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Das Bib-ABC

ZiSH schaut in hannoversche Bibliotheken rein Das Bib-ABC

Die Uni-Bibliothek bietet mehr als nur Fachliteratur.

 Doch was hat es mit den Vorurteilen über Juristen auf sich?

Und bekommt man dort auch Schlafmasken?

ZiSH klärt die wichtigsten Fragen.

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A usweis: Die Eintrittskarte in die Welt der Bibliotheken. Wer sich für 5 Euro angemeldet hat, kann mit dem Ausweis in allen großen hannoverschen Bibliotheken Bücher ausleihen. Zum Beispiel in der niedersächsischen Landesbibliothek, der TIB/UB (Technische Informationsbibliothek/Universitätsbibliothek), oder der Bibliothek der Hochschule Hannover.

B ücherflohmarkt: Aussortierte Bücher werden in der Hochschule Hannover auf einem Flohmarkt verkauft. Dass die Bücher abseits des Flohmarkts nur ausgeliehen werden können, ist trotzdem nicht immer jedem klar. Beatrice Göldner, Auszubildende in der Bibliothek der Hochschule Hannover, sagt: „Es kommt teilweise vor, dass Benutzer die Bibliothek mit einer Buchhandlung verwechseln und dann am Tresen alles kaufen wollen.“

C imelien: So werden alte, wertvolle Schriften genannt. In der Landesbibliothek ist das zum Beispiel der Nachlass von Gottfried Wilhelm Leibniz. Cimelien dürfen nur unter Aufsicht benutzt werden. Besonders Handschriften stehen sogar in speziellen säurefreien und klimatisierten Räumen. Für Cimelien interessieren sich vor allem Forscher, die Schriften sind aber für jeden registrierten Nutzer zugänglich.

D urchschnitt: Im Schnitt wird jedes Buch der Landesbibliothek nur einmal pro Jahr ausgeliehen. Deutlich häufiger nachgefragt ist das beliebteste Exemplar: „Sozial-kognitive Lerntheorie“ – mit 69 Ausleihen und 57 Vormerkungen seit 1996 – das auch viele Lehrer ausleihen.

E inkaufen: Wenn Bibliotheken neue Bücher kaufen, werden häufig auch die Vorschläge der Nutzer mit einbezogen. Die Landesbibliothek hat zudem den Auftrag, alle 20 000 jährlich in Niedersachsen erscheinenden Monographien zu führen. „Das geht von der Veröffentlichung eines Fußballvereins bis zu Tageszeitungen“, sagt Matthias Wehry, Referendar bei der Niedersächsischen Landesbibliothek.

F lirten: Spätestens seit Spotted und Bibflirt lohnt es sich, für den Lernnachmittag in der Bibliothek Schminke aufzutragen und die Lieblingsjeans aus dem Schrank zu kramen. Auf den Facebook-Seiten und Homepages der Projekte können schüchterne Studierende Nachrichten hinterlassen, um Kommilitonen kennenzulernen, die sie in der Bibliothek beobachtet haben. Matthias Wehry von der Niedersächsischen Landesbibliothek sieht das genauso: „Die Bibliothek ist der perfekte Ort zum Flirten, denn da kann man den anderen in Ruhe beobachten.“

G renze: Die Ausleihgrenze ist bei jeder Bibliothek unterschiedlich. Bei der Landesbibliothek muss man einen Antrag stellen, wenn man mehr als 100 Exemplare ausleihen will. In der TIB/UB können Nutzer 1800 Bücher und CDs ausleihen. „In der Praxis ist das zwar nicht der Fall, aber es gibt Nutzer, die auf 300 bis 400 Ausleihen gleichzeitig kommen“, sagt Jennifer Rügge vom Marketing der TIB/UB. Manche kämen dann sogar mit dem Auto, um einen ganzen Kofferraum voller ausgeliehener Bücher zurückzugeben. Beatrice Göldner von der Bibliothek der Hochschule Hannover, hat die Erfahrung gemacht, dass häufig Professoren viele Bücher ausleihen: „Die haben manchmal 40–50 Bücher von uns bei sich im Büro stehen und vergessen das auch mal.“

