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Das sagen Millennials zum Jugendprogramm Funk

ARD und ZDF Das sagen Millennials zum Jugendprogramm Funk

Das neue Jugendprogramm der Öffentlich-Rechtlichen will endlich die Youtube-Zielgruppe erreichen und macht dafür auf cool. ZiSH hat sich die neuen Formate angeschaut – und Politikvideos mit Regenbogenfilter und Lifestylevlogs mit Mama gefunden.

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40 verschiedene Formate gibt es beim neuen Jugendprogramm "Funk" von ARD und ZDF.

Quelle: Handout/Montage

1. So tickt Deutschland 
wirklich

Mittags Schnitzel, sonntags „Tatort“ und einmal im Jahr nach Malle? Anders als die vielen Blogs über Auslandserfahrungen und fremde Kulturen dreht das Webformat „Germania“ den Spieß um und fragt, was typisch deutsch ist. In Kurzepisoden erzählen Einwanderer aus der ganzen Welt von ihren ersten Erfahrungen mit der deutschen Kultur – und machen uns auf alltägliche Kuriositäten aufmerksam, die für sie befremdlich wirken: Im Restaurant, so ist ihnen aufgefallen, isst jeder vom eigenen Teller, Rechnungen werden nach dem Date auf den Cent genau geteilt, und Ordnung ist wichtig. Bisher entspricht das Bild, das die Interviewten aus Afghanistan, Mexiko und Thailand von ihrer neuen Heimat zeichnen, überwiegend den bereits bekannten Stereotypen. Aber das Projekt läuft ja gerade erst an – und kann sich mit seinen persönlichen Geschichten zu einer echten Chance entwickeln, unser eigenes Land mit anderen Augen zu betrachten.
Von Leandra Kristin Morich

2. Nachrichten im 
 Schnipselformat

Foto: Bei "Hochkant" erklärt das Team rund um Moderator Florian Prokop Nachrichten auf Snapchat.

Bei "Hochkant" erklärt das Team rund um Moderator Florian Prokop Nachrichten auf Snapchat.

Quelle: Funk.net

Mit Stimmverzerrer zitiert Moderator Florian Prokop Politiker, Sekunden später spricht er über Homosexualität. Über seine Zunge legt er dabei einen Regenbogen-Filter, während über seinem Kopf ein Kranz aus Herzen rankt. Mit dem Schnipselformat  „Hochkant“ soll Snapchat (@hochkant) mehr liefern als Anekdoten aus dem Alltag oder der letzten Partynacht. Das Projekt des RBB soll Nachrichten für die mundgerecht verpacken, die keine Zeitungs-App auf dem Handy haben. Dabei ist es egal, ob es um das Freihandelsabkommen Ceta oder Pegida geht – die Devise scheint immer zu sein: Hauptsache, kurz, bunt und unkompliziert. Das Ergebnis ist eine schnell zu konsumierende und leicht verdauliche Dosis Politik, die überraschend unterhaltsam ist. Und manchmal ist „Hochkant“ auch angenehm persönlich, zum Beispiel wenn Florian zu einem Coming-out meint: „Du hast alle Zeit der Welt. Oute dich nur, wann, wie und wo du es willst.“ Fast wie ein großer Bruder.
Von Lea Stratmann

3. Youtube-Trash mit 
 Wiedererkennungswert

Foto: Youtuberin "coldmirror" parodiert im Channel "StarStarSpace" Sciene-Fiction-Serien.

Youtuberin "coldmirror" parodiert im Channel "StarStarSpace" Sciene-Fiction-Serien.

