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Diese Redaktion gibt Flüchtlingen eine Stimme

Cameo-Magazin in Hannover Diese Redaktion gibt Flüchtlingen eine Stimme

Beim „Cameo“-Magazin arbeiten Fotografiestudenten aus Hannover gemeinsam mit Geflüchteten an spannenden Geschichten. Ein Redaktionsbesuch.

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Redaktionssitzung: „Cameo“-Gründer Sebastian Cunitz (Zweiter von links) und Julius Matuschik (rechts) begutachten gemeinsam mit Maissara Saeed und Marlene Obst die dritte Magazinausgabe mit dem Thema „Ankommen“.

Quelle: Kutter

In einer Flüchtlingsunterkunft in Aachen beginnt die Geschichte des ungewöhnlichen Projekts von Sebastian und Julius. Für ein Uni-Projekt lebten die beiden Fotografiestudenten aus Hannover für einen Monat Tür an Tür mit minderjährigen Geflüchteten. Sie fotografierten die Jugendlichen und bestückten die Porträts mit Briefen, in denen die Bewohner des Flüchtlingsheims von ihrer Herkunft und ihren Wünschen erzählten. „Nachdem wir die ersten Briefe lasen, wurde uns klar, dass die Geschichten und Schicksale eine größere Reichweite verdienen als eine kleine Ausstellung“, sagt Julius heute.

Aus dieser Motivation gründete der 30-Jährige gemeinsam mit dem drei Jahre älteren Sebastian 2016 das Cameo-Kollektiv – ein Zusammenschluss von deutschen Studenten und Geflüchteten. Die Dokumentation über die geflohenen Jugendlichen war im ersten Magazin auf 48 Seiten zu sehen. „Für uns waren diese Porträts wie Starauftritte von besonderen Menschen“, sagt Julius. Daher auch der Name: „Cameo“ bezeichnet einen Kurzauftritt eines Prominenten.
Zusammen mit Grafikern und Journalisten hat die Gruppe inzwichen drei Magazin-Ausgaben veröffentlicht, die Geflüchteten eine Stimme geben. Kaufen kann man das Heft online oder in einer der 30 Verkaufsstellen, darunter das Landesmusem und die Bücherstube Konertz in der List.

Kreative Projekte und multikultureller Austausch

15 kreative Köpfe, die sich für interkulturellen Austausch einsetzen – das ist das Cameo-Kollektiv. Die Idee entstand aus einem Uni-Projekt, bei dem Sebastian Cunitz und Julius Matuschik minderjährige Flüchtlinge porträtierten. Seitdem engagieren sich die beiden Studenten der Dokumentarfotografie an der Hochschule Hannover für ein multikulturelles Miteinander. Drei Magazine und insgesamt zehn Projekte, etwa Fotoausstellungen, sind das Ergebnis nach einem Jahr. Multikulturell sind nicht nur die Magazinthemen, sondern auch die Texte: Sie erscheinen in Arabisch, Englisch oder Deutsch.
Finanziell unterstützt wird das Kollektiv unter anderem vom Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur und der Hannover-Stiftung der Sparkasse.
Die dritte Ausgabe des Magazins gibt es unter anderem in der Galerie Bohai, Schwarzer Bär 6, zu kaufen. Unter www.cameo-kollektiv.de gibt’s mehr Infos zu den Verkaufsstellen.

zish

Am dritten „Cameo“-Magazin haben 70 Menschen aus 26 Nationen gearbeitet. Das Thema: Ankommen. Wöchentlich trafen sie sich in der Oststadt und diskutierten auf Englisch über ihre Erfahrungen, erstellten Karikaturen, Fotos und Erfahrungsberichte.

Einer der kreativen Köpfe vom Cameo-Kollektiv ist der 43-jährige Sudanese Maissara Saeed. Im Magazin hat er über seine eigene Flucht geschrieben: „Das Gefühl, willkommen zu sein, wird später der Schlüssel zu einer erfolgreichen, tiefgreifenden und wirklichen Integration sein“, schreibt er in seiner Reportage.

Seinen Text hat Maissara auf Englisch verfasst, im Magazin findet sich aber auch eine deutsche Übersetzung. „Bei Cameo habe ich genossen, was ich im Sudan nicht durfte: meine Meinung offen mitzuteilen“, sagt Maissara. Wegen seines Engagements für Menschenrechte und Demokratie wurde er im Sudan politisch verfolgt und musste vor sechs Jahren nach Deutschland fliehen.

Der medizinische Assistent ist bis heute nicht in seinem gelernten Beruf tätig, weil sein Abschluss nicht anerkannt wird. Seine Zeit steckt er in die Arbeit beim Cameo-Kollektiv – und sieht es als Kampf für Gerechtigkeit. „Spaß bereitet haben mir die Zusammenarbeit mit den Menschen und die Diskussionen – einfach der ganze Prozess am Magazin“, sagt Maissara.

Eine vierte Ausgabe des Magazins wird es zwar nicht geben, doch Julius, Sebastian und die anderen Mitglieder planen schon die nächsten Projekte: Mit Upgration.de soll ab August die neue Homepage des Teams online gehen. Dort sollen Videos und Materialien gezeigt werden, die während der Arbeit an den Magazinen entstanden, aber nicht gedruckt werden konnten. Zudem sollen auf der Website neben zukünftigen Projekten des Cameo-Kollektivs auch andere Organisationen und Initiativen vorgestellt werden, die sich für Integration engagieren – welche das genau sein werden, das steht jetzt noch nicht fest.

„Uns ist wichtig, dass Menschen Integration nicht länger als einseitigen Prozess begreifen“, so Julius. Menschen offen und herzlich aufzunehmen und auch deren Kultur wertzuschätzen sei genauso wichtig wie die Integration seitens der Geflüchteten. Upgration.de soll zeigen, wie Menschen gegenseitig voneinander lernen können – egal, aus welchem Teil der Welt sie stammen.

Nina Hoffmann

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