H OBSY: steht für „Hannoversches Online Bibliotheks System“. Die Karte mit dem roten „HOBSY“ öffnet die Türen zu den wissenschaftlichen und den Stadtteil– Bibliotheken.
I nventur: Eine Bestandsaufnahme für die zwei Millionen Medien findet in der Landesbibliothek alle zwei Jahre statt. „Wir machen die Inventur meistens in den Semesterferien, weil kurz davor viele Bücher abgegeben werden und es sich sonst nicht lohnt“, sagt Beatrice Göldner. Für eine Inventur in den Bibliotheken der Uni besitzen diese hingegen zu viele Bücher. Dort müsste die Bibliothek dann für zwei Jahre schließen. Eine Inventur der 125 Regalkilometer wäre damit teurer als der Wert der verschollenen Bücher.

J uristen: Laut Vorurteilen sind sie die Schlimmsten in der Bibliothek. Weil in der Jura-Abteilung viele Bücher Unikate sind, verstecken einige Studenten in der Klausurenzeit die Bücher voreinander, indem sie sie hinter die Buchreihen schieben. „Wir sagen dann: Da hat sich einer ein Nest gebaut“, sagt Hardy Warlich von der zentralen Information der TIB/UB. In der Landesbibliothek ist das Bürgerliche Gesetzbuch von Otto Palandt zudem das am häufigsten entwendete Buch. Die kommentierte Ausgabe des Gesetzes kostet rund 100 Euro pro Exemplar. Mittlerweile wird das Buch nur noch verliehen, wenn der Bibliotheksausweis als Pfand zurückgelassen wird.

K osten: Der Etat der Niedersächsischen Landesbibliothek beträgt jährlich 7,8 Millionen Euro. Damit werden die Mitarbeiter, neue Bücher und auch die Restauration drei jahrhundertealter Bücher bezahlt.

L esesaal: Dort stehen auch Bücher, die nicht ausgeliehen werden dürfen. In der Landesbibliothek sind meist Bücher, die vor 100 oder mehr Jahren gedruckt wurden, nicht ausleihbar. Auch in den anderen Bibliotheken dürfen 100 Jahre alte Bücher nicht ausgeliehen werden. Trotzdem wurde laut Hardy Warlich in der TIB/UB versehentlich schon einmal ein solches Buch verliehen. Der Nutzer hatte mit Bleistift etliche Kommentare an den Rand geschrieben. Als das bei der Rückgabe bemerkt wurde, musste er tagelang unter Aufsicht mit einem Radierschwamm die Notizen entfernen

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M ahngebühren: Wer in der Bibliothek der Hochschule Hannover ein Buch nicht fristgemäß zurückbringt, muss 2 Euro in der ersten Woche und 5 Euro ab der zweiten Woche zahlen. Dank einer Sperre können es allerdings nicht mehr als 17 Euro pro Buch werden. Wer sich dann immer noch nicht meldet, muss mit einer Strafe von 50 Euro rechnen.

N otizen: Jedes Buch wird bei der Abgabe kontrolliert und eventuelle Notizen und Klebezettel entfernt. „Wer dafür verantwortlich ist, können wir nicht herausfinden. Schließlich können wir keinem Nutzer etwas nachweisen und wollen niemandem etwas unterstellen“, sagt Matthias Wehry von der Landesbibliothek.

O PAC: Der Online Public Access Catalogue bezeichnet den Online-Katalog der Bibliotheken. Der Katalog ist elektronisch gespiegelt und somit abgesichert, dass die Daten auch bei einem Serverausfall nicht gelöscht werden.

