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Diese Games könnten beim Computerspielpreis abräumen

Spieletests Diese Games könnten beim Computerspielpreis abräumen

Am Mittwoch wird der Deutsche Computerspielpreis in Berlin vergeben. ZiSH hat die Favoriten in den wichtigsten Kategorien getestet. Die Nominierten zeigen, wie es um die Entwicklerszene in Deutschland steht.

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Wer räumt beim Deutschen Computerspielpreis ab? Wir haben die nominierten Spiele getestet.

Quelle: Fotolia, Handout (3)

Das ist der Deutsche Computerspielpreis - und darum steht er in der Kritik

Der Deutsche Computerspielpreis wird seit 2009 vergeben und ist eine Initiative von Branchenverbänden und dem Deutschen Bundestag. Er will die Entwicklung von Videospielen aus Deutschland fördern. Die Jury bewertet dabei anhand von vier großen Kriterien: künstlerische oder kulturelle Werte, Pädagogik, Technik und Spielspaß. Man muss den Zustand der Videospielszene verstehen, um bewerten zu können, was Innovation ist und was nicht.
 Das versucht sicher auch der Deutsche Computerspielpreis. Allerdings scheint man dabei große Teile der Branche einfach zu übergehen: Um nominiert zu werden, müssen die Spiele dem Jugendschutz entsprechen. Das heißt: Spiele, die erst ab 18 Jahren freigegeben sind – ein äußerst bedeutsamer Bereich des Gamings, wie zum Beispiel Egoshooter – fallen unter den Tisch und werden nicht bewertet. Ebenso lässt sich der sportliche Charakter von Spielen nicht länger ausblenden: E-Sports, also der Wettkampf zwischen Spielern, ist längst ein internationales Milliardengeschäft geworden.

Immer mehr Vereine aus der Fußball-Bundesliga, wie Schalke 04 oder der Vfl Wolfsburg, haben schon Teams in „League of Legends“ oder „Fifa“ aufgestellt. Bei der Preisvergabe sucht man dagegen vergeblich nach diesem Bereich der Gaming-Szene. Der Deutsche Computerspielpreis degradiert Videospiele so zu Kinderkram. Ein Preis für Förderung von Innovation in Videospielen kann sinnvoll sein – wenn er bedeutsame Teile der Branche kategorisch ignoriert, ist er allerdings wenig wert.

Joss Doebler

„On Rusty Trails“: Jump-and-Run mit Message

Der rostige Roboter Elvis braucht ein neues Heim. Das Haus des kantigen Metallwesens wurde bei einem Unwetter zerstört. Und so macht sich Elvis im Jump-and-Run „On Rusty Trails" (Black Pants Studio, Berlin/Kassel) auf die Suche nach seiner Versicherung, die ihm die Police ausbezahlt.Der Weg dorthin ist eine Mischung aus Geschicklichkeitsübungen und Wegfindungsrätseln. In einer düsterbunten Industrielandschaft müssen metallene Kästen, Feuerstrahlen und haarige Monster wie im Klassiker „Super Mario" überwunden werden. Der Clou dabei ist ein blauer Anzug, der per Taste an- und wieder ausgezogen werden kann. Mit ihm können die blauen Hindernisse passiert, dürfen die roten aber nicht berührt werden. Ohne den Anzug verhält es sich umgekehrt. So verändert sich die gesamte Szenerie per Knopfdruck.

Die im Nominierungstext für den Computerpspielpreis angekündigten Themen der Diskussion um Flüchtlingsströme und städtische Wohnungsnot werden dabei kaum behandelt. Außer ein paar Piktogrammen, die auf Elvis‘ Weg einige unterhaltsame Kommentare einstreuen, bleiben sie ein loser Rahmen. Doch wäre der nicht etwas großspurig angekündigt - man würde einen breiteren Überbau nicht vermissen. Denn „On Rusty Trails" macht ohne Zweifel Spaß. Die Level sind gut ausbalanciert, und die schicke Comicoptik ist vortrefflich designt. Nur: Neu ist das alles nicht. Warum das Spiel das beste deutsche des Jahres sein soll, bleibt etwas schleierhaft.

Für die Kategorie Bestes Deutsches Spiel sind ebenfalls nominiert: „Portal Knights“ und „Shadow Tactics – Blades of the Shogun“

Ansgar Nehls

„Overwatch“: Kunterbunter Comic-Shooter

Der Abgabetermin der Bachelorarbeit rückt immer näher, aber das Word-Dokument ist noch erstaunlich leer. Die Power-Point-Präsentation für das Referat hat sich in der Zwischenzeit auch noch nicht selbst erstellt. Man könnte mit dem Abwasch prokrastinieren, aber der Tellerstapel ist zu hoch, als dass man sich aufraffen könnte. Nicht nur als gestresster Studierender wünscht man sich manchmal Superkräfte. Blitzschnelles Lesen, Hyperintelligenz oder wenigstens die Fähigkeit, ohne Schlaf auszukommen – das wär schon was.

Die Superhelden aus „Overwatch“ haben so manche Fähigkeit, die man sich im Alltag manchmal wünscht. Da wäre der sprechende Gorilla Winston, der über ein geniales Verständnis von Technik verfügt. Da gibt es außerdem die knabenhafte Tracer, die in kleinen Sprüngen durch die Zeit reisen kann. Und die etwas zwielichtige Sombra kann sich unsichtbar machen und nahezu jedes Computersystem im Handumdrehen hacken.

