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Die besten Geschichten Klasse 5 und 6

Luca Wolters lässt Legomännchen zum Leben erwachen


Der 12-jährige Luca Wolters besucht die IGS Linden. Mit seiner Geschichte "Der Kampf der Dinge" belegt er in seiner Altersklasse Platz 1 des HAZ-Schreibwettbewerbs.
Luca Wolters belegt den 1. Platz in seiner Altersklasse.

Luca Wolters belegt den 1. Platz in seiner Altersklasse.

Draußen war es dunkel. Nur das Licht der Straßenlaterne auf der anderen Straßenseite fiel durchs Fenster. Im Zimmer sah man nur dort etwas, wo das schwache Licht hinfiel. Sonst war es stockfinster. Am Rand des Lichtkegels huschten kleine, schwarze Schatten umher. Plötzlich flog ein kleines Licht durch das halbe Zimmer. Dann noch eins und noch eins. Es waren kleine Feuerpfeile. Ihnen folgte ein Aufschrei. Sie hatten getroffen! Nun wurde es ganz, ganz still.

Es war die Ruhe vor dem Sturm. Die ganze Welt schien darauf zu warten, dass es endlich losging. Spannung hing in der Luft. Jeder hatte ein wenig Angst. Selbst er. Ja, selbst er. Dabei war er der beste Krieger im ganzen Kinderzimmer. Sogar in der Wohnung gab es keinen, der ihn hätte schlagen können. Vielleicht gab es noch nicht mal im ganzen Haus einen, der dies vermochte. Außer den Menschen natürlich. Früher war er Polizist in Lego City gewesen. Aber nun war er ein Ritter. Die anderen Legomännchen nannten ihn nur „der Wolf“ oder „der Schwarze“. Seine Angst durfte er trotzdem nicht zeigen.

Er ärgerte sich, dass er ausgerechnet heute, statt seiner Lanze, die ihm kaputtgegangen war, nur einen einfachen Speer hatte. Dann dachte er daran, dass der Junge, der oben auf dem Hochbett schlief, von all dem, was hier unten gleich passieren würde, nichts ahnte. Hoffentlich! Denn sonst könnte das fatale Folgen haben. Ein Schrei weckte ihn aus seinen Gedanken. Er sah, dass die Drachen-Ritter mit lautem Geschrei auf sie zustürmten. Kurz entschlossen stieg er vom Pferd, scheuchte es weg, schleuderte seinen Speer in die gegnerischen Reihen und zog sein Schwert. Die Schlacht hatte begonnen!

Der erste Gegner war ein Soldat mit Lanze

Er und seine Männer rannten ihren Feinden entgegen. Als sie aufeinandertrafen, explodierte das Schlachtfeld fast. So laut war der Lärm, der von den Kämpfenden ausging. Der erste Gegner, den sich der Wolf aussuchte, war ein einfacher Soldat mit Lanze, der ihn nicht zu sehen schien. Der Wolf hob gerade das Schwert, als sich der Soldat umdrehte und ihm die Lanze so entgegenhielt, dass sie den Schlag abwehrte. Dann stieß er mit der Lanze zu. Doch diese traf bloß die Rüstung des Wolfs. Mit Leichtigkeit durchbohrte sein Schwert das Lederhemd, das der Soldat trug. Der Soldat schrie kurz auf und sackte zusammen. Dann hörte man nur noch ein leises Röcheln und schließlich gar nichts mehr.

Noch bevor sich der Wolf nach einem neuen Gegner umsehen konnte, spürte er einen harten Schlag in der Seite. Er wirbelte herum und sah einen Drachen-Ritter, der seinen Streitkolben schon zu einem zweiten Schlag hob. Der Wolf ließ sich zu Boden fallen. Der Streitkolben sauste an ihm vorbei. Dann schnitt er mit seinem Schwert seinem Angreifer ins Bein. Dieser fiel auf die Knie. Das nutzte der Wolf aus und erstach seinen Feind. Er stand auf und sah sich nach einem würdigeren Gegner um.

Den fand er auch bald. Es war ein stattlicher Schwertkämpfer, der gerade einen Soldaten des Königs tötete. Der Wolf ging auf ihn zu und wollte ihn von der Seite angreifen. Aber der Drachen-Ritter hielt ihm sein Schwert entgegen. „Es war ein Fehler, mit mir die Klinge zu kreuzen!“, prophezeite der Feind. „Das werden wir ja sehen“, entgegnete der Wolf kühl. Es entbrannte ein erbitterter Kampf. Beide waren gut, deshalb gelang es keinem von beiden, die Oberhand zu gewinnen. Doch der Wolf hatte mehr Ausdauer. Da sein Feind zunehmend schwächer wurde, konnte er ihn immer weiter zurück und schließlich in eine Ecke drängen. „Ich glaube eher, es war dein Fehler, die Klinge mit mir zu kreuzen“, triumphierte der Wolf. Sein Gegner röchelte nur kurz und sackte zusammen.

