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Arbeit mit dem Tod: Sterbebegleitung Nicht alles besprechen

Einen Menschen auf seinem Weg in den Tod zu begleiten ist eine Herausforderung. Charlotte macht das ehrenamtlich - und hat viel über sich und das Abschiednehmen gelernt.

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Sterbebegleitung: „Wenn eine Person stirbt, werden alle Beziehungen endlich.“

Quelle: Symbolbild dpa

Mein Job ist wie eine Wundertüte:  Ich gehe hin und weiß nicht, was mich erwartet“– so beschreibt Charlotte ihr Ehrenamt als Sterbebegleiterin.

Die 28-Jährige beschäftigte sich zum ersten Mal ernsthaft mit dem Tod, als vor einigen Jahren ein Familienmitglied starb. Vor einem Dreivierteljahr begann sie dann neben ihrem Beruf an der Uni in Hannover die einjährige Ausbildung zur Sterbebegleiterin. In Abend- und Wochenendseminaren lernt sie nun den Umgang mit Menschen, die unheilbar krank sind – und auch Sterbenden bis zum Tod beizustehen.

Seit zwei Monaten begleitet sie zum ersten Mal selbst einen Menschen: Charlotte besucht ihn etwa einmal pro Woche zu Hause. Was unternommen wird, entscheidet der Kranke selbst je nach körperlichem Zustand oder auch Tageslaune. Ob lange Gespräche oder Kaffee trinken: Hauptsache, die beiden verbringen gemeinsam Zeit.

„Wenn eine Person stirbt, werden alle Beziehungen endlich“, sagt Charlotte. Die Angehörigen wollen noch ein Foto und einen Spaziergang mit dem Kranken machen. Es sei aber auch ein Neuanfang: „Mit uns Sterbebegleitern gehen sie eine neue Beziehung ein.“ Mit dem Wissen, dass sich jemand kümmert, können die meist stark eingespannten Familienangehörigen ohne schlechtes Gewissen auch mal eine Auszeit nehmen. Für die Familie selbst ist das Thema Tod oft ein Tabu – die Kranken selbst sind geerdeter, sagt Charlotte. Und: „Ich habe gelernt, mich zurückzunehmen und nicht alles zu kommentieren. Auf manche Sätze gibt es einfach nichts zu erwidern.“

Katharina Kunert

Weitere Berufe, für die der Tod kein Tabu ist:

Friedhofsgärtnerin

Seelsorgerin

Bestatterin

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