Hannover. Jesse Boykins III geht in den Verstand des Menschen. Mächtige Worte zwingen den Hörer, seinen Verstand bereit zu machen, etwas Großes zu erfahren. Der Soulsänger aus Chicago, wohnhaft in Brooklyn, nennt diesen Moment „Schwaza“ – ein Zustand der Sprachlosigkeit, weil das Erfahrene zu groß, zu überwältigend ist. Und so hört sich das Album „Zulu Guru” von Boykins und Produzent MeLo-X auch an. Überwältigend, vom ersten bis zum letzten Takt.
Bei Solostücken hatten die beiden bereits zusammengearbeitet, bevor sie sich zu einem Gemeinschaftsprojekt entschieden. Dabei einen sie Genres – wie Hip-Hop, Elektro, Trance und eine Mischung aus Funk, Jazz und afrikanischen Percussions. Boykins, dessen Stimme sagenhafte fünf Oktaven umfasst, schafft es dabei mühelos, zwischen den Stilen zu wechseln. Und präsentiert mit Songs wie „Change of Heart”, einem edlen Feature mit MoRuf und Chris Turner über Untreue, oder dem düsteren „The Perfect Blues” kleine Meilensteine einer neuen Soul-Welle, auf der er mit US-Künstlern wie Frank Ocean schwimmt.
Boykins hat für allerhand junge schwarze Künstler das „Romantic Movement” ausgerufen, für das – und für die Liebe – es sich zu kämpfen lohne. Mit “Zulu Guru” hat der Amerikaner ein fast schon episches Werk geschaffen. Ohne zu übertreiben, kann man Jesse Boykins III als Guru seiner eigenen Bewegung bezeichnen.
Felix Klabe
Jesse Boykins III: „Zulu Guru“,
Ninja Tune
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