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Viel Applaus für die Sieger

Viel Applaus für die Sieger

Zu den Heimstätten des gedruckten Wortes zählt in Hannover sicherlich das Pressehaus in Kirchrode. Hier entsteht die HAZ, hier wird täglich um Texte und Formulierungen gerungen – ein Prozess, der den Teilnehmern des neunten HAZ-Schreibwettbewerbs vertraut sein dürfte. Da schien es passend, die Preisverleihung im großen Saal des Pressehauses stattfinden zu lassen.

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Lauter Sieger - zusammen mit HAZ-Chefredakteur Ulrich Neufert.

Quelle: Martin Steiner

Anders als in den Jahren zuvor war es diesmal eine Gala in kleinerem Rahmen – was allerdings nicht vom Umfang des HAZ-Schreibwettbewerbs selbst zu behaupten ist: HAZ-Chefredakteur Ulrich Neufert erinnerte an die Anfänge im Jahr 2001: „Damals haben wir 93 Beiträge erhalten – heute sind wir bei eintausend angelangt.“

„Tausend tolle Texte“, präzisierte der Juryvorsitzende Heinrich Thies, der gemeinsam mit HAZ-Mitarbeiter Jan Sedelies durch den unterhaltsamen Abend führte. Ein Abend, an dem sich knisternde Spannung zwischen den Stuhlreihen breitmachte. Denn die jungen Gäste wussten: Sie haben es in die ganz enge Auswahl geschafft. Dass sie später mit einer Urkunde unter dem Arm, einem Scheck in dreistelliger Höhe in der Tasche und dem tollen Gefühl, gewonnen zu haben, den Saal verlassen würden, das wussten sie aber nicht.

„Ich hätte das jetzt nicht erwartet“, sagte denn auch die neunjährige Leonie Harth, als sie den dritten Preis für ihre Geschichte „Der Traum des Königs“ in der Kategorie „bis Klasse 4“ entgegennahm. Dass sich das unermüdliche Schreiben auch dann lohnt, wenn sich der Erfolg nicht auf Anhieb einstellen will, bewies Dorothea Kirch. Schon in den Jahren zuvor hatte sie am HAZ-Schreibwettbewerb teilgenommen, nun wurde sie belohnt: Mit ihrer Geschichte „Tapern im Dunkeln“ belegte Dorothea den dritten Platz in der Kategorie „bis Klasse 6“. Aufs Siegertreppchen der Drittplatzierten schafften es auch Christina Armbruster („bis Klasse 9“) und Anna Luisa Walter („bis Klasse 13“).

Schon da fiel auf, dass ziemlich viele Mädchen unter den Preisträgern sind. „Es ist doch ein Wermutstropfen“, sagte der Jurvorsitzende Thies, „dass so wenig Jungen am Wettbewerb teilgenommen haben – rund 30 Prozent.“ Aber so ganz jungenfrei blieb die Bühne dann doch nicht: Marc Monsen gewann in der Kategorie „bis Klasse 6“ den zweiten Preis – mit einer berührenden Geschichte über ein Mobbingopfer. Bedrückend ist auch die Geschichte von Lina Peters über eine paranoide Frau, für die sie mit dem zweiten Platz in der Kategorie „bis Klasse 9“ ausgezeichnet wurde. Emma Cordes, mit acht Jahren die Jüngste unter den Preisträgern, überzeugte mit ihrer Geschichte „Das Amulett“.

„Ehrlich und berührend“ – so lautete das Urteil der Jury über den Text von Judith Freund über die peinigende Erkrankung an Neurodermitis. Und ehrlich und direkt gab Judith auch Auskunft darüber, wo sie ihr Preisgeld als Zweitplatzierte („bis Klasse 13“) anlegen möchte: „in die Kasse fürs Shoppen“. Für entspannte Unterhaltung zwischen den Siegerehrungen sorgte der lässige Jazz der jungen hannoverschen Band Royal Basement Ensemble. Wagemutige Artistik boten die Akrobaten vom Netzwerk für Zirkuskünste in Hannover „Circo“ – auf Händen, auf Füßen, auf Einrädern. Und wie amüsant die Jonglage mit Worten sein kann, zeigte der Poetry-Slam-Künstler Tobias Kunze. Eine „Stehgreifgeschichte“ will er darbieten – und meint es wörtlich: Das Publikum wirft ihm Wörter auf die Bühne, Kunze steht da, greift zu und erfindet mal eben eine Geschichte über einen Maulwurf mit Kenntnissen in digitaler Bildbearbeitung.

An Phantasie mangelt es sicher auch keinem der Erstplatzierten: weder Kara Bukowski („bis Klasse 4“), die vom Sternenangeln berichtet, noch Merrill Jonas Hagemann („bis Klasse 6“), der sich in seiner Erzählung bei den Simpsons auf dem Sofa wiederfindet. Lennart Höft („bis Klasse 9“) ist mit seiner Geschichte „Auf dünnem Eis“ souverän auf Platz eins geschlittert. Und mit einem nachdenklich stimmenden Text über zwei Jugendliche, die sich fragen, ob sie sich das Leben nehmen sollen, hat sich Fenena Sonntag („bis Klasse 13“) den ersten Platz verdient.

So manche prämierte Geschichte mag düster und beklemmend sein – der Abend im Pressehaus ist es sicher nicht. Großer, lang anhaltender Applaus für zwölf begabte Jungautoren und ihren gekonnten Umgang mit dem gedruckten Wort.

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