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Das sind die Newcomer des Sommers

Festival-Saison Das sind die Newcomer des Sommers

Bald beginnt die Festival-Saison – und bringt viele interessante Newcomer mit sich. ZiSH stellt acht Künstler vor, für die sich das frühe Aufstehen lohnt.

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Neue Bands entdecken - das geht auf Festivals immer noch am Besten.

Quelle: Symbolbild (dpa)

Her: Ein Plädoyer für Weiblichkeit

In ihrer Rede vor den Vereinten Nationen forderte Emma Watson Männer auf, sich für die Gleichberechtigung der Geschlechter einzusetzen. Das hat sich das französische Duo Her zu Herzen genommen: Seine erste EP  beginnt mit einem Auszug der Feminismus-Ansprache des „Harry Potter“-Stars: Victor Solf und Simon Carpentier wollen in ihrer Musik eine ähnlich starke Frau erschaffen: Her eben. Die Stimmen der beiden erinnern dabei an Hurts oder die Bee Gees, ihre Musik ist aber viel sparsamer instrumentiert.

Im Mittelpunkt stehen die sinnlichen Texte, getragen von zurückhaltenden Synthie-Akkorden, minimalistischen Beats und vereinzelt eingestreuten E-Gitarren-Melodien. Ging es auf ihrer ersten EP noch ausschließlich um Liebe und Beziehungen, enthält „Her Tape #2“ mit „Swim“ auch einen Titel, der zum Anderssein ermutigt. Wann die beiden jungen Franzosen ein Debütalbum veröffentlichen, ist noch unklar. Ende August spielen Her auf dem Dockville-Festival in Hamburg. 

Greta Friedrich

Fazerdaze: Luftig leichter Dreampop

Angefangen hat alles mit Aufnahmen in der eigenen Wohnung in Auckland. Nach der Enge einer Studentenbude klingt die Musik der Neuseeländerin Amelia Murray alias Fazerdaze aber ganz und gar nicht: Verträumt und entrückt hallt ihre warme Stimme durch die unaufdringlichen Beats und die melodischen Klänge von Synthesizer, Gitarre und Bass. Luftig und entspannt, wie ein warmer Sommertag mit Freunden am Kiesteich.

Murray selbst sagte im Interview mit dem Deutschlandfunk: „Ich benutze meine Musik, um mir Mut zu machen. Wie eine beste Freundin.“
Vor Kurzem legte die 24-Jährige nun ihr Debütalbum „Morning­side“ vor. Es ist benannt nach ihrer Wohnsiedlung in Auckland, wo ihre ersten Aufnahmen entstanden sind. Auf dem Album finden sich gleich zehn ihrer Dreampop-Songs, die ein wohliges Sommergefühl versprühen. Fazerdaze spielt Ende Mai auf dem Immergut-Festival in Neustrelitz, Mecklenburg-Vorpommern.

Greta Friedrich

Schmutzki: Exzess am Wochenende

Schmutzki scheinen nicht nur eine Handvoll treuer Fans zu haben, die gern auf Autobahnraststätten Sticker hinterlassen. Das Trio spielt die Bandkarriere im Vorspulmodus durch: Die drei Stuttgarter haben es nach einer EP und zwei Alben, darunter die aktuelle Platte „Spackos Forever“, schon ins Vorprogramm von den Toten Hosen, Bad Religion und den Beatsteaks geschafft. Dieser Erfolg führt sie im Sommer unter anderem zu Rock am Ring, dem Deichbrand und dem Chiemsee Sommer.

Für Festivals sind Schmutzki auch inhaltlich wie gemacht: In Songs wie „Zeltplatz Baby“, „Sauflied“ oder „Hey Haters“ feiern sie die sommerlichen Wochenenden voller Exzess und Schlafmangel. Ihr Sound ist eine Mischung aus Ärzte-Hymnen und Kraftklub-Coolness: rotziger, aber melodischer Deutschpunk mit scharfzüngigen, intelligenten Texten – in denen die Musiker auch mal über sich selbst lachen können. Das überzeugt auch Festivalgänger, die Gitarrenmusik sonst eher meiden.

Manuel Behrens

Liedfett: Bierduseliger  Humor aus Hamburg

Liedfett haben auf Festivals fast schon einen Stammplatz. Die bierduselige Mischung aus Mitgrölhymnen, purem Akustik-Sound und Punk-Attitude bescherte Liedfett seit der Gründung 2007 zahlreiche Auftritte – unter anderem auch auf dem Dockville. Dazu dichten die drei Hanseaten schlaue Texte mit trockenem norddeutschen Humor. Dass im Video „Schlaflied“ der überzeugte Hamburger Bjarne Mädel („Der Tatortreiniger“) schlaflos über den Kiez läuft, überrascht da wenig.


Für den Durchbruch hat es bislang nicht gereicht, das könnte sich aber mit dem soeben veröffentlichten vierten Album „Phoenix aus der Flasche“ ändern. Der Großteil der Songs wurde live im Studio eingespielt. Die Hamburger, die  bislang auf ein Cajón setzten, haben die Kistentrommel nun durch ein Schlagzeug ersetzt. Wer Daniel Michel, Philipp Pöhner und Lucas Uecker in Festivalatmosphäre erleben möchte: In diesem Jahr spielen Liedfett auf dem Open Flair.

