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Flirten im Internet Auf Schatzsuche

Es gibt sie, die Liebe auf den ersten Blick. Doch was, wenn sich die Gelegenheit zum Flirt nicht bietet und ein Wiedersehen ungewiss ist?
 Internetcommunitys wie „spotted“ posten anonyme Nachrichten an den Schwarm auf Facebook. ZiSH hat mitgelesen.

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Ansprechen oder nicht? Im Internet bekommt der Flirtversuch eine zweite Chance.

Quelle: Ole Spata

Hannover. Die Uni-Bibliothek ist ein Ort der Ruhe und Konzentration. Wer es wagt, sein Brötchen zu laut aus der Alu-Folie zu wickeln, wird böse angeschaut. Keine guten Voraussetzungen für einen Flirtversuch zwischen Fachliteratur und Hausarbeit.

Seit Dezember boomen Internetcommunitys wie „spotted“ und „bibflirt“. Wer sich in der Vorlesung, beim Essen in der Mensa oder eben in der Bibliothek verguckt, schickt eine Nachricht an die Seite. Dort wird sie anonym veröffentlicht. Die Gelegenheit zum Test des digitalen Flirts bietet sich, als mir ein junger Mann seinen Platz in der Bibliothek überlässt. Ich schicke eine Nachricht an die Facebook-Seite „spotted: University of 
Hanover“: „An den netten jungen Mann im weißen Pullover und Brille, der mir in der Bib am Conti seinen Platz überlassen hat: Meld dich mal!“

Laura Erikson hat die Seite kurz vor Weihnachten gegründet. Über 2500 Likes zählt ihre Seite in dem sozialen Netzwerk bereits – und ist damit die größte der vier Seite für Studenten aus Hannover. „Ich habe nicht an den Erfolg geglaubt und fand es einfach nur amüsant“, sagt Erikson. Nebenbei liest die 20-jährige Studentin sich die Beiträge durch, sortiert sexistische und bösartige Einträge aus und postet den Rest über die Seite – ganz anonym für den Absender und von jedem lesbar. 20 Minuten am Tag geht sie diesem ungewöhnlichen Hobby nach.

Wahrscheinlich dauert es deshalb acht Stunden, bis meine Nachricht an den hilfsbereiten jungen Mann auf Facebook gepostet wird. Als ich nach einer halben Stunde immer noch ungeduldig auf meinen Bildschirm starre, hat er die Bibliothek schon längst verlassen.Während das Konzept in Hannover noch in den Kinderschuhen steckt, boomt es in Heidelberg: Für Nik Myftari und vier seiner Freunde ist das Verkuppeln von Fremden mehr als nur ein Hobby. Seit die Studenten vor zwei Wochen die Internetseite „bibflirt“ starteten, bleibt wenig Zeit für Uni und Schlaf. „Bis zu 14 Stunden arbeiten wir pro Tag an der Seite“, sagt Myftari. „Es ist eine Mischung aus Start-up-Unternehmen, Hobby und Vollzeitjob“, sagt der 27-Jährige. In Arbeitsschichten verteilt, werden rund um die Uhr Nachrichten von über 50 Unis gelesen und freigeschaltet. Nachts sind drei Programmierer des Teams damit beschäftigt, eine „bibflirt“-App für Smartphones zu entwickeln. Ob Myftari und seine Freunde einmal Geld mit der Seite verdienen wollen, darüber haben sie sich noch keine Gedanken gemacht.

Kai Strehler, einem der drei Gründer von spotted.de, geht es ähnlich: „Wir verfolgen keine finanziellen Interessen, sondern machen es aus Spaß.“ Am Sonnabend sollen auf spotted.de die über 50 Facebook-Seiten, die er momentan betreibt, auf der Seite spotted.de zusammengefasst werden. Dann sind die Flirtversuche von Kiel bis Zürich auf der Seite gesammelt einsehbar oder nach Uni sortiert lesbar, um die Suche einzugrenzen. Auch wer nicht auf der Suche nach einem Partner ist – es macht Spaß, den Anbandelungen anderer zu folgen. Ähnlich wie das Stöbern nach Missgeschicken auf Seiten wie „smsvongesternnacht“.Strehler und Myftari glauben nicht, dass diese Seiten ein kurzweiliger Hype sind. „In der Uni verpasst man oft den richtigen Flirtmoment. In der Vorlesung darf man nicht stören, und in der Bibliothek einen Korb zu bekommen ist unangenehm“, sagt Myftari. „Durch die Nachrichten im Internet bekommt jeder eine zweite Chance.“

Mit Erfolg: Bei jeder dritten bis vierten Nachricht finden sich Suchender und Schwarm. Statistiken von „bibflirt“ ergeben, dass vor allem Frauen die Kontaktaufnahme nutzen. „Vielleicht fällt es ihnen schwerer, auf das andere Geschlecht zuzugehen“, sagt Myftari. Schwierig wird es für die Betreiber, wenn es darum geht, Liebesbeichten auszusortieren – weil sie sexistisch oder nicht ernst gemeint sind. „Auf zehn ernsthafte Nachrichten kommt ein Scherz“, schätzt Strehler.Die Hoffnung, dass mein Schwarm nochmal in die Bibliothek zurückkehrt, habe ich längst aufgegeben. Meine Nachricht steht zwar mittlerweile auf der Facebook-Seite – allerdings gänzlich unbeachtet. Vielleicht wäre es einfacher gewesen, den hilfsbereiten jungen Mann einfach 
anzusprechen. 

ZiSH

So funktionieren „spotted“ und Co.

Gesehen, gesucht, gefunden – so funktionieren Communitys, wie spotted.de, bibflirt.de und Co. Wer in der Uni seinen Schwarm sieht, aber keine Gelegenheit zum Flirt findet, schreibt eine Nachricht an die Seite. Dort wird sie anonymisiert und für jeden sichtbar veröffentlicht. Stößt der Schwarm bei Facebook auf die Nachricht, kann er den Eintrag kommentieren. „bibflirt“ spart sich das öffentliche Outing: Hier gibt es den „Volltreffer, das bin ich!“-Button. Nach dem beliebten Konzept aus England haben sich seit Dezember einige studentische Websites, die nach demselben Prinzip funktionieren, gegründet: Unter anderem die Facebook-Seiten „Spotted: University of Hanover“ oder „Spotted: Clubs in Hannover“. Ob der schnelle Zulauf der Seiten wieder abebbt, oder ob Hannover in Kürze nicht mehr die Stadt mit den meisten Single-Haushalten ist, bleibt noch abzuwarten. 

Manuel Behrens

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