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Hannover mit Instagram-Filter

Fotografie Hannover mit Instagram-Filter

Auf Instagram zeigen Hobbyfotografen Hannover von seinen schönsten und abseitigen Seiten. ZiSH stellt fünf junge Instagrammer vor.  Uns haben sie die Geschichte ihrer Lieblingsfotos erzählt.

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Wenn Hannovers Instagrammer zum Smartphone greifen, dann meist um kleine Kunstwerke zu schießen.

Quelle: privat

"Cooler Mix"

Joshua experimentiert gern mit Perspektiven. „Hannover ist ein cooler Mix aus vielem. An jeder Ecke sieht’s anders aus“, findet der 15-jährige Schüler der Wilhelm-Raabe-Schule. Diese Ecken zeigt er auf Insta­gram. So fährt Joshua am liebsten mit seiner Disney-Mütze auf dem Kopf mit dem Fahrrad durch Linden, auf der Suche nach ungewöhnlichen Motiven.

Hier gibt's Joshuas Lieblingsbilder auf Instagram. Seinen Account findet ihr hier.

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Als er seinen Account 
 @joshiiiiiii 2013 startete, war Instagram vor allem eine Inspirationsquelle für ihn. „Es gibt dort coole Leute, die geniale Fotos machen“, sagt er lächelnd. Überhaupt lacht Joshua viel – etwa wenn er von seinem ersten „Instameet“ in Hannover erzählt, nach dem er auf Instagram so richtig aktiv wurde.

Seit 2014 treffen sich Insta­grammer aus Hannover bei den „Instameets“ und gehen gemeinsam auf Fototour durch die Stadt. Die machen Joshua viel Spaß. Von den anderen Hobbyfotografen der „Leinegang“ könne er viel lernen über Kameratechniken – und wie man einen neuen Blick auf seine Umgebung wirft. Auf einem dieser Treffen ist auch sein Lieblingsfoto entstanden. Es zeigt einen anderen Instagrammer beim Fotografieren der Decke des Lichthofs in der Leibniz-Uni. Das Bild ist eines von Joshuas Blickwinkel-Experimenten. Es zeigt, was er gern macht: besondere Orte und Momente einfangen.

Jaqueline Niewolik

"Der Beton glitzert"

Charlotte Wolf ist begeistert von einem Ort, den viele hässlich finden: dem Ihme-Zentrum. Ihr Lieblingsfoto auf ihrem Instagramprofil @Ihmeblau zeigt deshalb auch den Betonklotz. „Auch wenn das Konzept nicht funktioniert hat – das Ihme-Zentrum prägt das Stadtbild“, sagt die Architektin. Auch mag sie das Ihme-Ufer, weil dort immer etwas los ist. Und zwar nicht nur Kunstprojekte wie das Kurzfilmfestival „Ihme Vision“, bei der das Gebäude als Projektionsfläche diente.

Hier stellt Charlotte ihre Lieblingsfotos vor. Hier geht's zu ihrem Account.

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An lauen Sommerabenden sitzt Charlotte gern auf einer Picknickdecke mit einem Glas Wein am Ufer. „Im Dunkeln glitzert das Ihme-Zentrum“, sagt sie und meint damit die vielen Lichter aus den Wohnungen.
Zu Instagram kam Charlotte über ihren Blog „Ihmeblau“, auf dem sie seit einem knappen Monat darüber schreibt, warum sie Hannover alles andere als langweilig findet. „Ich gehe mit offenen Augen durch die Stadt“, sagt die 28-Jährige auf die Frage, wie sie ihre Motive findet. Jeden Tag postet sie ein Bild auf Instagram – meist mit dem Smartphone fotografiert.

Am liebsten schlendert Charlotte durch die Straßen in der Nordstadt und in Linden. Deshalb ist auch Street-Art auf ihrem Account so präsent. Neben Fotos vom Ihme-Zentrum zeigt Charlotte dort etwa ein Kronkorkenmosaik und Graffiti-Bilder. Denn davon gibt’s nicht nur in Metropolen wie Berlin oder Hamburg eine ganze Menge, sondern auch in Hannover. Charlotte ist überzeugte Hannoveranerin: „Hier ist es schön übersichtlich und familiär.“

Ricarda Deutsch

„Schön abgefuckt!“

André Weißgerber mag es nicht, wenn Bilder so aussehen wie Postkarten. Lieber hat er es „ein bisschen abgefuckt“. Das sieht man seinem Instagram-Account @egon
prczybylsky an. Darauf gibt es fast nur Bilder aus Hannover, aber eben nicht von den beliebten Motiven wie dem Neuen Rathaus. „Ich gehe gern an Orte, von denen ich sonst keine Fotos sehe“, sagt er. Unter dem Hashtag #bonjour_tristesse_series sammelt er beispielsweise Bilder von vergessenen Spielplätzen, auf denen die Geräte verrostet und zugewuchert sind.

Hier zeigt Egon seine Lieblingsfotos, die er regelmäßig bei Instagram veröffentlicht.

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Auf seinem Lieblingsbild steht ein leerer Stuhl verlassen in einer alten Halle, dem Eisenbahn-Ausbesserungswerk in Leinhausen, herum. Durch die Fensterreihe im Hintergrund strömt Licht hinein. Die Bildkomposition strahlt durch ihre Symmetrie Ruhe aus. Filter benutzt der 36-jährige Versicherungsangestellte nur selten, er will die Dinge lieber möglichst so zeigen, wie sie wirklich sind – manchmal auch in Graustufen: Auf seinem Zweit-Account @alter.egon postet er unregelmäßig Schwarz-Weiß-Bilder, die nicht so gut zu seinem bunten anderen Account passen würden. Das geht auch deshalb, weil Instagram seinen Nutzern seit Anfang Februar die Möglichkeit gibt, in der App zwischen verschiedenen Accounts zu wechseln, ohne sich jedes Mal ausloggen zu müssen. 

