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„Die Band ist ein aufwendiges Hobby“

Ich Kann Fliegen aus Hannover im Interview „Die Band ist ein aufwendiges Hobby“

Jede Band träumt davon, von ihrer Musik leben zu können. So auch Ich Kann Fliegen aus Hannover. Mit ihrem Auftritt bei Stefan Raabs "Bundesvisionsongcontest" war die Band schon mal ganz nah dran am großen Durchbruch. Jetzt erscheint ihr zweites Album.

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Am 11. Dezember kommt ihr zweites Album: Ich Kann Fliegen aus Hannover.

Quelle: Ich Kann Fliegen

Hannover. Paul, 2012 seid ihr mit ich Kann Fliegen Dritte bei Stefan Raabs „Bundesvision­songcontest“ („Buvisoco“) geworden. Ihr wart bei einem großen Label und eure Single „Mich kann nur Liebe retten“ schaffte den Sprung in die Charts und ins Radio. Nach der Tournee ist es dann stiller um euch geworden. Warum hat es damals mit dem großen Durchbruch nicht geklappt?
Wenn man das wüsste – mit der Antwort darauf könnte man viel Geld verdienen (lacht). Kann sein, dass die Single nicht genug im Radio lief und so nicht ausreichend Aufmerksamkeit wecken konnte. Die Single war schon massentauglich. Mit unserem raueren und gitarrenlastigen Album sind wir nicht mehr so radiokompatibel.

Für euren „Buvisoco“-Song „Mich kann nur Liebe retten“ habt ihr mit Annette Humpe von Ich & Ich zusammengearbeitet. Was ist das für Gefühl, einen Songwriter vorgesetzt zu bekommen, wo ihr doch vorher alles selbst geschrieben habt?
Das ist schon eine zweischneidige Sache. Erst mal waren wir ein bisschen beleidigt, denn man denkt sich schon: Jetzt haben wir es so weit gebracht und auf einmal soll die Qualität unserer Songs nicht mehr ausreichen? Andererseits war die Ansage damals: Entweder ihr nehmt den Song, oder ihr könnt nicht beim „Buvisoco“ spielen. Wir haben dann in den sauren Apfel gebissen, damit das Album Aufmerksamkeit bekommt und wir eine längere Tour spielen konnten.

Zur Band gehören Sänger Niko Stege (v. l.), Drummer Bill Liederwald, Bassist Niklas Kubitschke und Gitarrist Paul Schüler.

Quelle: Ich Kann Fliegen

Klingt, als ob es mit dem Label nicht so richtig funktioniert hat.
Unser Antrieb war es immer, eine gute Zeit zu haben, Konzerte zu spielen, Leute zu treffen und Bier zu trinken – Urlaub im Bandbus. Dem Label geht es erst einmal ums Geld. Da gab es halt unterschiedliche Ansätze.

War es schwer für euch, nach dieser erfolgreichen Zeit ein paar Schritte zurückzugehen und euch zum Weitermachen zu motivieren?
Wir sind froh, jetzt wieder alles selbst in der Hand zu haben: Wir haben unser eigenes Label gegründet und können wieder machen, was wir wollen. Das ist die schönere Ausgangssituation.

Seht ihr eure Musik inzwischen als Beruf, oder ist die Band für euch ein aufwendiges Hobby?
Bis auf unseren Schlagzeuger Bill, der noch studiert, haben wir alle Jobs und sind abgesichert. Die Band finanziert sich selbst als sehr aufwendiges Hobby.

Das sind Ich Kann Fliegen

Ich Kann Fliegen sind Sänger Niko Stege, Drummer Bill Liederwald, Bassist Niklas Kubitschke und Gitarrist Paul Schüler. Als Schülerband 2006 an der Schillerschule gegründet, wurde die Band schnell beliebt. Und war ziemlich fleißig: Bis 2012 hatten Ich Kann Fliegen bereits 50 Songs geschrieben sowie einen Vertrag bei Universal Music unterschrieben.

Das Debütalbum „Ich Kann Fliegen“ erschien kurz vor ihrem Auftritt beim „Bundesvision Song Contest“ in Berlin, wo die Hannoveraner 2012 mit „Mich kann nur Liebe retten“ für Niedersachsen antraten und überraschend Platz 3 belegten.

Am 11. Dezember erscheint mit „Alles flimmert“ nun das zweite Album, diesmal wird es nicht bei einer großen Plattenfirma, sondern auf dem eigenen Label veröffentlich. Ein Jahr lang zogen sich die Aufnahmen hin. Die Produktion der CDs und LPs wurde vorab komplett per Crowdfunding über die Plattform Startnext finanziert. Fans konnten dort etwa Wohnzimmerkonzerte buchen. Der Sound des neuen Albums ist nicht mehr so schwelgerisch, sondern rauer und ruppiger. Ein echter Neustart also.

Hannah Scheiwe

Mit fast 30 000 Euro haben eure Fans per Crowdfunding das Album erst möglich gemacht. Wie fühlt es sich an, wenn man mit so viel Geld unterstützt wird?
Wir können das nur empfehlen. Eigentlich müsste man so etwas viel öfter machen und sich crowdfunden lassen. Es war schön, dass die Leute, die uns mit der ersten Platte kennengelernt haben, immer noch da sind und bereit, uns zu unterstützen und Geld zu investieren.

Fühlt man sich in der Bringschuld, wenn man so viel Geld vorab bekommt?
Wir sind total dankbar. Wenn man zu Hause sitzt und auf der Klampfe Songs schreibt, denkt man nicht daran, dass sie anderen Menschen später mal etwas bedeuten und auf Hochzeiten gespielt werden. Oder dass Anträge auf der Bühne gemacht werden, während wir spielen.

Als Dankeschön seid ihr mit zwei ­spendablen Unterstützern nach London geflogen. Was habt ihr ihnen gezeigt?
Wir sind durch die Stadt gelaufen – und haben sehr viel Zeit in Pubs verbracht.

Auf „Alles flimmert“ klingt ihr weniger poppig. Die Songs sind schneller und härter. War der Stilwechsel beabsichtigt?
Im Grunde ist das die Musik, die wir schon immer machen – auf dem ersten Album klang es nur eben nicht so, weil diverse Akteure sich für einen poppigeren Sound entschieden haben. Das neue Album ist unverfälscht.

Interview: Manuel Behrens

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