Kira von der Brelie

Tash Sultana: Die One-Woman-Band

Tash Sultanas Musik klingt wie eine einzige große Jam-Session. Das liegt daran, dass die 21-Jährige alleine eine ganze Band ersetzt. Ihre Loopstation gibt die von ihr live eingespielten Melodien und Rhythmen in Dauerschleife wieder – so kreiert die Australierin einen sich kontinuierlich aufbauenden Sound: luftig-leicht mit flirrenden Synthies, dumpf-pochendem Beat und euphorischen E-Gitarren. Damit füllt Tash Sultana mittlerweile bereits ganze Hallen, Anfang des Jahres hat sie ihr Debütalbum „Notion“ veröffentlicht.


Dabei hat die ehemalige Drogenabhängige ursprünglich ganz klein angefangen: mit Straßenmusik in Melbourne. Das tat sie allerdings nur so lange, bis ihr erstes Youtube-Video „Jungle“ viral ging. Seitdem ging es steil bergauf für Tash Sultana: Ihre Musik führt die One-Woman-Band in diesem Jahr auf zahlreiche Festivals in aller Welt. In Deutschland sind das unter anderem das Dockville, das
Appletree Garden und das A Summers Tale.

Kira von der Brelie

Yung Hurn: Der Realität entkommen

Für jene Festivalmomente, in denen man lauthals Songs mitrappen möchte, auch wenn die Zunge vom wenigen Schlaf nur träge im Mund liegt, ist Yung Hurn perfekt. Statt mit Battlerap-Passagen in Doubletime um sich zu knallen, bringt der Hip-Hopper aus Wien lieber Reime über, nun ja, Drogen. Und Sex. Aber meistens Drogen. Die Texte der zwei EPs des Österreichers spricht er langsam oder spielt gar nur mit den Lauten der einzelnen Wörter – so wie Falko, nur auf einen drömeligen Trap-Beat. Yung Hurn wird deshalb von vielen als Dadaist des Rap gefeiert.

Das passt gut, wandte sich die Kunstform Dadaismus doch gegen die konventionelle Kunst, wie Yung Hurn sich seinerseits den krassen Rap-Skills seiner Genre-Kollegen verweigert. Dada bedeutete außerdem auch immer die Flucht vor der Wirklichkeit – und was passt besser zu einem Festivalwochenende als Realitätsflucht. Das Dockville ist in diesem Jahr allerdings Yung Hurns einziges in Deutschland.

Maike Brülls

Parcels: Wenn Funk auf Elektro trifft

Gäbe es das Genre des Siebziger-Elektro-Retro-Rock, wären Parcels seine Pioniere. Die fünf gebürtigen Australier mischen die Funk-Gitarren des Disco-Jahrzehnts mit elektronischen House-Beats, groovenden Analog-Bass-Lines und unbeschwert-lässigen Gesangsmelodien. Die Musik, die daraus entsteht, ist großflächig, unverfänglich und doch mitreißend – wie das sommernächtliche Tanzen im Club. Stellenweise erinnert das sogar an den Funk-House der erfolgreichen Franzosen von Daft Punk.

In Deutschland kommt der Sound gut an: Ein Jahr nach der Gründung zogen die Bandmitglieder 2015 gemeinsam nach Berlin, wo sie teilweise zu dritt im selben Bett schlafen mussten. Schon zwei Monate später spielten sie auf der Fusion und dem Dockville. In diesem Jahr sind sie auf den Festivals Kosmonaut (Chemnitz), Maifield Derby (Mannheim), Watt En Schlick (Dangast), Skandaløs (Neukirchen), Rocken am Brocken (Elend bei Sorge) und Haldern Pop (Rees-Haldern) zu sehen.

Joss Doebler

Faber: Kneipennächte per Crowdfunding

Faber ist einer von den jungen Alten. Der Schweizer sprechsingt mit polternd-rauer Stimme vom Leben, als hätte er seins schon gelebt – dabei ist er doch gerade einmal 23 Jahre alt. In seinen Liedern erzählt der Lockenkopf aus Zürich Geschichten – und klingt dabei bereits auf seinem per Crowdfunding finanzierten Debüt „Alles Gute“ nach langen Kneipennächten. Die flockig-leichten Akustik-Gitarrenriffs, die blubbernden Bläser und seine derb-poetischen Texte bleiben sofort im Ohr.

Faber beherrscht die elektrisierende Mischung aus Sehnsucht, Wut und Leichtigkeit – perfekt, um Festivalnächte durchzumachen. Die machen die eigene Stimme ja bekanntlich auch immer sehr rau. Am 7. Juli kommt nach zwei EPs der erste Longplayer „Ein Faber im Wind“. Damit ist er unter anderem auf dem Deichbrand, dem Reeperbahn- und dem Stonerock-Festival. Am 24. Oktober spielt Faber außerdem ein Konzert im Musikzentrum, Emil-Meyer-Straße 26–28.

Kira von der Brelie

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