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Mach dein eigenes Ding!

Jugendkulturbeirat Mach dein eigenes Ding!

Ob Festival, Kunst- oder Sportprojekt: Wer hatte nicht schon einmal die Idee, etwas Eigenes auf die Beine zu stellen? Oft fehlt nur der Mut – und etwas Unterstützung. Die gibt es jetzt vom Jugendkulturbeirat der Stadt. Wir zeigen vier Beispiele.

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Ob 2er-"Skate School", Parkour-Treff oder Platzprojekt: Hannovers Jugend stellt etwas Eigenes auf die Beine.

Hannover. Für ein offizielles Schreiben an die Stadt Hannover ist die Anrede etwas ungewöhnlich: „Hey Leute!“, schreibt Max, 23. Er wolle neben seiner Ausbildung zum Büro­kaufmann zusammen mit anderen BMX-Fahrern eine Funsport-Halle aufbauen, berichtet er. „Leider sind wir nun an unsere Grenzen gestoßen ...“: Der Gruppe fehle Geld für Spanplatten. Deshalb berät jetzt der Beirat zur Förderung von Jugendkulturen über Max’ Anliegen. Seit 2012 gibt es das Gremium, das die rot-güne Ratsmehrheit initiiert hat: Dort sitzen keine Politiker, um über Anträge zu beraten, sondern acht junge Erwachsene. Einer kommt von den Pfadfindern, andere spielen in Bands, es gibt Skater, DJs. Sie alle kennen sich also mit dem aus, was Jugendliche heute so machen.

Und sie sollen nicht nur mitreden, sondern selbst entscheiden. 50 000 Euro hat ihnen die Stadt pro Jahr zur Verfügung gestellt, um Musik-, Kultur- und Sportprojekte zu fördern, die von Jugendlichen an den Beirat herangetragen werden. Bedingung ist, dass sie von Leuten getragen werden, die unter 27 sind - und dass es nicht bereits etwas Vergleichbares für Hannoveraner gibt. Zehnmal im Jahr trifft sich der Beirat, um Anträge zu beraten. Auch die, die erst auf den letzten Drücker eingereicht werden. Unterstützung bekommen die Mitglieder von einer Verwaltungsmitarbeiterin, die sich nicht nur um den Papierkram kümmert, sondern auch Informationen zu den Projekten zusammenträgt. Unterstützt wird der Beirat zudem von zwei Veranstaltungsprofis, darunter Sabine Busmann vom Musikzentrum.

92 Projekte hat der Beirat seit 2012 unterstützt: So gab es Zuschüsse für Techno-Partys im Haus der Jugend, für Skateausrüstung oder ein Dixi-Klo. Viele Veranstaltungen wurden so erst ermöglicht - wenn die Anträge das Gremium denn überzeugt haben. „Der Beirat ist bewusst unbürokratisch gehalten“, sagt Beraterin Busmann. Sie hofft, dass sich künftig noch mehr Jugendliche mit Ideen an das Gremium wenden. Die Idee von Max hat die Runde überzeugt: Er hat die Maximalförderung von 4000 Euro für Holzplatten bekommen. Daraus werden jetzt BMX-Rampen im 167Park.

Von Karsten Röhrbein

Macht mit!

Wer dem Jugendkulturbeirat Projekte vorstellen und Förderung beantragen will, findet unter  www.juku-hannover.de und auf der Facebook-Seite  www.facebook.com/JuBeHannover weitere Infos.

Auch mit Material kann der Beirat zur Förderung von Jugendkulturen aushelfen: Im Fundus gibt es unter anderem etwa eine Musikanlage für DJs, Schutzkleidung für Skater und seit Neuestem auch eine ferngesteuerte Drone. Wenn der Beirat das Anliegen unterstützt, kann die Ausrüstung nach einer entsprechenden Einführungen ausgeliehen werden. Anfragen per E-Mail an kontakt@juku-hannover.de.

