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Das sind Hannovers Cosplayer

Verwandlungskünstler Das sind Hannovers Cosplayer

Cosplayer sind ein Hingucker. Doch warum schlüpfen Manga-Fans so gerne in aufwendige Kostüme? ZiSH hat vor der Comic Con in Hannover nachgefragt.

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Aus Studentin Rei wird Nico Yazawa aus der Anime-Serie "Love Live", aus Optikerin Julia die Hauptfigur Yazawa Shinku aus der Manga-Reihe "Rozen Maiden".

Quelle: Villegas

Brandblasen an Händen und Armen, angesengte Teppiche und giftige Dämpfe in der Wohnung – „wir Cosplayer leben gefährlich“, sagt Saskia Raer. Die 28-Jährige steht in einem Raum des Deutsch-Japanischen Freundschaftskreises vor 15 jungen Menschen, die Missgeschicke dieser Art bestens kennen. Denn die Anfertigung eines Cosplay-Kostüms ist eine ganz andere Nummer, als sich ein paar Wollsocken zu stricken. „130 oder 140 Kostüme habe ich schon selbst gebastelt“, sagt Saskia Raer. Sie gibt anderen Cosplayern Workshops und Basteltipps.

Das ist Cosplay

Jamie-Lee Kriewitz ist – egal, ob erfolgreich bei „The Voice of Germany“ oder erfolglos beim ESC – Hannovers bekannteste Cosplayerin. Mit ihren kunterbunten Outfits im Schulmädchen-Stil wirkt die Bennigserin wie aus einem Manga gefallen. Ihr Stil nennt sich Decora Kei und ist ein Ableger der Cosplay-Szene.

Weltweit treffen sich Cosplayer auf Conventions, um Gleichgesinnten ihre Kostüme zu präsentieren. Die weltweit größte Cosplay-Veranstaltung ist das jährliche World Cosplay Summit im japanischen Nagoya. Aber auch in Deutschland gibt es eine Cosplaymeisterschaft und mehrere Conventions von der Role Play Convention in Köln über die Connichi in Kassel und die AnimagiC in Bonn bis zu Ablegern der MCM Comic Con unter anderem in Hannover. Greta Friedrich

„Jeder kann genau das kreieren, was er sich vorstellt“, sagt die 28-Jährige. Das ist es auch, was viele Cosplayer begeistert: Helden und Figuren, die sonst nur in Manga-Comics oder Anime-Serien wie „Love Live!“ bewundert werden können, werden so zum Leben erweckt. Und die Cosplayer können nach Feierabend etwa in die Haut von Yazawa Shinku aus der Manga-Serie „Rozen Maiden“ schlüpfen, die auch in Deutschland extrem beliebt ist.
Cosplay bedeutet übersetzt so viel wie „Kostümspiel“. Die Anhänger der japanischen, grell-bunten Verkleidungskultur schlüpfen dabei in die Rolle einer Manga-, Roman- oder Filmfigur. Etabliert wurde der Begriff Cosplay 1984 vom japanischen Autor Nobuyuki Takahashi. Aus den Begriffen Costume und Play machte er – ganz pragmatisch – Cosplay. Als dann Ende der Neunzigerjahre Manga- und Anime-Serien in Europa und den USA populär wurden, verbreitete sich auch der Cosplay-Trend. Mittlerweile gibt es in Deutschland geschätzt rund 10.000 Cosplayer.

Saskia ist Mitglied der Jury für die Deutsche Cosplaymeisterschaft und Ansprechpartnerin des Cosplayer-Treffs am Herrenhäuser Markt. Bis zu 140 Cosplayer aus Hannover und der Umgebung kommen zu den monatlichen Treffen. „Eigentlich ist Cosplay eine nationale Geschichte, bei der man sich auf Conventions trifft. Dass es in Hannover Treffen gibt, ist eher ungewöhnlich“, sagt Saskia, die gerade ihren Master in Wirtschaftswissenschaften gemeistert hat. „Ich habe meine Freunde aus Hannover eher auf Treffen in München gesehen als hier. Deshalb habe ich den Treffpunkt gegründet.“ Dorthin kommen nun Schüler, Studenten und Berufstätige, wie die 29-jährige Optikerin Julia – allerdings nicht in Kostümen.

