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Das sind Hannovers junge Modemacher

Freaky Fashion Festival Das sind Hannovers junge Modemacher

Ob aus Secondhand-Jeans oder edler Seide: Beim Freaky Fashion Festival präsentierten sich junge Modemacher aus Hannover. Die ZiSH-Autorinnen Johanna Stein und Sophie Leyh stellen sieben talentierte Designer und ihre Kreationen vor.

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Inspiriert von Niki De Saint Phalle: Alisa Schulze und ihre Kollektion "Art Terrorist".

Quelle: Jan Philipp Eberstein

Hannover. Röcke und lange Kleider in Weiß mit Farbakzenten, die wie Blutspritzer aussehen: Das ist die Kollektion „Art Terrorist“ von Alisa Schulze. Auf manchen Teilen prangt sogar eine Zielscheibe. „Mich haben die Schießbilder von Niki De Saint Phalle inspiriert“, erzählt sie. Die 22-Jährige aus Stadthagen hat vor Kurzem ihr Modedesign-Studium an der Fahmoda abgeschlossen. Zum Freaky Fashion Festival hat sie ihre Abschlusskollektion mitgebracht. Mehr als ein halbes Jahr hat es gedauert, die zehn Stücke zu entwerfen und anzufertigen. Dafür hat sie verschiedene Materialien genutzt: Kunstleder, Tüll und Lack. Teil ihres dualen Studiums war auch eine Ausbildung zum Maßschneidergesellen. „Jetzt mache ich noch meinen Meister, und dann will ich mich selbstständig machen“, sagt Alisa. Die großen Roben mit den 3-D-Schnittkonstruktionen sind wenig alltagstauglich, aber auf den Modeschauen des Festivals stechen sie heraus. Die junge Designerin will mit ihrer Arbeit keinen Trends folgen. Deshalb hat sie sich für die Farbe Weiß entschieden. „Die ist zeitlos und elegant“, sagt Alisa - selbst mit Farbspritzern.  jst

32 junge Designer aus Hannover zeigten am Sonnabend ihre neuesten Kollektionen beim "Freaky Fashion Festival" im Musikzentrum. Die unkonventionellen Outfits präsentierten sie bei einer großen Ausstellung und verschiedenen Modeschauen.

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Samuel Acebey

Die erste eigene Kollektion von Samuel Acebey „Swim with mermaids“ soll für die moderne Frau stehen. Der 28-Jährige designt Kleidung, die den Spagat zwischen sportlich-gemütlicher und eleganter Mode schafft. Der Designer mit bolivianischen Wurzeln schloss 2013 sein Studium an der Fahmoda ab. Seitdem baut er sein eigenes Label ACBY auf. Das Potenzial der Modeszene Hannovers hält er für groß, aber förderbedürftig: „Die Stadt muss die Initiativen der Leute mehr unterstützen.“

Samuel hat den Stil großer Häuser wie Prada, Marni, Jil Sander und Raf Simons für Dior verinnerlicht: Seine Kreationen sind farblich größtenteils einfarbig in Grau und Dunkelblau gehalten. Akzente setzen Perlen- und Blütenstickereien. Als Herzstücke präsentiert Samuel ein navyblaues Hemd mit weiß plissiertem Rückenteil, einen kuscheligen Mantel aus gebürsteter, lachsfarbener Baumwolle und ein graues Sweatshirt mit umgeschlagenen Bündchen. So teuer wie die Edelmarken ist ACBY noch nicht – von der Stange sind die Preise des Jung-Designers aber natürlich auch nicht.  ley

Fadime Karadas

Nachdem Designerin Fadime Karadas (im Bild links) die Arbeitsbedingungen der Näherinnen in pakistanischen Fabriken mit eigenen Augen sah, stand für sie fest: Kurzlebige und billig produzierte Mode ist nicht mit ihrem Gewissen zu vereinbaren. Fadime, die türkische Wurzeln hat und in Hannover lebt, setzt stattdessen auf Nachhaltigkeit – inzwischen längst ein wichtiger Trend – und schloss sich einem Künstlerkollektiv an. Ihre Modekreationen basieren auf alten Vintage- und Secondhandteilen: „Man braucht die ganzen neu produzierten Sachen nicht, wenn man alte umgestaltet“, sagt die 38-Jährige. Am liebsten arbeitet Fadime mit klassischem Jeansstoff und exotischen Materialien – zum Beispiel bunten Traditionsstoffen aus Afrika oder perlenbestickten Teilen aus Indien. Das Ergebnis sind extravagante Einzelstücke wie ausgestellte Röcke aus einer ge-steppten Tagesdecke und festem Vorhangstoff.  ley

