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Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Reiseleiter Arbeiten, wo andere Urlaub machen

Wochenlang sonniges Wetter, Palmen und einen kühlenden Pool in nächster Nähe – was wir nur als Urlaubsort kennen, 
ist für andere ihr Arbeitsplatz. ZiSH hat zwei junge Reiseleiter gefragt, wie es ist, dort zu rackern, wo andere relaxen.

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Das Team ist für Jana-Sophie Gawin (Dritte von links) wie eine zweite Familie.

Quelle: Privat

Flucht aus dem Alltag

Türkisblaues Wasser, wunderschöne Strände und traumhaftes Wetter – das klingt nach einem Traumurlaub. Für Jana-Sophie Gawin ist es dagegen eine ganz normale Dienstreise. Die 26-Jährige ist gerade für eine Woche auf der griechischen Insel Zakynthos und coacht dort Animateure.

Jana ist „Entertainment Manager“, sie leitet die Animateure in den Tui-Hotels auf den griechischen Inseln an. Mit ihrer Hilfe und ihrem Feedback üben sie Abendshows ein, organisieren Quizze oder Partys für die Gäste. Wie eine Unternehmensberaterin reist sie jede Woche alleine in ein anderes Hotel und coacht verschiedene Teams. Auch wenn es Probleme mit dem Vertrag gibt, ist sie die Ansprechpartnerin. Für diese Saison hat sie auf Korfu eine Wohnung, von dort aus fährt sie zu den anderen Inseln.

Sommer, Sonne, Herzschmerz

Nach heißen Küssen und innigen Liebesschwüren halten die meisten Urlaubsbeziehungen nur bis zum Abreisetag. 
 ZiSH erzählt, warum es zwischen Strand, Meer und Hoteldisko trotzdem funkt – und was vom Urlaubsflirt bleibt.

Schon während ihrer Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau bei der Tui begann sie, nebenbei als Animateurin zu arbeiten. Seitdem verbrachte Jana jeden Sommer auf Urlaubsinseln: Gran Canaria, Teneriffa oder Menorca. Nach einiger Zeit begann sie, ihr eigenes Team zu leiten und arbeitet in dieser Saison das erste Mal als Entertainment Manager.

Zurzeit studiert Jana in Hannover Sozialwissenschaften. Eigentlich wollte sie zu Beginn des Studiums aufhören, bei der Tui zu arbeiten. Doch lange hielt Jana es nicht in der Heimat aus: „Ich hatte einfach Fernweh“, sagt sie und fragte bei Tui an. Die schickten sie direkt über den Sommer nach Rhodos. Sobald sie nun frei hat, verlässt sie Deutschland, um an den Traumstränden zu arbeiten. Hausarbeiten und Essays schreibt sie dann einfach aus der Ferne.
In ihrer Ausbildung hat Jana bereits gemerkt, dass es ihr auf Dauer zu eintönig ist, von 9 bis 17 Uhr im Büro sitzen. Die Abwechslung und Herausforderung der Arbeit im Hotel vermisst sie daheim. Statt in Vorlesungen zu sitzen, ist Jana lieber als Animateurin unterwegs.

So arbeitet sie gern und oft von früh bis spät, denn der Job hat keine geregelten Arbeitszeiten. Das macht ihr aber nichts aus: „Die Zeit geht schnell rum, weil der Job einfach Spaß macht“, sagt Jana.
Früher stand sie selbst ständig auf der Bühne, tanzte oder moderierte Shows. Heute arbeitet sie eher hinter den Kulissen und sorgt beispielsweise dafür, dass die Choreografie für die neue Tanzshow sitzt.

Als Jana noch Animateurin war, wohnte sie zusammen mit ihrem Team im Hotel. Das genoss sie sehr: „Die Hotels sind vermutlich die positivsten Orte der Welt, weil die Gäste hier die schönste Zeit des Jahres verbringen.“ Trotzdem musste sie sich erst mal daran gewöhnen, ständig mit den anderen Team-Mitgliedern zusammen zu sein. „Irgendwann weiß man genau, wann die Kollegen zu Bett gehen – man lernt sich einfach total gut kennen“, sagt sie. Das Team ist für sie zu einer zweiten Familie geworden, einige sind sogar ihre besten Freunde geworden.

Es stört Jana nicht, dass die Touristen feiern, während sie selbst arbeiten muss: „In Deutschland trinkt ja auch keiner auf der Arbeit Alkohol“, sagt sie. Für Partys mit den Kollegen bleibt dann ja an den freien Tagen genug Zeit. Und dann steht einmal nicht die Unterhaltung der Gäste im Mittelpunkt, sondern der eigene Spaß.

