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5000 Freunden gefällt das!

Facebook-Gruppe "Enjoy Hannover - International Community" 5000 Freunden gefällt das!

Wer in ein fremdes Land zieht, ist erst einmal auf sich gestellt. Das merkte auch der Italiener Alessandro, als er vor
einem Jahr nach Hannover kam: Über Facebook organisiert er Treffen für Neuankömmlinge – mit großem Erfolg.

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Alessandro Otraviani (Mitte) organisiert mit seinem Team Veranstaltungen für Neu-Hannoveraner aus aller Welt, die neue Freunde finden wollen.

Quelle: privat

Aus der Bar schallt lautes Stimmengewirr und Lachen. Drinnen übertönen Gespräche die leise Lounge-Musik. Überall im Gang und an der Bar im Mister Q am Raschplatz stehen junge Erwachsene, die sich auf Französisch, Englisch und anderen Sprachen unterhalten. Jeden zweiten Donnerstag ist die Bar ein Treffpunkt für Neuankömmlinge aus dem Ausland: Einige sind nach Hannover gekommen, um ein Praktikum zu machen, andere arbeiten hier an ihrer Doktorarbeit. Organisiert werden die Abende von Alessandro Ottaviani und seinem Team. Weil der Italiener selbst keine Probleme haben wollte, als Berufstätiger in Hannover Anschluss zu finden, gründete er vor etwa einem Jahr die Facebook-Gruppe „ Enjoy Hannover – International Community“. Nicht nur Barbesuche organisiert Alessandro: Auf dem Programm stehen auch Wandertouren durch den Harz, Kinobesuche und ein Büfett mit selbst gemachten Gerichten aus der Heimat der „Enjoy Hannover“-Mitglieder.
Auch wenn das Treffen im Mister Q bei Facebook als Tandem-Projekt angekündigt wurde: Mit den Tandems zum Sprachenlernen, wie man sie aus der Uni kennt, hat es wenig zu tun. Zwar soll an jedem Tisch eine andere Sprache gesprochen werden – die meisten unterhalten sich aber ohnehin auf Englisch. Neue Freunde kennenzulernen, ist schließlich einfacher, wenn sich alle verstehen.
Alessandro steht mal an der Bar, mal an den Tischen, um neue Gesichter zu begrüßen. Mit jedem Neuankömmling wechselt er ein paar Worte. Vor einem Jahr zog der 31-Jährige nach Hannover, um hier einen neuen Job zu beginnen. „Ich wollte gern Menschen mit anderen Berufen und aus anderen Ländern kennenlernen“, erklärt Alessandro. So ging es offenbar auch vielen anderen: Seine Facebook-Gruppe hat mittlerweile rund 5000 Mitglieder aus über 50 Ländern.
Am Anfang war jeder von ihnen in der fremden Stadt auf sich selbst gestellt. Wahrscheinlich bleibt deshalb niemand in der Bar lange alleine am Rand stehen – alle gehen sehr offen und locker miteinander um. Jeder sucht hier Anschluss und will neue Freunde finden.

Beim Tandem-Event der Facebook-Gruppe "Enjoy Hannover" wird an jedem Tisch eine andere Sprache gesprochen - hier Spanisch. Foto: privat
Auf einer schwarzen Couch sitzt Mario Rodrigues mit ein paar Spaniern, die er heute zum ersten Mal sieht. Der Typ mit den wuscheligen, dunkelbraunen Haaren weiß, wie es ist, neu zu sein und niemanden zu kennen. Der Portugiese, der in seinem Heimatland Tiermedizin studiert, ist gerade Praktikant an der Tierärztlichen Hochschule. „Zu Beginn habe ich mich ein bisschen einsam in Hannover gefühlt“, sagt der 24-Jährige und schaut auf die Tischplatte. Seine Arbeitskollegen sprechen untereinander nur Deutsch – was Mario noch nicht versteht. Und wenn einer von ihnen ihn mal auf Englisch anspricht, geht es immer nur um den Job.
Durch eine Bekannte entdeckte er die „Enjoy“-Gruppe. Heute ist er zum zweiten Mal dabei. Nicht nur die Temperaturen empfand der Portugiese zuerst als kalt. „Ich lerne jetzt die schönen Seiten der Stadt kennen“, sagt er und lächelt. Ein paar Nummern von Menschen, die er im Mister Q kennengelernt hat, sind schon in seinem Smartphone eingespeichert.
Aus Indien, Spanien und Italien kommen Marios neue Bekannte – von dort kommen die meisten Mitglieder der Facebook-Gruppe. Deutsche hingegen trifft man kaum auf den Veranstaltungen. Das findet Mario schade: „Es wäre dann einfacher, die deutsche Kultur und Sprache kennenzulernen.“ Deshalb ist der Portugiese schließlich hier. Doch Mario kann verstehen, dass kaum Deutsche in der Gruppe sind: „Ich wäre in meiner portugiesischen Heimatstadt Fafe wahrscheinlich auch nicht in so eine Gruppe eingetreten.“
Gruppengründer Alessandro hat durch die Facebook-Gruppe seine besten Freunde kennengelernt – die selbst allerdings alle nicht von hier kommen. Noch vor seinem Umzug nach Hannover kontaktierte er sie in dem sozialen Netzwerk. „Ich habe mich auch persönlich durch die Gruppe weiterentwickelt“, meint der Italiener. Er habe gelernt, offen auf Menschen aus anderen Kulturen zuzugehen. Das hilft ihm auch bei seinem Job: Alessandro ist Maschinenbauingenieur in einem großen Unternehmen.

