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"Inception"

Experten brechen in unsere Köpfe ein


In Christopher Nolans neuem Film „Inception“ bricht Leonardo DiCaprio in die Träume der Menschen ein. Im Schlaf infiziert Leo sie mit neuen Ideen. Auch abseits der Kinoleinwand werden uns täglich Ideen eingepflanzt. Experten haben ZiSH ihre Tricks auf dem Weg in unsere Köpfe verraten.
In Christopher Nolans neuem Film „Inception“ bricht Leonardo DiCaprio in die Träume der Menschen ein.

In Christopher Nolans neuem Film „Inception“ bricht Leonardo DiCaprio in die Träume der Menschen ein.

© dpa

Die Hypnotiseurin
Die Hypnose ist Leos Vorgehen im Film „Inception“ wohl am ähnlichsten. In Sitzungen auf der Couch wird die Aufmerksamkeit des Patienten, im Gegensatz zum Alltag, auf eine einzige Sache gelenkt. Zum Beispiel auf ein Pendel, wie man es aus Filmen kennt. Den Effekt gibt es offenbar wirklich, Hypnotiseurin Sandra Göbel nennt den Zustand „Trance“. „Das ist ein tiefer Entspannungszustand, in dem das Bewusstsein heruntergefahren wird.“ Dadurch wird ein Zugang zum Unterbewusstsein möglich, erklärt die psychologische Beraterin. Dort, auf der „Festplatte“ des Menschen, können manche negative Ereignisse und Verhaltensweisen bearbeitet werden. „Im Hypnosezustand ist das Unterbewusstsein erhöht aufnahmefähig für die Worte des Therapierenden.“ Einen Unterschied zu manchen Filmen gibt es aber dennoch: Der Patient behält im echten Leben jederzeit die volle Kontrolle, „kein Patient ist in der Hypnose völlig weg“. Göbel ist davon überzeugt, dass die Hypnose ein „natürlicher Zustand ist, der täglich mehrmals eigenständig eintritt“. So sind wir jedes Mal vor dem Einschlafen und Aufwachen in einer Trance-Phase. Auch vor dem Fernsehgerät kann uns die Fixierung des Bildschirms in eine leichte Hypnose bringen. Die Werbung, so viel ist sicher, weiß das genau.

Der Business-Coach
Es ist keine Frage des Alters: Nach Schule oder Feierabend fühlen sich viele Menschen ausgelaugt und kraftlos. Wenn Motivationsprobleme die Überhand im Leben gewinnen, überstrahlen sie alles andere. Business- und Sport-Coach Gabi Pörner kennt einen Ausweg: Der Schlüssel liegt im Kopf.
Der Business-Coach dringt in den Kopf ein, indem er die Sichtweise auf Probleme ändert. Pörners Credo: Wer nur noch seine Probleme sieht, findet keinen Weg, sie zu lösen. Dieser Teufelskreis muss möglichst zielorientiert durchbrochen werden: „Ich bringe den Menschen bei, in Problemen keine Schwierigkeiten zu sehen, sondern erreichbare Ziele.“ Durch die Umdeutung im Kopf werden „natürliche Ressourcen“ der Menschen reaktiviert, das Selbstvertrauen wird gesteigert.
Um das zu erreichen, gibt es spezielle Übungen. Die Psychologin ermuntert ihre Patienten dazu, sich einen schönen Moment aus ihrem Leben vorzustellen. Der eigene Körper wird dabei an einer Stelle mit drei Fingern berührt. So wird die positive Erinnerung an eine motorische Aktion gebunden, die sie später jederzeit wiederholen können. Das Training taugt auch zur Leistungssteigerung. Einfach in schwierigen Momenten mit den drei Fingern die Stelle berühren – und schon ist der Kopf wieder klar.