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Das etwas andere Festival

Wer jemals eine Party organisiert hat, weiß: Mit jedem Mal wird’s besser. Die Macher vom Fuchsbau-Festival können das bestätigen. Im August 2012 veranstaltete das Team aus etwa 30 Freiwilligen zum ersten Mal das inzwischen renommierte Electro- und Kunstfestival. Von Organisation, Sponsorensuche und Künstlerbooking hatte kaum jemand der 18- bis 25-Jährigen Ahnung.

Das Publikum bekam davon nichts mit, vielmehr erfreuten sich die 2500 Besucher am liebevoll gestalteten Gelände und dem abwechslungsreichen Programm im Musiktheater Bad. Für die Erstausgabe des Fuchsbau gab es neben strengen Auflagen der Stadt allerdings auch Finanzhilfe. „Wir wollten unbedingt unser eigenes Festival gründen“, sagt Mitveranstalter Christoffer Horlitz (24), der von Anfang an dabei ist. Und auch beim kurzfristigen Umzug vom Bad auf eine Wiese bei Springe half die Stadtverwaltung. „Wir haben gelernt, wie man mit Behörden umgeht und PR-Arbeit organisiert“, sagt Christoffer. Dieses Jahr ist das Festival zum zweiten Mal in Folge auf dem alten Ziegeleigelände Zytanien zwischen Immensen und Lehrte. Und warum sollten sie dort weggehen, wenn es in Hannover keinen geeigneten Ort gibt? Dieses Jahr startet das alternative Festival am 12. August und endet am 14. Dass die Beliebtheit des Fuchsbaus steigt, zeigt sich am Line-up: Bisher wurde unter anderem das Berliner Dream-Pop-Duo Me and My Drummer bestätigt.

Von Manuel Behrens

Eine Bühne für alle

Jeder packt bei deiner Idee mit an!“, sagt Bianca freudig und schaut auf die Menschen, die hinter ihr an einem der zahlreichen Baucontainer werkeln. Die 30-jährige Kulturwissenschaftsstudentin baut mit ihrem fünfköpfigen Team und anderen Helfern auf dem Platzprojekt in Linden eine offene Bühne. „Open Space“ heißt das Projekt. Dort sollen in Zukunft Musiker eigenständig Konzerte organisieren oder Künstler ihre Werke präsentieren.

Das Platzprojekt sticht mit seinen vielen bunten Containern aus dem schnöden Industriegebiet heraus. Punks, Hippies und Normalos verwirklichen hier ihre Ideen, etwa eine Fahrradwerkstatt oder ein Atelier. Ursprünglich entstand das Projekt als Teil des 2er Skateboarding Vereins. Mit Skateboarding hat es allerdings nichts mehr zu tun. Auch, wenn beide Projekte nur von einem Gebüsch getrennt sind.

Seit Anfang März 2014 fördert der Bund das Platzprojekt. 120?000 Euro können die Projekte innerhalb von drei Jahren für sich nutzen. Ein eigener Container kostet 50 Euro Miete im Monat – gemeinnützige Projekte zahlen nichts. „Hier hilft dir immer jemand und du profitierst von der Erfahrung“, sagt Bianca. Und für den Bau von „Open Space“ werden Bianca und ihr Team die Hilfe gebrauchen können. Die Planung ist abgeschlossen wenn die Behörden ihr Okay gegeben haben, soll im September mit dem Bau begonnen werden. „Ist alles auf einem guten Weg“, sagt Bianca.

Das Projekt wird mit 25?000 Euro vom städtischen Innovationsfonds für Kunst und Kultur der Stadt Hannover unterstützt. Im Gegensatz zu kommerziellen Eventveranstaltern sucht das ?„Open-Space“-Team die Künstler aus: Ist die Bühne zum gewünschten Termin frei, kann diese reserviert und die Veranstaltung eigenständig organisiert werden. Wer mitmachen möchte, kann sich unter info@platzprojekt.de melden.

Von Ricarda Deutsch

Treffen der Traceure

Tim Heber (21) balanciert elegant über ein zwei Meter hohe Metallstangengerüst auf dem Platz hinter dem Jugendsportzentrum Buchholz. Es regnet und das Metall ist rutschig. Riskante Sprünge kann er nicht machen. Seine Schüler staunen trotzdem, als sie ihm bei den souveränen Bewegungen zuschauen. Tim ist Trainer und aktives Mitglied in der Parkourszene Hannovers. Ungefähr 50 aktive Traceure, wie sich die Sportler nennen, gibt es in Hannover. Das klingt wenig, aber bewusst neue Traceure anwerben wollen sie nicht. „Parkour ist für uns eher etwas Familiäres“, so Tim.