Sabrina Dortmund

Wer sich von einem sicheren Job im Buchhandel für ein Modedesign-Studium mit unsicherer Zukunft verabschiedet, hat Mut. Sabrina Dortmund (31) wagte genau das – und wurde belohnt: Sie erhielt für ihre Abschlusskollektion 2014 den „Special Recognition“-Sonderpreis der Hochschule Hannover. Nach ersten Nähversuchen für den eigenen Kleiderschrank oder die Hochzeitskleider ihrer Freundinnen entschied sie sich für Unterwäschedesign. Zurzeit macht sie ihren Master in Berlin. Für ihr Label „TightLaced“ fertigt sie maßgeschneiderte Lingerie. Sabrina hält nichts von der Fixierung auf Modelmaße: Sie möchte den Trägerinnen mit den Dessous Mut machen, selbstbewusst aufzutreten. Die aktuelle Kollektion besteht aus 16 komplett schwarzen Teilen: Klassische Bodys, BHs und Höschen aus Mesh und Spitze verziert sie mit Trägern und Bändern im Bondage-Stil.  ley

Vanessa Junge

Aus dem Alltag ausbrechen, die Natur erleben und Zeit für sich selbst haben – das will ich ausdrücken“, sagt Vanessa Junge über ihre Kollektion „Nemophilist“. Ein heller, gehäkelter Netzoverall soll die unregelmäßigen Strukturen der Natur darstellen. Er sei alltagstauglich, beteuert die 24-Jährige – wie alle Teile von „Nemophilist“. „Zweimal habe ich ihn schon für Kundinnen nachproduziert.“ Auch Unterwäsche spielt in Junges Kollektion eine große Rolle. „Das ist die erste Schicht Kleidung, die man morgens anzieht“, sagt die 24-Jährige. „Und wenn die nicht passt, fühlt man sich gleich unwohl.“ Vanessa möchte Mode machen, die nicht nur auf dem Laufsteg etwas hermacht, sondern auch angenehm zu tragen ist. Für ihre Kollektion hat sie daher leichte, fließende Stoffe wie Seide verwendet. Die junge Designerin hat ihr Studium an der M3 vor einem Jahr abgeschlossen. Seitdem arbeitet sie an ihrem eigenen Label „essa de la fleur“.  jst

Clara Siegenthaler

Die Kollektion „memento mori“ von Clara Siegenthaler ist eine Hommage an ihren verstorbenen Vater. Zwölf Outfits hat sie für den Abschluss an der Fahmoda angefertigt. Darunter sind Hochzeitskleider, Marlene-Hosen und Blazer aus tierischer Wolle, Fellen, Seide oder Leder. Das Herzstück ist ein Kleid, das mit Schädeln von Rehkitzen besetzt ist. „Die habe ich aus der Sammlung von meinem Opa, der war Jäger“, erzählt die 24-Jährige, deren eigenes Label „Clara Siegenthaler fashion design & custom tailoring“ heißt. Dass das Kleid nicht alltagstauglich ist, stört sie nicht. „Mode ist in erster Linie Kunst“, meint Clara. Aber auch bei Kunst muss die Qualität stimmen: „Ich habe immer darauf geachtet, dass die Materialien zertifiziert sind“, sagt sie. Das ist auch den Machern des Freaky Fashion Festivals ein Anliegen: „Die meisten Aussteller wissen, wo die Stoffe herkommen“, sagt Christine Preitauer vom KreHtiv-Netzwerk, die das Projekt organisiert hat.  jst

Nathalie Schramm

Wenn die aus Berlin stammende Nathalie Schramm (22) designt, entstehen auch Kunstwerke, die für den Alltag viel zu schade sind. Und auch zu unpraktisch. Die Modedesign- und Maßschneidereistudentin der M3 hat den Blick für Details und ausgefallene Entwürfe, umgesetzt mit ungewöhnlichen Materialien wie perforiertem Polsterleder, Vorhangstoff oder Pappmaschee. In ihren Haute-Couture-Kreationen geht es um uns und unser Verhältnis zur Gesellschaft. Das Thema der jüngsten Kollektion ist Konsum – und wie wir uns durch ihn entfremden. Ausgedrückt wird das durch weiße Masken auf den Kleidern. Das Gesicht der Models wird durch schwarzen Stoff verhüllt. Für ein früheres Projekt fertigte Nathalie Brautkleider aus Herrenhemden, aufwändig gefaltet und geschichtet. Da sie schon für das Musical „Wunder von Bern“ gearbeitet hat, würde sie nach dem Studium auch gerne im Kostümbereich Fuß fassen.  ley

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