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Was soll bloß aus mir werden?

Zukunftsplanung nach der Schule Was soll bloß aus mir werden?

Für viele Schüler hat das letzte Jahr begonnen. Doch viele wissen nicht, ob eine Ausbildung oder ein Studium das Richtige für sie ist.
So wird die Zukunftsplanung zur quälenden Unsicherheit. ZiSH gibt Tipps, wie man sich für den nächsten Schritt entscheidet.

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Quelle: Illustration: Stefan Hoch

Hannover. Nie wieder ist die Berufswahl so einfach wie als Kind. Glaubt man den knallbunten Freundebüchern, in die alte Schulfreunde unter anderem auch ihre Berufswünsche gekrakelt haben, müssten heute alle ehemaligen Mitschüler Profifußballer, Schauspieler, Polizisten, Tierärzte oder Piloten sein. Doch mit der Zeit verblasst der Wunsch nach dem Traumjob. Das Problem ist nur, dass es bei vielen jungen Menschen Jahre dauert, bis der durch neue – realistische – Alternativen ersetzt wird.

Dann braucht es meist nicht mehr lange, bis die Eltern, andere Verwandte und Freunde die Frage, was man denn mal werden wolle, nicht mehr zur Belustigung fragen. Sie meinen es ernst und wollen eine Antwort – und zwar schnell. Je mehr Zeit bis dahin vergeht, desto höher wölben sich die Sorgenfalten auf ihrer Stirn. Spätestens bis zum Schulabschluss sollte man sich entschieden haben. Zwischen den bundesweit gut 16 000 verschiedenen Studiengängen und 330 Ausbildungsberufen muss doch etwas für einen dabei sein. Dabei lähmt vor allem die Vorstellung, sich für das falsche zu Entscheiden. Laut einer Statista-Studie von 2013 ist die wichtigste Voraussetzung für die zwischen 14- und 25-Jährigen, einen Job zu haben, der Spaß macht (71 Prozent). Ein hohes Einkommen steht mit 25 Prozent gerade mal auf Platz 15 der Studie. Doch woher soll man wissen, welche Arbeit oder welches Studium Spaß macht und erfüllend genug ist, um sie beziehungsweise es mehrere Jahre motiviert durchzuziehen? Die Angst vor falschen Entscheidungen ist groß.

Doch egal, worauf die Wahl fällt: „Die interessierte Person trifft die Entscheidung, niemand anderes“, sagt Martin Scholz, Leiter der Zentralen Studienberatung der 
 Uni-Hannover. Gespräche mit Eltern und Freunden seien dennoch hilfreich, um unterschiedliche Vorstellungen sichtbar zu machen. Die Uni will dabei helfen: „In den letzten Jahren sind verstärkt Programme entwickelt worden, bei denen Studierende über ihre Erfahrung berichten und 
 Studieninteressierte bei dem Weg zum Studium unterstützen“, sagt Scholz. Das es wichtig ist, Erfahrungen zu teilen, zeigt die Statistik: Rund 30 Prozent aller Bachelorstudenten brechen deutschlandweit ihr Studium ab, weil sie die falsche Entscheidung getroffen haben. Das war als Kind doch erheblich einfacher.

 Manuel Behrens und Sarah Seitz

Onlinetest oder Beratungsgespräch: Hilfe gegen Planlosigkeit

Was Jonas nach seinem Abi im nächsten Jahr machen will, weiß er noch nicht so richtig. Vielleicht Maschinenbau oder Ingenieurswissenschaft. Oder, wenn der Notendurchschnitt stimmt, auch Medizin. Aber Orthopädieschuhmacher? Laut des Onlineberatungs-Tests des Berufsinformationszentrums (BIZ) könnte dieser Beruf gut zu ihm passen. Der Job war zumindest einer von vielen Vorschlägen, die der Test nach der Auswertung ausgespuckt hat. Wirklich schlauer macht das Ergebnis Jonas jedoch nicht. Der Test schätzt lediglich die Fähigkeiten der Teilnehmer grob ein.

„Der Test ist nicht wirklich sinnvoll für Jonas“, sagt auch Kerstin Ecker, Berufsberaterin am BIZ. Wer auf der Suche nach einer passenden Ausbildung ist, aber keinen Plan hat, welche die Richtige ist, kann sich an dem Test unter 
 www.planet-beruf.de aber orientieren. Für junge Menschen, die schon eine ungefähre Vorstellung haben, empfiehlt sie das Videoportal „Berufe.TV“, auf dem Ausbildungsberufe und Studiengänge in Videoclips portätiert werden.

Allen, die sich bei der Wahl schwertun und noch keine Vorstellung haben, empfiehlt Ecker, ein persönliches Beratungsgespräch im BIZ zu vereinbaren.„Wir haben auch eine spezielle Beratung für Schüler mit Abi“, sagt Ecker. Im kostenlosen Einzelgespräch wird zusammen mit den Schülern ein Raster erstellt, um die Interessen einzugrenzen. Anschließend suchen die Berater auf Wunsch sogar Adressen von Unternehmen oder Unis. „Ich bin dann die Sekretärin der Jugendlichen“, sagt Ecker. Das BIZ in Hannover bietet außerdem kostenlose Workshops für Vorstellungsgespräche oder Einstellungstests. Jonas fand das Beratungsgespräch viel lockerer als erwartet: „Das BIZ hilft vor allem, wenn man gar keinen Plan hat.“ Was ein Problem bei vielen Jugendlichen ist, meint Berufsberaterin Ecker: „Viele informieren sich nicht ausreichend. Es gibt nichts Traurigeres als einen Beruf zu beginnen und dann abzubrechen.“

Sina Sommerfeld

Studiengänge testen: Probieren gehört zum Studieren

In nur 15 Minuten und 72 Fragen das Wunschstudium finden – das soll mit dem Hochschulkompass möglich sein, einem Online-Test der Hochschulrektorenkonferenz. Aus über 17000 Studiengängen soll der Test den passenden vorschlagen. Kann das funktionieren? Die recht durchschaubaren Fragen sind zu beantworten in einer Prozentangabe zwischen null und 100. Wer also zu 100 Prozent mit Kindern in einer Bildungseinrichtung arbeiten will, wird wenig überraschend auch das Ergebnis „Lehrer“ erhalten. Doch bei weniger Prozent Zustimmung bei den Antworten wächst die Zahl der vorgeschlagegenen Studiengänge bei der Auswertung. Mir werden beim Test ganze 230 Studiengänge vorgeschlagen, wie Frankoromanistik und Gesangspädagogik. Eine interessante Mischung – die mir nicht weiterhilft.

„Solche Tests sind ein erster Schritt der Annäherung an eine eigene Entscheidung. Ohne eigene Kriterien und Auseinandersetzung geht das nicht“, sagt Martin Scholz von der Studienberatung der Leibniz-Uni. Wer auf der Suche nach einem Studiengang ist, sollte also nicht mit zu hohen Erwartungen an den Test gehen. „Mit dem Testergebnis kann man sehr gut den nächsten Schritt zu einer persönlichen Studienberatung angehen.“
Außerdem besteht die Möglichkeit, in interessante Fächer reinzuschnuppern: Auf der Homepage der Leibniz-Uni kann man sich für ein Juniorstudium anmelden und bei Vorlesungen direkt dabei sein.

 Johanna Losacker/ZiSH

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