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"Ich bin ein Freund der Liebe"

Interview mit Sängerin Phela "Ich bin ein Freund der Liebe"

Verliebt sich gern - hatte aber auch schon viel Liebeskummer: Sängerin Phela. Im Interview mit ZiSH verrät die 25-Jährige, wie sie mit Liebeskummer umgeht, und was ihr neues Album "Seite 24" damit zu tun hat.

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Singt mit viel Gefühl: Phela.

Quelle: Handout

Phela, die Hauptthemen auf deinem Debütalbum "Seite 24" sind Liebe und Liebeskummer. Was bedeutet Liebe mit 25 Jahren für dich?

Liebe ist für mich etwas sehr Großes, was nicht nur in einer Beziehung Platz findet, sondern auch ein Gefühl ist, das man für jeden Menschen spüren sollte. Liebe heißt für mich einfach eine offene Einstellung, offen auf Menschen zugehen und sich gegenseitig fair begegnen. Ich bin sehr emotional und jemand, der sehr gerne liebt, eine Beziehung hat und sich auch gerne verliebt. Ich bin ein Freund der Liebe.

Hattest du schon oft Liebeskummer?

Das kenne ich seit der Pubertät. Ich bin jemand, der sich immer wieder kopfüber in eine neue Liebe stürzt. Und so soll es sein. Man sollte versuchen, auch wenn man diesen großen Liebeskummer schon erlebt hat, immer wieder auf jemand Neues genauso frei zuzugehen und sich fallen zu lassen. Ich habe natürlich schon öfter Liebeskummer erlebt. Meine Single "Wieder alleine" handelt zum Beispiel von meiner letzten großen Beziehung. Diese Person war eine große Inspiration für mich. Wenn man älter wird, dann werden Beziehungen bedeutender.

Wie gehst du dann mit deinem Liebeskummer um?

Es hilft mir, Songs darüber zu schreiben. Genau in der Zeit meiner letzten großen Trennung habe ich angefangen, mit meinen Produzenten zu arbeiten. Da war es ein großes Glück und eine große Hilfe, dass ich so viel darüber schreiben konnte. Ansonsten hilft es natürlich auch, wenn man einfach Freunde um sich herum hat, die einen ablenken und mit denen man etwas unternehmen kann, um neue Erinnerungen zu schaffen.

Wie stark basiert deine Musik auf persönlichen Erfahrungen?

Bei den meisten meiner Songs ist es so, dass eine Person der Auslöser ist. Ich kann ganz schwer abstrakt schreiben. Alle meine Songs habe ich selbst geschrieben. Manchmal haben mir meine Produzenten gesagt, ich solle doch mal über dieses oder jenes Thema schreiben. Ich bin dann mit fester Absicht nach Hause gegangen, darüber zu schreiben. Aber es fällt mir ganz schwer, wenn ich etwas selber nicht erlebt habe oder nicht drin gesteckt habe, dann darüber zu schreiben. Ich mag Menschen sehr gerne und sie lösen etwas in mir aus, weswegen ich dann über sie schreiben möchte - oder nicht anders kann, als über sie zu schreiben.

Kindheit auf einem bayerischen Bauernhof, Au-pair in Paris, Studium in Hannover und Berlin. Du bist schon viel herumgekommen – wo hast du dich denn am wohlsten gefühlt?

Ich fühle mich eigentlich ganz schnell an jedem Ort wohl, wenn es mir gut geht. Es gibt keinen Ort, an dem ich am liebsten bin. Berlin ist zwar meine Homebase, ich habe hier viele Freunde und mag die Stadt total gerne. Aber ich bin auch gerne woanders! Nach Berlin hat es mich auch wegen der großen künstlerischen Szene gezogen. Es brodelt hier ja an allen Ecken, überall sind kreative Leute. Das hat Hannover auch, nur ein bisschen versteckter. Ich finde, Hannover ist ein wunderbarer Ort, wenn man sich geschützt entdecken und an sich arbeiten will. Das ist ein Nachteil an Berlin: Wenn man sich noch nicht gefunden hat, wie es ja vielen jungen Leuten so geht, dann kann man sich hier ganz stark verlieren. Das kann man, glaube ich, in Hannover nicht so leicht.

Wie blickst du auf deine Zeit hier in Hannover zurück?

Hannover war für mich eine ganz wichtige Zwischenstation. Ich kam gerade aus Parisund habe mich dann spontan dazu entschieden, in Hannover Jazzgeige an der Hochschule für Theater, Künste und Medien zu studieren. Ich war hier drei Semester und habe noch viele Freunde aus dieser Zeit, die ich noch oft sehe. Die Stadt war für mich wie ein geschützter Kokon, sehr familiär, und ich fand es wunderschön. Es ist eine ganz grüne Stadt, ich habe hier im Sommer eine ganz tolle Zeit verbracht und erinnere mich noch oft daran. Ich habe hier viel gelernt, sowohl an derHochschule als auch für mich. Ich war sehr gerne am Maschsee spazieren, ich habe da um die Ecke in Linden Süd gewohnt. Und ich war ganz viel in Linden Mitte unterwegs, weil da ein Großteil meiner Freunde gewohnt hat.

Und wie kamst du dann nach Berlin?

Durch ein Musikvideo, zu dem Song "Lavendel". Ich habe mit ein paar Freunden mein altes Klavier auf die alte Pferderennbahn in Hannover geschleppt, mitten im Winter, im Schneesturm, und da ein kleines Video zu "Lavendel" gedreht. Das habe ich dann auf Youtube gestellt. Die drei Produzenten aus Berlin haben diesen Song zufällig gesehen, dadurch haben wir uns kennengelernt. Die haben gesagt: "Komm doch zu uns ins Studio, lass uns was probieren!" Das war der Grund, warum ich so kurzfristig mein Studium abgebrochen habe und nach Berlin gezogen bin. Es war anfangs noch gar nicht klar, dass das ein Album wird. Wir haben einfach angefangen aufzunehmen und dann wurde es zufällig eins.

Was bedeutet der Titel des Albums, "Seite 24"?

Der Titel ist zusammengesetzt aus zwei Sachen. Mir ist das spontan eingefallen, weil ich 24 war, als ich die ganzen Songs geschrieben habe, also letztes Jahr. Und die Seite, weil es wie ein Kapitel aus meinem Lebensbuch ist. Ich schlage eine Seite auf und dann ist es Seite 24. Ein Jahr aus meinem Leben: Was ist da alles passiert?

Interview: Dora Volke

Was kann das Album?

Das Debütalbum von Phela, das bei Columbia erschienen ist, ist genau wie die 25-jährige Sängerin selbst: ehrlich, gefühlvoll und abseits vom Mainstream. Die deutschen Texte handeln von Liebe, davon, sich fallen zu lassen oder auch vom Fallengelassenwerden. Der ruhige Pop wird begleitet von einer ausdrucksstarken Geige oder auch mal von sanften Klaviertönen. Manchmal klingt es wie Wellenrauschen, besonders wenn Phela singt: "Ich wünsche dir eine Sprache aus Sand und mir ein Meer, das deine Worte wegspült". Im Vordergrund steht aber immer Phelas klare Stimme, der man sofort anmerkt: Diese Musik kommt direkt aus ihrem Herzen.

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