Der Politiker
Wehende Fähnchen, laute Reden und allgegenwärtige Wahlplakate – so sieht Wahlkampf aus. Eine ausgeklügelte Werbekampagne steht wohl hinter jedem erfolgreichen Kandidaten. Die Aufgabe von Kandidat und Kampagne: Ihre Ideen und Namen müssen in die Köpfe der Menschen hinein.
Der Grünen-Politiker Jan Philipp Albrecht nennt zwei unterschiedliche Wege, die Politiker dazu gewöhnlich gehen können: „So oft es geht einfach Phrasen wiederholen – oder es tatsächlich mit Argumenten versuchen.“ Er selbst verlasse sich selbstverständlich lieber auf die Argumente. „Die Menschen können Politiker erst dann verstehen, wenn sie ihnen die echten Beweggründe und Problemstellungen schildern. Dann hören sie auch bereitwillig zu.“ Dazu gibt es Tricks. Beispielsweise müssten die Botschaften der jeweiligen Klientel angepasst werden. „Ein typischer Arbeitgeber hat natürlich oft andere Bedürfnisse als ein Arbeitnehmer. Wir müssen es durch unsere Vermittlungsarbeit schaffen, beiden Gruppen die gleiche Idee näherzubringen“, erklärt Albrecht. Das ist nicht immer einfach. Damit auch bei weniger geneigten Zuhörern zumindest der Grundgedanke hängen bleibt, versucht es Albrecht mit stetiger Aufklärung: „Das ist natürlich mehr Arbeit. Aber es lohnt sich.“

Der Psychologe
Der direkteste Weg in den Kopf eines Menschen führt durch Haut und Knochen. Medizinern sind längst Operationen am offenen Gehirn möglich, häufig nur mit einer lokalen Anästhesie. Durch die Stimulation bestimmter Hirnareale lassen sich dabei Reaktionen im Kopf der Patienten hervorrufen. Wie Prof. Michael Niedeggen von der Freien Universität Berlin erklärt, können durch Reize am Sprachzentrum ganze Lautfolgen provoziert werden. Durch Stimulation des sogenannten Temporallappens könnten auch das visuelle und das auditive Gedächtnis angesprochen werden und sogar Halluzinationen hervorgerufen werden. Patienten berichteten nach der Behandlung von bekannten Gesichtern, die vor dem inneren Auge auftauchten. Auch bei geschlossenem Schädel können Mediziner uns tief in den Kopf gucken. Durch Techniken wie die Positronen-Emissions-Tomografie kann die Aktivität verschiedener Hirnareale gemessen werden, erklärt der für Allgemeine Psychologie und Neuropsychologie zuständige Niedeggen. Besonders aktiv werden Regionen des Gehirns, wenn Informationen über drohende Gefahren eintreffen. Aber daraus gleich Schlüsse auf einen emotionalen Zustand zu ziehen, ist nicht so einfach. Und einen bestimmten Gedanken kann ein Mediziner auch noch nicht einpflanzen.

Der Werbemann
Seit mehr als 20 Jahren startet die Comic-Serie „Die Simpsons“ immer gleich: Barts Skateboard-Fahrt durch die Stadt und die Melodie machen den Vorspann unverwechselbar und vertraut. Nur der Couch-Gag ist jedes Mal ein anderer. Diese kleine Abwechslung macht den Vorspann auch nach der 460. Folge noch interessant. Die Simpsons sind auf jedem Kontinent bekannt – und auch aufgrund solcher Tricks eine erfolgreiche Marke.
Denn so funktioniert auch die Vermarktung anderer Produkte – egal, ob Essen, Technik oder Zigaretten. „Konsistenz und Wiedererkennung sind wichtig bei guter Werbung“, sagt Alexander Hoyer von der B&B Werbeagentur aus Hannover. „In den Flugzeugen der Singapore Airlines strömt ein spezieller Duft aus den Klimaanlagen, und auch die Flugbegleiterinnen riechen danach. Da passt alles zusammen.“
Durch solche Sinnesreize werden Menschen angesprochen – denn die fünf Sinne sind nicht nur dazu da, um den Menschen vor Gefahren zu schützen. Sie lenken auch das Kaufverhalten. Erkenne ich ein Produkt wieder, weil es gut vermarktet und überall präsent ist, entsteht Vertrauen. Und Vertrautes wird gekauft. Die Sonnencreme, die nach dem letzten Urlaub riecht, kommt in den Einkaufswagen.
mgb/sk/mm/kla

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