Während im Zimmer der Kampf tobte, bemerkte niemand das leise Kratzen an der Tür, das von draußen hereindrang. So bemerkte auch niemand, wie sich die Klinke langsam nach unten bewegte.

Plötzlich öffnete sich die Tür weit. Alle hielten inne und starrten wie gebannt auf den riesigen Schatten, der mit leuchtenden Augen auf der Schwelle stand. Es war die Katze! Jedes Legomännchen wusste, wie gefährlich die Bestie war. Die Katze zögerte einen Augenblick. Doch dann legte sie die Ohren an und sprang mit ausgefahrenen Krallen mitten in die erschrockenen Legomännchen hinein. „Attacke! Auf die Katze!“, ertönte ein Aufschrei aus der Menge. Da rappelten sich die Legomännchen wieder auf und attackierten die Katze. Wieder flogen winzige Pfeile durch das Zimmer und auf den Eindringling zu.

Überall, wo die Katze ihre Pfoten hinsetzte, fuhren kleine Schwerter, Messer und Äxte auf sie nieder. Mit Lanzen und Speeren versuchten die Legomännchen die Katze am Bauch zu verletzen. Im Gegenzug schlug und trat die Katze nach ihnen. Bei einem ihrer Schläge schleuderte sie einen schwarzen Ritter, auf dessen Wappen ein silberner Wolf zu sehen war, gegen die Wand. Für ein paar Augenblicke blieb er bewusstlos. Er kam erst wieder zu sich, als ihm ein anderer Soldat einen Becher an die Lippen setzte und fragte: „Ist alles okay? Brauchst du einen Arzt?“

Ein Röcheln antwortete ihm, aus dem sich allmählich diese Worte formten: „Tötet die Bestie!“ Dann legte sich der Ritter wieder hin und schloss die Augen.

Ein Legotruck fuhr vor. Die Heckklappe wurde geöffnet, und neue, frische Streitkräfte strömten heraus. Auch die Seitenklappe wurde geöffnet. Peng! Eine Kanone wurde abgefeuert und traf die Katze an der Seite. Wütend schlug sie nach dem Laster. Sie traf ihn aber nicht. Peng! Ein zweites Mal wurde die Kanone abgefeuert. Dieses Mal traf sie die Katze am Kopf. Allmählich wich die Wut aus den Augen der Katze und machte der Angst und Verzweiflung Platz. Denn die Legomännchen wurden immer mehr, und sie blutete nun schon aus vielen kleinen Wunden. Fauchend und zischend zog sie sich langsam zurück.

Plötzlich drehte sie sich blitzschnell um und rannte gegen die wieder zugefallene Tür. Ihr Schmerzensschrei gellte durch das Zimmer. Oben auf dem Hochbett wurde ein Licht angeknipst. Der Junge schaute verschlafen über das Geländer. Als er die Katze und das Chaos auf dem Boden sah, staunte er nicht schlecht. Aber dann kletterte er die Leiter hinunter und fing an zu schimpfen: „Du böses, böses Katzenvieh! Was hast du mit meinen Legofiguren gemacht?!“

Zum Verstecken war es für die Legomännchen nun zu spät. Sie blieben einfach in der Haltung, in der sie gerade waren.

„Janna! Was ist denn mit dir passiert?“, rief der Junge erschrocken, als er sah, wie die Katze vor der Tür kauerte – blutend und mit verängstigtem Blick auf die Legomännchen starrend. Er ging auf sie zu und nahm sie auf den Arm. Dann rief er laut nach seiner Mutter, die entsetzt aufschrie, als sie die blutende Katze sah. „Um Gottes willen, was ist denn hier passiert?“, fragte sie und nahm ihrem Sohn die Katze ab.

„Ich glaube, die Katze hat gegen meine Legofiguren gekämpft“, antwortete der Junge. „So ein Quatsch! Die leben doch nicht“, sagte seine Mutter.

„Jedenfalls ist Janna gegen die Tür gelaufen“, stellte der Junge fest, als er die Blutflecken an der Tür sah. Ohne ein weiteres Wort ging die Mutter mit der Katze aus dem Zimmer. Wenige Minuten später kam sie zurück und brachte ihren Sohn ins Bett. Der Junge lauschte angestrengt in die Dunkelheit. Als er leise Geräusche hörte, überlegte er: Konnte es vielleicht doch sein, das seine Legomännchen ...?

Die Legomännchen atmeten auf. Ganz schön knapp!

Der Wolf suchte sein Pferd. Als er es nicht fand, pfiff er durch eine kleine Pfeife. Schon kam sein Pferd angaloppiert. Er tätschelte es und gab ihm einen Apfel.

Kurz nachdem der Junge eingeschlafen war, schickte die Sonne ihre Strahlen durch das Fenster. Wie jeden Morgen wurden die Legomännchen durch die gleiche magische Kraft wieder in dieselbe Position gebracht, wie der Junge sie am Abend zuvor zurückgelassen hatte. Der Wolf dachte noch daran, dass im Kinderzimmer wieder Frieden herrschte, bevor er für den Rest des Tages erstarrte.

rör

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