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Einen Ort zum Erinnern schaffen

Arbeit mit dem Tod: Friedhofsgärtnerin Einen Ort zum Erinnern schaffen

Als Friedhofsgärtnerin muss Charlotte Duncker nicht nur Gräber gestalten. Uns hat sie erzählt, warum der Umgang mit trauernden Angehörigen für sie noch eine Herausforderung ist.

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Einsatz am Beet: „Beim Umgraben findet man auch schon mal einen Knochen“, erzählt Friedhofsgärtnerin Charlotte Duncker.

Quelle: Körner

Die meisten Leute meiden den Friedhof, solange sie können. Auch Charlotte Duncker hatte dort früher ein mulmiges Gefühl. Schließlich liegen Tote in den Gräbern. Trotzdem hat sich die 28-Jährige den Friedhof als Arbeitsplatz ausgesucht. Nach dem Abschluss ihres Gartenbauwissenschafts-Studiums begann sie eine Ausbildung zur Friedhofsgärtnerin.

Damit ist sie eine der wenigen, die diese Fachsparte der Gärtnerei auswählen: 2014 gab es in Niedersachsen laut einer Statistik der Deutschen Industrie- und Handelskammer nur 36 Auszubildende in der Friedhofsgärtnerei. Bundesweit waren es 447.

Charlotte wollte lieber draußen Gräber bepflanzen, statt Zierpflanzen im stickigen Gewächshaus anzubauen. „Wenn es regnet oder schneit, müssen wir aber zum Glück nicht raus“, erklärt sie. Neben dem Bepflanzen und dem Harken zählt zur Arbeit auch die Beratung von Kunden. Denn viele wollen das Grab so persönlich wie möglich gestalten. Gestaltung ist auch Thema in der Berufsschule, in der Charlotte alle zwei Monate Blockunterricht hat.

„Dass die Kunden oft noch trauern, wird aber in der Schule allenfalls angerissen“, sagt sie. Dementsprechend schwer fällt Charlotte auch der Umgang mit Trauernden: „Plötzlich überlegt man: Wie gucke ich jetzt am besten? Darf ich lächeln oder nicht?“ Bei Begegnungen auf dem Friedhof fehlt ihr noch die Routine. Meist entscheidet sich die Auszubildende dann dafür, betreten auf den Boden zu schauen.  

Auch wenn sie keine Seelsorgerin ist: Charlotte glaubt, dass sie mit ihrer Arbeit Trost spenden kann. „Ein Grab ist nicht nur für Verstorbene, sondern auch für Angehörige“, meint sie. Es soll ihnen schließlich Raum bieten, sich an den Verstorbenen zu erinnern. Dieser Gedanke hilft ihr dabei, sich auf ihre Arbeit zu konzentrieren und eine Distanz zu schaffen. Sogar in ungewöhnlichen Situationen lässt Charlotte sich nicht aus der Ruhe bringen. „Man findet beim Umgraben auch mal einen Knochen“, sagt sie.

Mareke Heyken

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Bestatterin

Seelsorgerin

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