Hannover. Auch der Schreibwettbewerb hat sich weiterentwickelt. Die HAZ-Ausschreibung ist zum Erfolgsmodell geworden. Die Teilnehmerzahlen haben sich im Verlauf von zehn Jahren mehr als verzehnfacht. Bis zu 1800 Schüler aus Hannover und Umgebung beteiligten sich pro Jahr. Die Säle, in denen wir unsere Preisträger kürten, platzten aus allen Nähten; viele Deutschlehrer machten unsere Themen zu Aufsatzthemen. Damit ist unser Wettstreit zum erfolgreichsten Schüler-Schreibwettbewerb Deutschlands geworden.
Am Anfang war alles noch ganz überschaubar. Wir starteten 2000 mit einem Probelauf an der IGS Linden. Teilgenommen haben damals alle neunten Klassen, die klassenintern die beiden jeweils besten Texte auswählten und an eine Jury unter Vorsitz des damaligen HAZ-Chefredakteurs Wolfgang Mauersberg weiterleiteten. Im nächsten Jahr fiel die Begrenzung, und alle Schüler in der Region Hannover erhielten die Chance, sich mit einer Geschichte ein bisschen dazuzuverdienen. Manches hat sich im Verlauf der Zeit geändert.
Während wir am Anfang insgesamt nur drei Preise vergeben haben, werden heute drei Preise in vier Altersgruppen ausgeschrieben – also insgesamt zwölf. So ist es besser möglich, bei der Beurteilung der Texte das altersbedingte Leistungsvermögen und die unterschiedliche Erfahrungswelt der Teilnehmer zu berücksichtigen. Einen sogenannten Publikumspreis, der über eine Internetabstimmung vergeben wurde, gibt es dagegen inzwischen nicht mehr. „Da hatte der die besten Chancen, der die meisten Freunde und Verwandten mobilisieren konnte“, sagt das langjährige Jurymitglied Jörg Ilsemann, Lehrer an der IGS Linden. „Das war schon ziemlich ungerecht.“
Heftige Debatten in der Jury
Total gerecht und unumstritten kann die Auswahl der Besten natürlich nie sein. Für die Beurteilung von kreativen Geschichten gibt es keine objektiven Maßstäbe wie in der Mathematik. Jeder Preisverleihung gehen daher heftige Debatten in der Jury und bisweilen auch Kampfabstimmungen voraus. Für die Jurymitglieder – Vertreter der hannoverschen Literaturszene, Lehrer, Mitarbeiter der HAZ-Jugendredaktion ZiSH und HAZ-Redakteure – ist die Auswahl der Besten stets mit viel Arbeit verbunden, aber immer auch eine spannende Erfahrung. Denn die Geschichten lassen oft tief blicken: So mancher Text gibt Auskunft darüber, was es bedeutet, erwachsen zu werden – in welch kurzer Zeit Kinder und Jugendliche ungeheure Entwicklungsschritte zurücklegen. Steht bei Fünftklässlern noch die Sorge um das Wohl des Hamsters im Zentrum des Lebens, beherrschen zwei Jahre später schon ganz andere Beziehungsgeschichten die Gedanken und Phantasien.
Jedes Jahr aufs Neue widerlegen die Einsendungen das weitverbreitete Vorurteil, dass „kleine Leute“ auch nur „kleine Sorgen“ haben. Doch zum Glück spiegeln sich in manchen Geschichten auch die Sonnenseiten des Lebens wider.
Ganz besonders aber freut uns, dass wir mit unserem Wettbewerb dazu beitragen konnten, Lust aufs Schreiben zu machen. Dies bestätigen uns auch die Rückmeldungen aus den Schulen, wo kreatives Schreiben oft notgedrungen zu kurz kommt. Wenn man dann am Ende auf dem Siegertreppchen steht, ist der Motivationsschub bisweilen so groß, dass sich die eine oder der andere auch an größere Schreibprojekte wagt. Zum Beispiel Eva Dumann. Die frühere Schülerin der Wilhelm-Raabe-Schule gewann 2008 als Neuntklässlerin den ersten Platz mit einer bewegenden Weihnachtsgeschichte unter dem Titel „Das Gliederpüppchen“. Mittlerweile hat Eva bereits einen 480 Seiten dicken Fantasyroman veröffentlicht und arbeitet an einer Fortsetzung. Auch beim HAZ-Schreibwettbewerb war Eva im Jubiläumsjahr erneut erfolgreich. Herzlichen Glückwunsch – auch allen anderen Preisträgern!
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