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Offenheit ist wichtig

Arbeit mit dem Tod: Seelsorgerin Offenheit ist wichtig

Trotz ihrer Ausbildung zur Notfallseelsorgerin weiß Selina Seiler nie, was sie bei einem Einsatz erwartet. Denn jeder Mensch trauert anders. Uns hat sie erzählt was hilft, den Verlust zu verarbeiten.

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Nicht alles besprechen

Arbeitet als Notfallseelsorgerin:
Selina Seiler.

Quelle: von Ditfurth

An ihren ersten Einsatz als Notfallseelsorgerin kann sich Selina Seiler noch gut erinnern: Es war ein Suizid, das Opfer war jünger als sie selbst. „Als ich bei den Angehörigen vor der Tür stand, musste ich schon schlucken“, sagt die 31-Jährige. Um die 80 Stunden im Monat ist die Cellerin im Bereitschaftsdienst – ehrenamtlich neben ihrem Job als Patientenmanagerin im Henriettenstift. Außerdem arbeitet sie seit sechs Jahren als Sterbebegleiterin.

Für ihr Ehrenamt ließ sie sich zwei Jahre lang in Wochenendseminaren als Notfallseelsorgerin ausbilden. Trotzdem weiß sie nie, was sie bei einem Einsatz erwartet. Denn wenn ein geliebter Mensch stirbt, reagiert jeder anders. Selina verlässt sich vor allem auf ihre Intuition. „Am wichtigsten ist es, komplett offen zu sein“, sagt sie. Denn schließlich erlebe sie trauernde Menschen im absoluten Ausnahmezustand.

Viele hätten große Angst davor, ihre Verwandten aufgebettet zu sehen. „Der einzige Weg, den Tod zu verarbeiten, ist, sich intensiv damit zu beschäftigen“, sagt Selina Sie versucht den Menschen zu helfen, das Sterben  zu akzeptieren und solche Berührungsängste zu nehmen: „Der Tod darf kein Tabuthema sein“, sagt sie.

Das zu akzeptieren fällt auch den Menschen in Seilers Umfeld schwer. Viele ihrer Freunde können nicht verstehen, warum sie sich freiwillig mit dem Sterben und Verlust nahestehender Menschen beschäftigt. „Ich fühle mich von den Familien gebraucht“, sagt die Notfallseelsorgerin. Auch die Einsatzkräfte vor Ort seien dankbar, wenn sich jemand um die Angehörigen kümmern kann. Selina weiß dann, dass ihre Arbeit respektiert wird.

In der Ausbildung hat sie aber auch trainiert, ihre eigenen Grenzen zu spüren – und selbst um Hilfe zu bitten.  Nach jedem Einsatz füllen Seelsorger wie sie einen Fragebogen aus – und können dann auch ankreuzen, dass sie Gesprächsbedarf haben.

Clara Hellner

Weitere Berufe, für die der Tod kein Tabu ist:

Friedhofsgärtnerin

Sterbebegleiterin

Bestatterin

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