Volltextsuche über das Angebot:

15 ° / 10 ° Regenschauer

Navigation:
Jamie-Lee im Interview: "Faulenzen ist auch wichtig"

ESC-Teilnehmerin aus Bennigsen Jamie-Lee im Interview: "Faulenzen ist auch wichtig"

2015 gewann Jamie-Lee Kriewitz „The Voice of Germany“, ein Jahr später trat sie für Deutschland beim European Song Contest an. Nun arbeitet die 19-Jährige parallel zum anstehenden Abitur an ihrer Musikkarriere. ZiSH erklärt sie, wie sie das vereint.

Voriger Artikel
Darf man über Pimmelwitze lachen, Professor Pohl?
Nächster Artikel
So gut sind Videospiele in der Virtual-Reality

Mit Schirm, Charme und bunter Mode: Jamie-Lee spielt am Donnerstag im Musikzentrum Hannover.

Quelle: Handout

Hannover. Jamie-Lee, du hast dich dazu entschlossen, dein Abitur nachzuholen. Jetzt gerade bist du mittendrin – und gehst gleichzeitig auf Tour. Wie vereinbarst du das?
Ich kann viel schieben, und die Schule räumt mir einige Sonderrechte ein. Das ist alles total entspannt. Schon bei „The Voice“ habe ich immer frei bekommen.

Jamie-Lee: Mit bunter Mode für Tierrechte

Mit ihren groß geschminkten Augen und den Schleifen im Haar sieht Jamie-Lee Kriewitz aus wie einem Manga-Comic entsprungen. Mit ihrer Vorliebe für den auffälligen japanischen Visual-Kei-Stil fällt die zierliche Sängerin in der deutschen Popszene auf. Bekannt wurde die gebürtige Bennigserin, als sie 2015 die TV-Castingshow „The Voice of Germany“ gewann – mit 17 Jahren. Damit war sie die jüngste Gewinnerin. Ein Jahr später trat sie mit „Ghost“ für Deutschland beim Eurovision Song Contest in Schweden an – und landete auf dem letzten Platz.

2016 veröffentlichte sie ihr Debütalbum „Berlin“, das auf Platz 17 der deutschen Charts einstieg. Spätestens zu diesem Zeitpunkt war nicht nur ihr Aussehen, sondern auch ihr gefühlvoller Pop in Deutschland bekannt. Im Moment holt die 19-Jährige ihr Abitur an der Eugen-Reintjes-Schule in Hameln nach. Jamie-Lee ist Veganerin und setzt sich für Tierrechte ein.kb/jos

Live: Jamie-Lee Kriewitz tritt am Donnerstag im Musikzentrum, Emil-Meyer-Straße 26, auf. Los geht’s um 
19 Uhr, die Tickets kosten 33 Euro.

In vielen Liedern von dir geht es um Liebesthemen, aber auch um das Loslassen und Alleinsein. Wünschst du dir manchmal ein normales Teenagerleben zurück?
Das habe ich nie verloren. Erst mit 17 ging es für mich richtig los mit der Musik. Davor habe ich das alles erlebt: die typischen Liebesgeschichten, Stress mit Freunden und Eltern. Ich heiße ja nicht Justin Bieber und kann nicht mehr alleine auf die Straße gehen. Es gibt genügend Momente, in denen ich für mich bin und den Stress von draußen wegschieben kann.

Was ist dein Ausgleich zu Tourstress und Rampenlicht?
Schlaf, definitiv. Und auch, wenn es klischeehaft klingt: Musik machen. Die Eindrücke des Bekanntwerdens lassen sich gut in Texten verarbeiten. Musik ist bestimmt 70 Prozent meines Lebens. Außerdem hilft es mir, meine Familie und meinen Freund um mich zu haben und mit Menschen reden zu können, denen ich vertraue. Mein Freund ist selbst Musiker, und so können wir zusammen Musik machen und entspannen. Er steht da sehr hinter mir und findet das, was ich mache, beeindruckend.

Vielen Abiturienten macht die Zukunft Angst. Die Entscheidung, wie es danach weitergehen soll, ist nicht leicht. Wie geht es dir damit?
Ich habe keine Angst vor der Zukunft, eher Respekt. Bei jeder Tür, die sich schließt, öffnet sich schließlich eine neue. Wenn etwas nicht funktioniert, geht es trotzdem weiter. Dann helfen mir meine Leute durch schlechte Phasen. Dinge sind nur so dramatisch, wie man sie macht. Ich bin nur auch ein sehr nachdenklicher Mensch und muss aufpassen, dass ich mich selbst nicht verliere.

Passiert dir das schnell?
Wenn ich nachdenke, dann viel. Zu viel. Aber wenn ich Texte schreibe, weiß ich, dass da Leute sind, die dasselbe fühlen. Die Themen meiner Texte sind aber aus der Vergangenheit, jetzt stehe ich anderswo. Man darf sich von negativen Dingen nicht gefangen nehmen lassen.

Das klingt nach einer sehr reifen Sichtweise. In der Hinsicht bist du vielen Mitschülern bestimmt einen Schritt voraus, oder?
Ich glaube schon, dass ich unfreiwillig schneller reif geworden bin. Auch wenn ich kein Weltstar bin, merke ich: Man darf sich von Rückschlägen nicht zu sehr beeindrucken lassen. Und die Musik läuft jedenfalls erst mal, und das Abi wird auch laufen.

Du klingst sehr entspannt. Mit Lernstress hast du wohl eher keine Probleme?
Für die Sachen, die mir schwerfallen, lerne ich. Da bin ich schon ehrgeizig. Sprachen, Gestalterisches und Sport liegen mir, dafür bin ich in Mathe ein kleiner Loser. Generell finde ich Bildung aber auch sehr wichtig. Trotzdem ist es nicht unbedingt erforderlich, Abi zu haben. Auch mit einem Realschulabschluss lässt sich einiges erreichen. Ein Teenager sollte nach seinen Talenten bewertet werden, und nicht nach dem, was er nicht kann. Lernen ist wichtig, aber Faulenzen auch.

Interview: Lea Stratmann

Ein Elch names Jamie

Wer Jamie-Lee sehen möchte, geht zu ihren Konzerten oder ins Springer Wisentgehege. Ins Gehege? Dort ist ein Elchmädchen nach der Sängerin aus dem Springer Stadtteil Bennigsen benannt. Das kommt nicht von ungefähr: Das Tier wurde zwölf Stunden bevor Jamie-Lee Kriewitz ihren Auftritt vor einem Millionenpublikum beim Eurovision Song Contest hatte, geboren.

Mit dem Gehegebesuch muss man sich sputen: Am Mittwoch zieht Jamie-Lee zu einem Privatmann in der Nähe von Bielefeld. Gehegeleiter Thomas Hennig erläutert: „Wir bekommen dafür im Tausch selbst gezüchtete Schwarzstörche.“ Na dann.

Andreas Zimmer

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der HAZ. Du willst auch mitmachen? Dann bewirb dich gerne! mehr

20. Oktober 2017 - ZiSH in Leben

Eine Umhängetasche aus alten Werbebannern oder Hoodies vom Nordstädter Kiez – der Style der hannoverschen Studis ist vielfältig und mitunter kultig. Mitarbeiter der Hannoverschen Werkstätten, einer sozialen Einrichtung für Behinderte, stellen die Taschen her.

mehr