Quelle: Funk.net

Ein gigantisches Schiff in Entenform fliegt durch fremde Galaxien und entdeckt neue Planeten. Das klingt albern? Das ist es auch.  In „StarStarSpace“ veröffentlicht die bekannte Youtuberin  „coldmirror“ einmal wöchentlich etwa dreiminütige Videos auf ihrem Kanal. Das Ergebnis sind schlecht animierte Comic­videos mit zweideutigen Anspielungen und ironischen Bemerkungen zu veganer Currywurst. Feinster Youtube-Trash, der es trotzdem schafft, einen Nerv zu treffen. Sarkastisch parodiert die 32-jährige Kathrin Fricke, die hinter dem Pseudonym steckt, Filme und Serien, die die Worte „Star“ oder „Space“ beinhalten. So erinnert das Logo der Kurzserie selbst Laien an Star Wars und Star Trek. Dass der Zeichenstil und die Namen einiger Charaktere aber auf „coldmirrors“ eigene Anime-Serie „Japanoschlampen“ zurückgehen, wissen wohl nur ihre rund 800 000 Abonnenten. Die Bremerin ist ein echtes Multitalent: Sie ist Autorin, Zeichnerin, Animationskünstlerin und Sprecherin in einem. Das gibt ihr allen kreativen Spielraum, um ihrer Serie Wiedererkennungswert zu verleihen – mit Erfolg.
Von Lea Stratmann

4. Politik verstehen mit 
„Headlinez“

Foto: Ein bisschen wie LeFloid: Bei "Headlinez" erklärt Rayk Anders Nachrichten.

Ein bisschen wie LeFloid: Bei "Headlinez" erklärt Rayk Anders Nachrichten.

Quelle: Funk.net

Nachrichten können verwirrend sein“, sagt Rayk Anders in einer seiner „Headlinez“ -Folgen. Deswegen hat es sich der Berliner zur Aufgabe gemacht, politische Themen verständlich zu erklären. Auf seinem Youtube-Kanal postet er deswegen Videos, die Hintergründe zu Schlagzeilen über Pegida, Rassismus und den türkischen Präsidenten Recep Erdogan erklären – mit bunten Grafiken, comicartigen Abbildungen und eingeblendeten Zitaten. Die fünf- bis zehnminütigen Videos sind meinungsstark und bauen auf den typischen Youtube-Duktus: abgehackte Sätze, harte Schnitte und ironisch gemeinte Sprüche, ohne die Mundwinkel zu verziehen. Bei rund 75 000 Abonnenten kommt das gut an, für einige andere könnte „Headlinez“ aber auch wie ein Le-Floid-Abklatsch wirken.
Von Anna Beckmann

5. Lifestylevideos 
mit Mama

Foto: Beautybloggerin, aber authentisch: Jana von "Janasdiary".

Beautybloggerin, aber authentisch: Jana von "Janasdiary".

Quelle: Funk.net

Beauty-, Lifestyle- und Fashion-Kanäle von hübschen, jungen Mädels gibt es auf Youtube zuhauf. Jana von „Janasdiary“ schafft es trotzdem, besonders zu sein. Sie nimmt sich selbst, dieses Gefühl vermittelt sie, einfach nicht zu ernst. Ihre Tagebuch-Video-Formate sind dabei relativ typisch: Parodien, Challenges, Tags, Vlogs – alles bekannt. Doch Jana hat eine sympathische, liebevolle, wirklich humorvolle, kluge und bodenständige Ausstrahlung, sodass sich die Videos sich tatsächlich von den klassischen Beauty­queens auf You­tube wie DagiBee abheben. Ihre gute Laune steckt an, wenn sie ihre Mutter vor der Kamera zur Flachwitz-Wasserchallenge herausfordert und mit ihrem Freund stereotype Pärchenbilder nachstellt. Doch das Wichtigste ist ihre Selbstdarstellung: Jana bleibt authentisch. Für ein Lifestyle-Videoformat ist das außergewöhnlich.
Von Wentje Lübbing

6. Alltagssketche mit 
Schmunzelpotenzial

Foto: Schmunzelpotential, aber zu wirr: "Gute Arbeit Originals!" mit Jan Böhmermanns "Beefträger" Florentin Will.