P olymer-Lösungsmittel-Effekte in verdünnten und semiverdünnten Lösungen sowie lyotropen Phasen von Celluloseurethanen“: Diese Dissertation steht seit 1995 unausgeliehen in der Landesbibliothek. Laut Matthias Wehry liegt das am speziellen Thema der Schrift.

Q uarkbällchen: In vielen Bereichen der Unibibliotheken sind sie ebenso verboten wie andere Lebensmittel und Getränke. Werden Studenten beim Naschen erwischt, gibt es eine Ermahnung. Gegen das Verbot werde laut Hardy Warlich von der TIB/UB regelmäßig verstoßen. „Ich bin sicher, in genau dieser Minute beißt jemand in eine Karotte.“

R echerche: Eigentlich sollen die Nutzer im Online-Katalog der Bibliotheken ein Buch suchen, um es dann im Regal zu finden. „Viele Nutzer wissen nicht, wie die Zentralbibliothek zu benutzen ist, und dass sie vorab erst einmal selbstständig recherchieren müssen“, sagt Beatrice Göldner von der Hochschul-Bibliothek. Deshalb muss sie am häufigsten Fragen nach den Standorten der Bücher beantworten. „Wenn aber jemand das orange Mathebuch sucht, können wir leider auch nicht helfen“, sagt Göldner

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S chlafen: Laut Matthias Wehry von der Landesbibliothek darf man in der Bibliothek  durchaus mal über einem Buch einschlafen. Beatrice Göldner von Hochschul-Bibliothek wurde sogar mal gefragt, ob man neben Ohrstöpseln auch Schlafmasken erwerben könne.

T rend: Die Unibibliotheken werden immer mehr vom Rechercheort zum Lernort. Viele Studenten fliehen vor dem eigenen Fernseher, der Playstation und anderen Ablenkungen, um in der Bibliothek zu pauken. Manche Studenten verbringen – gerade in Klausurenphasen – sogar bis zu zehn Stunden am Stück in der Bibliothek.

U SB-Sticks: Die Speichermedien werden am häufigsten in den Bibliotheken vergessen. Besonders oft bleiben aber auch Mützen, Regenschirme oder Personalausweise liegen. Merkwürdig wird es erst dann, wenn, wie Jennifer Rügge von der TIB/UB erzählt, ein Gebiss zurückgelassen wird.

V ermisst: Ein vermisstes Buch ist entweder verloren, versteckt oder geklaut. Hat ein Student ein Buch verloren, muss er es ersetzen. Bei Fachbüchern können dann schon einmal bis zu 150 Euro pro Buch fällig werden. „Den Tatbestand ‘geklaut’ gibt es bei uns nicht“, sagt Hardy Warlich von der TIB/UB. Ein verschwundenes Buch gilt zunächst immer als „vermisst“. Denn: „gelegentlich tauchen Bücher auch nach 20 Jahren wieder auf“, erzählt er.

W asserschaden: Falls beim Lernen die Wasserflasche umkippt, empfiehlt Matthias Wehry von der Landesbibliothek, das Buch nicht auf der Heizung zu trocknen. „Da verwellt es nur.“ Stattdessen sollten die Nutzer direkt in die Bibliothek kommen.Die Landesbibliothek hat eine eigene Restaurierungswerkstatt, die die Seiten entsprechend glätten können.

X -beliebig: Wer ein Buch in einer der Universitäts-Bibliotheken ausgeliehen hat, kann es in jeder anderen Außenstelle zurückgeben. Egal, ob am Königsworther Platz oder in der Sozialwissenschaftlichen Bibliothek.

Y oungster: Wer noch nicht 18 Jahre alt ist, muss seinen Bibliotheksausweis zusammen mit den Eltern beantragen.

Z eitschriften: Neben Büchern sammeln die Bibliotheken auch Magazine und Zeitungen. Für die Zeitschrift „Kenchiku Sakuhin Nenkan“ über japanische Architektur ist sogar schon mal jemand nach Hannover geflogen.
Theresa Kruse und Luisa Meyer

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