Wo Jana später arbeiten möchte, weiß sie noch nicht – dafür ist sie viel zu beschäftigt damit, die nächste Tui-Saison zu planen.

Von Elena Everding

„Feiern gehört dazu“

Reiseleiter und Kumpel - Lennart Lübbeke (hinten) ist beides.

Reiseleiter und Kumpel - Lennart Lübbeke (hinten) ist beides.

Quelle: privat

Die Sonne brennt bereits über der kroatischen Kleinstadt Novalja, als der Partybus um 11 Uhr morgens 53 müde Abiturienten und Lennart Lübbeke ablädt. Vor 23 Stunden sind sie in Hannover losgefahren und haben unterwegs schon einige Liter Bier getrunken. Der 21-jährige Lennart ist der Reiseleiter der Party-Truppe. Etwa 260 Euro hat jeder der Abiturienten für den Party-Urlaub mit Jam gezahlt, ohne Verpflegung. Schon zu Beginn der Fahrt hatte Lennart harten Alkohol, wie Schnaps, eingesammelt. Das kommt nicht bei jedem gut an, aber Lennart bleibt konsequent: „Dass jemand im Bus kotzt, will ja wirklich niemand.“ Ein guter Draht zu jedem der Teilnehmer ist ihm wichtig, aber er will auch, dass sich alle wohlfühlen.

Dass ihn nur wenige Jahre von seiner Gruppe trennen ist kein Problem für den Reisebegleiter. „Man darf keine Berührungsängste haben und muss aufgeschlossen auf die Jugendlichen zugehen“, sagt Lennart.

Teil seines Jobs ist es auch, die Abiturienten, die vor allem zum Feiern nach Kroatien gekommen sind, für Ausflüge zu begeistern. Das fällt ihm nicht schwer: Schließlich stehen keine öden Besichtigungen auf dem Programm, sondern ein Paintball-Nachmittag oder eine Tour im Partyboot.

Lennart, dessen eigene Abi-Fahrt zwei Jahre zurückliegt, war im letzten Jahr sieben Wochen als Reiseleiter in Lloret de Mar. Das hat ihm so viel Spaß gemacht, dass er sich dieses Jahr extra eine Woche Urlaub von seiner Ausbildung als Orthopädietechniker genommen hat, um noch einmal als Reiseleiter arbeiten zu können. Dass einige aus seiner Gruppe in Lloret aus Spaß eine Hoteltür mitgehen ließen, musste Lennart nicht ausbaden: Er ist nicht vor Ort, um den strengen Aufpasser zu spielen. „Unsere Party-Urlaube zählen zu den begleiteten Reisen. Grundsätzlich ist jeder für sich selbst verantwortlich“, sagt Jam-Mitarbeiter Tim Vogler. So kann Lennart gleichzeitig Reiseleiter und Kumpel sein.

Aber er muss rund um die Uhr ein offenes Ohr haben und verfügbar sein. Während sich die Gruppe von der langen Busfahrt erholt, muss er sich mit den anderen Reisebegleitern um kaputte Steckdosen und vermeintlich ungerechte Zimmeraufteilungen kümmern.

Jeden Morgen gibt es eine Sprechstunde für die Reisegruppe. Wenn jemandem etwas nicht gefallen hat, kann er es Lennart sagen. Das erfordert Disziplin: Obwohl Lennart selbst bis in die Morgenstunden gefeiert hat, muss er dann topfit sein. „Fünf Stunden Schlaf sind während der Reise schon Luxus, meistens sind es eher drei“, sagt er. Jeden Tag bis zum Schluss mitzufeiern ist da kaum möglich. „Hin und wieder ausgelassen mitfeiern ist schon drin und auch lustig, sollte aber nicht zum Regelfall werden“, sagt er.

Weil Novalja keine eigene Partymeile hat, fahren die Abiturienten jeden Tag mit einem Shuttle zum mehrere Kilometer entfernten Zrce Beach. Dort liegen Strand und Clubs direkt nebeneinander. Die Reiseleiter mischen sich dann unter die Teilnehmer, sind aber durch ihre babyblauen T-Shirts immer erkennbar. Tagsüber ist Alkohol für sie tabu.

Und auch, wenn er mal den Aufpasser spielen muss und Schnapsflaschen einsammelt – wirklich übel nimmt ihm das keiner. Bei der Ankunft ist aus Lennart schon „Lenny“ geworden. Im nächsten Jahr will er wieder als Reisebegleiter dabei sein – auch wenn er dafür seinen Urlaub opfern muss.

Von Jacqueline Niewolik

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