Wenn sich zwei gestandene Indierocker wie dEUS-Chef Tom Barman und Ex-Afghan-Whigs-Kopf Greg Dulli zusammentun, kann ohne mit der Wimper zu zucken Großes erwartet werden. Gleich zweimal haben die beiden Herren bei der Arbeit am neuen Album der Belgier die Köpfe in der Aufnahmekabine zusammengesteckt. Herausgekommen sind bei der sympathischen Hilfeleistung mit „Dark sets in“ und „Twice“ prompt auch die beiden Höhepunkte von „Keep you close“.
Die übrigen sieben Songs bleiben dagegen leider im Mittelmaß stecken. Denn sowohl die gekonnt arrangierten Orchester-Passagen des Titelstücks, als auch der leichte Jazz-Einschlag bei „The final blast“ und andere Soundtüfteleien – alles klingt wie schon mal dagewesen im dEUS-Universum. Es scheint, als sei aus Barman und seinen Jungs eine gut eingespielte, solide arbeitende Indie-Institution geworden, die zwar immer noch ein phantastisches Gespür für große Melodien hat, aber der alten, immer wieder zwischen den Songzeilen aufblitzenden Anarchie der frühen Jahre bewusst abgeschworen hat. Dadurch geht leider die besondere Magie verloren, die die dEUS-Kompositionen bis zu ihrem Meisterwerk „The ideal crash“ begleitete.
Aber der Ausweg ist ja bereits gefunden: Beim nächsten Studiobesuch laden sie einfach noch mehr gestandene Recken vom Schlage Dulli ein, dann geht es vielleicht wieder aufwärts.
Tobias Morchner
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