Schmunzelpotential, aber zu wirr: "Gute Arbeit Originals!" mit Jan Böhmermanns "Beefträger" Florentin Will.

Quelle: Funk.net

Wir machen das, was wir witzig finden“, sagt Katjana Gerz über „Gute Arbeit Originals!“ , für das sie, gemeinsam mit Florentin Will , Sketche dreht, die dann auf ihrem gleichnamigen Youtube-Kanal veröffentlicht werden. Will, der in Jan Böhmermanns „Neo Magazin Royale“ unter anderem den „Beefträger“ spielt, sagt, dass die Sketche zeitlos und allgemein seien. Und das ist die größte Stärke und die größte Schwäche des Formats zugleich. „Gute Arbeit Originals!“ hat kein klares Thema. Die Sketch-Ideen entstehen zufällig, zum Beispiel durch Versprecher im Büro. Heraus kommen muntere Alltagsparodien über ein Pärchen, bei dem die Freundin das Wort „Brunch“ nicht richtig ausspricht, oder Parodien auf pseudoinvestigative TV-Sendungen. Zum Schmunzeln ist das allemal, laut loslachen muss man bislang eher nicht.
Von Wentje Lübbing

7. Dokus vom 
Kollektiv

Eine syrische Frau nestelt an ihrem Kopftuch, steckt sich ein Mikro an und antwortet auf die Frage der Reporterin hinter der Kamera. Sie holt Luft – und bricht in Tränen aus. Doch statt einer monotonen Stimme aus dem Off schwingt die Kamera herum und zeigt die Reporterin. „Ich wusste gar nicht, was ich machen soll“, sagt sie. Wirklichkeitsnah und subjektiv – so wollen die zehn Journalisten von „Y-Kollektiv“ jeden Donnerstag ihre 15-minütigen Reportagen erzählen. Worum es gehen wird, wird vorher bei Twitter und Facebook angekündigt. Die Journalisten von Radio Bremen begleiten einen radikalen Tierschützer, die erste Rikscha-Fahrerin Pakistans oder eine Flüchtlingsrettungsmission im Mittelmeer. Das Bild zeigt nicht nur die Protagonisten, sondern auch die Reporter selbst im Selfie-Stil, wie sie im Hotelbett sitzen und ihre eigenen Eindrücke wiedergeben. „Was für ein Typ, ey“, sagt die Reporterin, die sich über einen Macho aufregt. Das Y-Kollektiv will Geschichten aus der Perspektive der Generation Y erzählen: mit Reportern, die sich nicht hinter der Kamera verstecken, sondern ihre Gesichter und Meinungen vor der Kamera zeigen. Das liefert einen guten ersten Eindruck, für tiefere Analysen reicht das Format bislang aber leider nicht.
Von Theresa Kruse

8. Der Abenteuerspielplatz für die Großen

Das Prinzip von „Kliemannsland“ ist so einfach wie genial. Auf einem angemieteten Bauernhof hat Namensgeber und Youtube-Handwerker Fynn Kliemann zwei Hektar Platz für Blödsinn. Er fährt mit Kumpel Hauke mit einem Trecker durch eine riesige Matschpfütze, baut einen Grill, springt in Strohberge und hat vor der Kamera überraschend viel Spaß. Eigentlich macht Kliemann mit Ende Zwanzig nur das, was man sich als Stadtkind früher immer gewünscht hat – toben, Dinge basteln, Unfug treiben. Das von der hannoverschen Firma Cineteam mitproduzierte Ergebnis sind Youtube-Videos, die immer spaßig sind, aber es noch zu selten schaffen, auch Wissenswertes zu vermitteln. Das war bei Kliemanns Bastel-Videos auf seinem persönlichen Youtube-Kanal früher noch anders. Aber man ist schon zufrieden, wenn man nach drei Folgen „Kliemannsland“ mal wieder Lust hat, den Werkzeugkasten aus dem Keller zu holen.
Von Ansgar Nehls

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