Ricarda Deutsch

„Pushen, was passiert“

Hannover sollte sich in sozialen Netzwerken besser darstellen – findet zumindest Louis Wagner. Deshalb erstellte der 16-Jährige vor einem Jahr seinen Instagram-Account: Erst nannte er sich @Hannoverofficial, dann @john
sonwgr. Louis findet, dass man sich fotografisch am einfachsten kreativ ausleben kann. „Man muss pushen, was hier passiert“, sagt er. Und meint vor allem: Eishockey mit den Indians am Pferdeturm, aber auch den Maschsee und die Ruhe. „Man lebt mitten in der Stadt, aber abends ist es auf dem Stephansplatz ruhig wie im Dorf“, sagt Louis, der ursprünglich aus Isernhagen kommt, wo er auch zur Schule geht.

Louis zeigt sein Lieblingsfoto. Mehr gibt's auf seinem Account.

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Seinen Account benannte er in 
@johnsonwgr um, weil er sich nicht mehr nur auf Hannover konzentrieren wollte. Die meisten Bilder stammen aber weiterhin von hier – Louis wohnt inzwischen in der Südstadt. Zum Fotografieren ist er oft abends in der Innenstadt – wegen der vielen Lichter. „Ich arbeite viel mit Langzeitbelichtungen, weil so die Farben toll zur Geltung kommen“, sagt er – das geht auch mit dem Smartphone. Beim Fotografieren ist er ambitioniert. Sein Lieblingsbild ist aber mit Glück statt Langzeitbelichtung entstanden: Es zeigt die Silhouette eines Menschen vor einem Brunnen in den Herrenhäuser Gärten. „Der Mann ist zufällig ins Bild gelaufen“, so Louis. Louis lichtet Hannover nicht nur gern im Dunkeln, sondern auch von oben ab. Die Rathauskuppel eignet sich dafür gut. Aber Louis möchte höher hinaus: Sein Traum ist es, Hannover vom Hubschrauber aus zu fotografieren. 

Theresa Kruse

„Versteckt schön“

Darian Liehrs Instagram-Account sieht so aus, als würde er sich viel in schattigen U-Bahn-Stationen rumtreiben. Und tatsächlich: Der 17-Jährige hat eine Schwäche für Bahnstationen. „Die Schnelligkeit der Bahn symbolisiert die Schnelllebigkeit der Stadt“, sagt er. Deshalb hat er im Januar auf seinem Instagram-Account @darian
liehr eine Serie gestartet. Er hat sogar eine Lieblingshaltestelle: die Sedanstraße. Da ist es bunt, schön dunkel und meistens nicht so voll. Sein Lieblingsbild ist aber am Steintor entstanden: Mit einer langen Belichtungszeit lässt er da die grüne Bahn verschwimmen, fast unsichtbar werden. Eine halbe Stunde hat es gedauert bis zum perfekten Schuss.

Darian stellt seine Instagram-Bilder vor.

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Seit acht Monaten ist Darian jetzt bei Instagram. Früher hat er mit seiner Sony-Kamera fast nur die Natur fotografiert, davon gibt es in seiner Heimat Davenstedt, an der Stadtgrenze Hannovers, genug. Auch im Urlaub hat er immer Fotos gemacht.

Erst vor Kurzem hat er Hannover so richtig für sich entdeckt. „Hannover ist versteckt schön“, sagt der Schüler. Man müsse ein bisschen suchen, um ein besonderes Motiv zu finden: Das kann beispielsweise der Bruch zwischen der Altstadt und dem daneben gelegenen futuristischen Nord/LB-Gebäude sein. Oder eben auch eine düstere Bahnstation.

Martin Wiens

Interview: "Handyfotos wirken authentischer"

Theresa Hein folgen mehr als 6400 Menschen auf ihrem Insta­gram-Account 
 @hannoverlife

Theresa, auf deinen Instagram-Account @hannoverlife lädst du täglich neue Smartphone-Bilder. Hast du schon mal darüber nachgedacht, auf eine Spiegelreflexkamera umzusteigen? Nein, mein Account soll authentisch sein, und das ist er nicht, wenn ich jeden Tag eine Spiegelreflexkamera dabeihabe. Mit meinem Handy kann ich jedes auffällige Motiv sofort fotografieren.

Wie kriegt man denn mit einer Smartphone-Kamera gute Bilder hin?
Das Licht muss stimmen, dafür braucht man gar keinen Sonnenschein. Außerdem sollte das Objekt mit seinen Besonderheiten im Fokus stehen. Auch klare Strukturen und Linien finde ich sehr ansprechend.

Benutzt du Apps für die Bearbeitung deiner Bilder?
Ich bin großer Fan der Möglichkeiten, die man bei Instagram hat. Mit etwas Kontrast und Farbe kann man die Bilder oft noch verbessern. Filter benutze ich selten, trotzdem habe ich zwei Lieblinge: Aden und Valencia. Wem das nicht reicht, kann ich die Apps „Afterlight“, „Landcam“ und „Layout“ empfehlen.

Interview: Ricarda Deutsch

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