Neben den Trainings, die er leitet, organisiert er auch mit 15 anderen Traceuren Events, wie das „Parkour & Move­ment“-Festival, das 2015 zum ersten Mal stattfand. Für die Szene war es ein riesiges Treffen: Ungefähr 600 Traceure aus dem In- und Ausland kamen dafür nach Hannover. Die Veranstaltung stieß auf große Begeisterung, viele Traceure wünschen eine Fortsetzung. „Die Organisation von so einer Großveranstaltung ist sehr aufwendig und benötigt eine lange Vorlaufszeit“, sagte Tim. Denn die Traceure organisieren solche Treffen ehrenamtlich und müssen sie mit Ausbildung oder Studium und Hobby unter einen Hut bringen.

„Ich hoffe, wir schaffen es, das nächste Festival bis 2018 oder 2019 zu organisieren.“ Für Außenstehende ist das scheinbar noch lange hin. Aber Tim und seine Mitstreiter sind schon jetzt im Stress. Es dauere lange, Sponsoren zu suchen, eine Location zu finden und die Einladungen an die Traceure zu verschicken. Und auch bei penibler Vorbereitung, übersieht man meist immer etwas: Lunch-Pakete für Helfer und Sportler etwa. Beim letzten Mal half deshalb der Beirat für Jugendkulturen aus. Eins aber ist schon jetzt sicher: Wenn sich die Szene das nächste Mal in Hannover trifft, können Tims Schüler zeigen, was sie drauf haben.

Von Jeffrey Ji-Peng Li

Skaten in Linden

„Wir wollten einfach nur irgendwo skaten“, erzählt Daniel. Das war in Hannover gar nicht so einfach. Es gab keine professionellen Parks und auf anderen Plätzen nervten der heute 33-Jährige und seine Freunde schnell Anwohner und Passanten. Dann entdeckten sie das Gelände an der Fössestraße. Sie bauten einige kleine Hindernisse aus Holz – der 2er war geboren.

Das war 2007. Heute, neun Jahre später, ist der 3500 Quadratmeter große Platz mit etlichen Betonrampen versehen. Daniel ist Vorsitzender des 2er Skateboarding Vereins, den er mit sechs Freunden gegründet hat. Der Weg war nicht immer einfach: „Wir hatten ziemlich Probleme, die Gemeinnützigkeit beim Finanzamt zu bekommen“, sagt Daniel. Mehrmals mussten sie ihr Konzept überarbeiten und dem Amt neu vorstellen. „Skaten passte einfach nicht ins Schema des klassischen Sportvereins.“ Erst 2009 wurden sie offiziell anerkannt.

Die Zusammenarbeit mit der Stadt war dann aber unkomplizierter als erwartet: Mit Bernd Jacobs hatten sie einen Ansprechpartner bei der Stadt. „Er hat uns zum Beispiel beraten, als es um die Nutzungsvereinbarung für das Gelände ging“, sagt Daniel. Aus dem Bezirksrat bekommt der neue Verein außerdem Sachspenden wie Zement und Mülltonnen. Die Rampen bauen die Skater selbst.

Die Arbeit zahlt sich aus: Der Verein hat heute knapp 60 Mitglieder. Jährlich kommen Besucher aus der ganzen Welt zum Skatefestival „2er on Fire“ nach Hannover. Wichtig ist den 2er-Gründern, auch den Nachwuchs für ihren Sport zu begeistern – mit der „Skate School“. Eine professionelle Einweisung auf dem Board kann am Anfang nicht schaden. Zur 2er-„Skate School“ kann jeder kommen, der Lust hat. Am letzten Sonntag im Monat ab 10 Uhr an der Fössestraße 103 geben Daniel und seine Freund Tipps.

Von Johanna Stein

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