Heute hat Julia selbst gebackene Mochis mitgebracht – kleine, japanische Reiskuchen. „Dragon Ball Z“ und „Sailormoon“ haben vor acht Jahren ihre Japan-Begeisterung geweckt. Seitdem hat sie viele neue Freundschaften in der Cosplay-Szene geschlossen. „Vor allem auf den Conventions lernt man neue Menschen aus ganz Deutschland kennen“, sagt sie.

Workshopchefin Saskia ist bereits seit 14 Jahren dabei. Neben Anime-Charakteren wie Ranka Lee aus der Serie „Macross Frontier“ ist sie auch schon in das Gewand der Hogwarts-Lehrerin Minerva McGonagall aus „Harry Potter“ geschlüpft. „Das Anziehen der fertigen Kostüme umfasst nur 10 Prozent des Hobbys“, sagt Saskia. Rund 100 Euro und etwa eine Woche Zeit investiert sie in ein neues Kostüm. Am Ende zählen für sie besonders das Basteln – und die prachtvollen Fotos im fertigen Kostüm.

Die Comic Con in Hannover

Zum zweiten Mal bringt sie ein wenig von dem Glanz der Comic Con von San Diego nach Hannover: Der Ableger der berühmten Comic-Messe findet am 20. und 21. Mai auf dem Messegelände statt. Die MCM Hannover Comic Con ist ein Treffpunkt für Fans von Comics und Cosplay. Zu den größten Attraktionen zählen der Kostümwettbewerb und Stargäste – in diesem Jahr kommen unter anderem Katie Cassidy und Echo Kellum aus der TV-Serie „Arrow“. 60 Comic-Künstler stellen sich den Fragen der Fans, Händler bieten Sammlerstücke an. Es gibt Wrestling-Kämpfe, einen Laser­tag-Parcours, Magic-Turniere und Workshops: Ladislav Beran („Hellboy“) gibt etwa Tipps zum Showkampf. Tagestickets gibt es ab 22,10 Euro im Vorverkauf unter www.mcmcomiccon.com. Greta Friedrich

Der Maschpark, das Expo-Gelände und der Hiroshima-Kirschblütenhain auf der Bult sind beliebte Fotomotive in der Stadt. Saskia trifft sich mit Gleichgesinnten aber lieber bei Conventions: „Mit 50 Leuten auf einer Wiese abzuhängen ist nicht so mein Ding.“ Auf den Cosplay-Veranstaltungen finden Wettbewerbe rund um die Kostüme statt und man kann Materialien kaufen.

In ihrem Kostüm-Workshop erklärt Saskia, wie man so eine Verkleidung am besten kreiert. Denn im Gegensatz zu Fasching oder Karneval legen die Cosplayer großen Wert darauf, ihre Kostüme selbst herzustellen. „Anders als früher kann man sich heute im Internet über Anleitungen informieren und Material bestellen“, sagt Saskia. Dabei wird nicht nur auf Nadel und Faden zurückgegriffen, sondern auch auf Heißluftfön und Heißklebepistole. Damit werden Schaum- und Kunststoffe erwärmt, in die richtige Form gebracht und aneinander befestigt.

Die 21-jährige Rei hat durch Cosplay Freunde in Hannover gefunden: Die Studentin aus Vietnam mit den hellvioletten Haaren ist Saskia dafür dankbar. „Als ich vor wenigen Jahren nach Deutschland kam, hat Saskia mich im Cosplaying unterstützt“, sagt Rei, die gerne zu den Treffen geht.

„Cosplay ist für mich eben ein Hobby, das verbindet“, sagt Saskia. Leider würden viele Menschen das nicht verstehen und hauen den Kostümierten in der Öffentlichkeit dumme Sprüche um die Ohren. Saskia vermeidet es, verkleidet auf die Straße zu gehen. Aber wer sich 2017 noch über bunte Verkleidungen aufregt, kann selbst keine sonderlich spannenden Hobbys haben.

Von Nina Hoffmann

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