Im Gegensatz zu Mario und Alessandro hatte der Pakistani Rana Waqas vor seinem Beitritt in die „Enjoy Hannover“-Gruppe bereits Freunde aus der Stadt. Die lernte er in der Uni kennen, wo er Genetik studiert. Trotzdem trat Rana Alessandros Facebook-Gruppe bei. Mittlerweile gehört er nicht nur zum Organisationsteam, sondern auch zu den besten Freunden des Gruppengründers. Für die Organisation der verschiedenen Aktionen hat Alessandro sich ein Team aus neun Verantwortlichen und sechs Helfern zusammengestellt. Obwohl das auch Arbeit bedeutet, hat Rana dabei viel Spaß. Der 25-Jährige mag es, neue Kulturen und Sprachen durch Menschen kennenzulernen – und nicht nur durch Bücher. „Ich verstehe mittlerweile sogar in vielen Sprachen wie Spanisch, Arabisch oder Italienisch einige Wörter“, sagt er, lächelt stolz und blickt in die Runde.
Gegen 23 Uhr leert sich die Bar. Wer allein gekommen ist, zieht nun in einer Gruppe weiter – in eine andere Bar oder einen der Bahnhofsclubs. Der Portugiese Mario dagegen fährt mit dem Fahrrad nach Hause in seine WG. Am nächsten Tag muss er zur Arbeit – wo er die Einheimischen trifft, die er in der Facebook-Gruppe vermisst.

Von Ricarda Deutsch

In Hannover bin ich am liebsten ...

... in den Herrenhäuser Gärten. Am liebsten beim Feuerwerkswettbewerb oder dem Kleinen Fest im Großen Garten. Aber ich bin dort auch gern einfach mal nur zum Spazieren oder gehe mit Freunden im Biergarten etwas trinken.
Sheetal Gangual (28) kommt aus Indien und macht ihren Doktor in Analytischer Chemie.

... im Georgengarten direkt an der Universität. Da ist viel Platz, es ist schön grün und ruhig – perfekt zum Musikhören, Lesen, Schreiben oder einfach zum Entspannen. Aber auch zum Rathaus geh ich gern, wenn ich mal allein relaxen will.

Salah Hamed (30), kommt aus Algerien und ist gerade auf der Suche nach einem Job als Elektroingenieur.

... mit Freunden im The Irish Pub, weil da viele internationale Leute sind und alle Englisch sprechen. Außerdem macht die „Quiz Night“ dort immer viel Spaß – schon deshalb bin ich mindestens einmal im Monat da.

Alessa Silva (28) kommt aus Portugal und macht ihren Doktor in Immunologie.

... in der Bar Strand­leben in Linden. Wenn die Sonne scheint, gehe ich dort mit Freunden was trinken und einfach quatschen. Es ist einfach schön da, weil es am Wasser liegt und alles um einen herum grün ist. Die Atmosphäre ist einfach sehr entspannt.

Razan Jammal (27) aus dem Libanon forscht als Doktorandin zu pädiatrischer Leukämie, also zu Krebserkrankungen bei Kindern.

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