Blizzard Entertainment hat mit „Overwatch“ einen knallbunten Shooter auf den Markt gebracht, in dem sich je sechs Spieler als Superhelden gemeinsam in die Schlacht stürzen. Nur wer als Team zusammenarbeitet, kann in der spielinternen Rangliste aufsteigen. Es ist das erste neue Spieluniversum des Kult-Studios seit 1998, dessen Geschichte unter anderem in zahlreichen Online-Comics weiter vertieft wird. In der farbenreichen Welt von „Overwatch“ kann man sich schnell für einige Stunden verlieren – und hat die Bachelorarbet dabei schon wieder völlig vergessen.

Weitere Nominierungen in der Kategorie Bestes internationales Multiplayer-Spiel: „1-2-Switch“ von Nintendo und „Battlefield 1“ von Electronic Arts.

Joss Doebler

„Orwell“: Spielen als „Großer Bruder“

Am Anfang der Sozialsimulation „Orwell“ (Osmotic Studios, Hamburg) steht ein Terroranschlag. In der Hauptstadt des fiktiven Staats "The Nation" geht auf dem Marktplatz eine Bombe in die Luft. Und am nächsten Tag sind die Zeitungen voller Berichte über die entsetzliche Tat.

An diesem Punkt setzt „Orwell“ an und bietet eine spektakuläre Spielidee. Denn gespielt wird aus der Sicht des Überwachungsstaats. Ähnlich dem großen Bruder im dystopischen Romanklassiker „1984“ des namensgebenden Autors George Orwell hat man als Profiler Zugriff auf einen immensen Datenschatz der Bevölkerung. In Zusammenarbeit mit einem Aufträge erteilenden Ermittler muss der Spieler so die Profile in den sozialen Netzwerken, den Mailverkehr und die Telefongespräche von möglichen Verdächtigen durchleuchten – um die Verantwortlichen für den Terroranschlag zu fassen und eine mögliche Verschwörung aufzudecken. Dass dabei immer wieder auch voyeuristische Informationen von Unschuldigen gesichtet werden, wird vom Ermittler als Kollateralschaden dargestellt.

Doch mit fortschreitendem Spiel wachsen die Zweifel über den Sinn und Unsinn der allumfassenden Überwachung mehr und mehr. „Orwell“ ist dabei mit seiner browserähnlichen Oberfläche etwas technisch und arg textlastig. Doch das Spiel packt den Nutzer. Es ist mit Fortschreiten der Ermittlungen spannend wie ein guter Krimi und es hinterlässt ein mulmiges Gefühl.

Für die Kategorie Bestes Serious Game sind ebenfalls nominiert: „Debugger 3.16 - Hack’n‘Run“ und „Meister Cody – Namagi“

Ansgar Nehls

„Twisted Lines“: Verdrehte Welt

„Twisted Lines“ erinnert an das Spiel der Handyspiele: „Snake“. Wer zu Beginn der 2000er ein Nokia-Handy besaß, hat mit Sicherheit einige Zeit damit zugebracht, die pixelige Schlange durch das Spielfeld zu steuern und sie Punkte fressen zu lassen – sodass sie immer größer und länger wurde. Wichtigste Regel: Der Kopf der Schlange durfte auf keinen Fall einen anderen Teil des Tieres kreuzen oder berühren. „Twisted Lines“ erinnert an den Handyklassiker, dreht das Spielprinzip allerdings um: Der Spieler muss die Linien der Schlange überkreuzen.

Die Schlange besteht aus drei Farben: Zwei verlaufen parallel und bilden den Körper. Die dritte Farbe ist der Kopf. Um die ebenfalls farbigen Objekte im Spielfeld aufzusammeln, muss man die Farbe des Kopfes anpassen – das gelingt, indem man die Schlange überkreuzen lässt. Das Prinzip wird in den ersten Leveln schnell deutlich. Allerdings erhöht sich der Schwierigkeitsgrad enorm, und der Spieler sitzt bald knobelnd vor seinem Smartphone. Um die Aufgaben zu lösen und alle farbigen Objekte einzusammeln, braucht man bald Tipps. Die Entwickler von Megagon Industries, eine kleine Spieleschmiede aus Berlin und Hamburg, bieten zwar zehn Ratschläge gratis an – alle weiteren müssen dann aber als In-App-Kauf bezahlt werden. Die 100 Level sind unterteilt in verschiedene Welten.

Wenn ein Level gelöst wird, bekommt es eine Überschrift. Alle Überschriften in einer Welt ergeben eine kleine Geschichte. Es sind noch weitere raffinierte Details versteckt, die der Spieler erst im Laufe des Spiels entdeckt. Wer gerne rätselt und Spiele wie „Snake“ oder „Candy Crush“ spielt, wird mit „Twisted Lines“ auf kürzeren Bus-oder Bahnfahrten seinen Spaß haben. So packend, dass man es in einem Durchgang durchspielen möchte, ist „Twisted Lines“ dann aber doch nicht.

Für die Kategorie Bestes Mobiles Spiel sind auch „Galaxy on Fire 3 - Manticore“ und „Glitchskier“ nominiert.

Jeffrey Ji-Peng Li

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