pseudonym Prinz Porno unterwegs, jetzt ist er als Prinz Pi zurück.

Quelle: David Daub

Ohne Krieg keine Kämpfe, könnte man meinen. Trotzdem nennt Rapper Prinz Pi sein neues Album „Im Westen Nix Neues“ – nach Erich Maria Remarques Roman von 1929, der den Ersten Weltkrieg aus Sicht eines jungen Soldaten erzählt.

Auch Prinz Pi schildert auf seinem Album Kämpfe – die einer Luxusgesellschaft. Er rappt darüber, wie schmerzhaft es ist, stets als Außenseiter wahrgenommen zu werden („Rebell ohne Grund“) und wenn man an den eigenen Lebensplänen scheitert („Kartenhaus“). Wie schon die letzten Alben des Prinzen ist auch das neue eine romantische Verklärung der Jugend, Feiern von Melancholie – und ein sprachgewaltiges Offenlegen des Inneren. Auch darin ähnelt es einem Roman: Manche Lieder, wie „21:04/Schwarzer Lack“, scheinen nur aus der reinen Freude an der Sprache geschrieben worden zu sein.

Die Melodien fangen das auf, was Pi rappt, unterstreichen es mit simplen Riffs („Werte“) oder balladigen, fast schon kitschigem Piano („1,40m“).

Doch zwischen alledem steckt viel Kritik. In „Weiße Tapete/Minimum“ kritisiert er die oberflächliche Konsumgeilheit: „Die Leute reden Mist/ denn du bist definiert durch das Logo auf deinem Shirt.“ Das Leben eines Waffenfabrikanten und eines Kampfpiloten schildert Pi so: „Wir schlafen gut, denn wir machen einen wichtigen Job, wo alles landet haben wir nicht im Kopf.“ Also doch Krieg. Und zwar einer, vor dem man einfach die Augen verschließt. Nix Neues im Westen also.

Maike Brülls

Prinz Pi: „Im Westen Nix Neues“, Keine Liebe Records.

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