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„Jugendsprache mit Zucker"“

Autorin Teresa Präauer im Interview zu ihrem Roman Oh Schimmi „Jugendsprache mit Zucker"“

„Americänistisch“ oder „psychological“ sind Schimmis Lieblingswörter. Dass es diese Wörter nicht gibt, ist ihm ziemlich egal. Denn der Protagonist aus Teresa Präauers „Oh Schimmi“ lebt in einer Comicrealität. Am Donnerstag liest die Autorin in Hannover.

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"Oh Schimmi" ist der dritte Roman von Teresa Präauer.

Quelle: Katharina Manoilovic

Teresa Präauer (37) ist Autorin und bildende Künstlerin. In ihrem Roman „Oh Schimmi“ geht es um Teenager Jimmy, genannt „Schimmi“, der seit einem Unfall behindert ist. Er lebt mit seiner Mutter isoliert in einem Hochhaus und erschafft sich dort mit Tierdokus und Sexhotlines eine eigene Welt.

Frau Präauer, im Buch verschwimmt oft Wirklichkeit mit Vorstellung. Was ist echt, was ist Fake, fragt sich nicht nur Schimmi, sondern auch der Leser. In was für einer Dschungelwelt lebt Schimmi?
Ich finde, dass das mit dieser Dschungelwelt zu tun hat, die bei uns auf Badehosen gedruckt ist. So, wie wir uns den Dschungel ausmalen mit all den Wahrheiten und Klischees. Wie in einer Comicwelt, wie bei Tom und Jerry: Die beiden kloppen sich gegenseitig und sterben und dann leben sie wieder. In so einer Realität lebt der Schimmi.

„Oh Schimmi“ liest sich durch die sprachliche Rhythmisierung fast wie eine Komposition. Was für eine Rolle spielt Musik in Ihren Texten?
Es gibt einerseits konkrete Hinweise auf Songs, die diese Affen- und Dschungelmetaphorik eröffnen, zum Beispiel Peter Fox und sein „Stadtaffe“. Andererseits spielt Reimen in der Prosa eine genauso große Rolle wie in der Musik. Es gibt eine lange Tradition in der Literatur bis zum heutigen Hip-Hop. Da entsteht der Inhalt manchmal erst über den Reim oder ein Wort, das im Kontrast zum Wort davor steht. So strukturiert die Sprache den Text. 

Was inspiriert Sie beim Schreiben?
Es ist so viel und nichts wirklich Konkretes. Muhammad Ali ist da nur ein Beispiel: Ein Boxer, der seine Gegner vor dem eigentlichen Kampf durch Reimen mürbe macht. Ich finde das so lustig, die Vorstellung, jemanden durch Reimen mürbe zu mache. Das versucht der Schimmi auch in meinem Text.

Teresa Präauer in Hannover

Am Donnerstag, 17. November, liest die Wienerin im Rahmen der LiteraTour Nord im Literaturhaus, Sophienstraße 2. Los geht’s um 19.30 Uhr, die Karten kosten 10 Euro, ermäßigt 6 Euro.

Schimmi verwendet viele Jugendwörter. Ist seine Sprache nah an der Zeit oder einfach ironisch überspitzt?
Beides. Es ist ironisch und affirmativ gleichzeitig. Das hat ganz viel damit zu tun, was ich mir reinziehe, das beeinflusst die Sprache. Der Schimmi baut gestelzte Begriffe genauso ein wie Jugendwörter. Alles, was an Sprachmaterial vorhanden ist, will er in sich aufnehmen.

Auf der Jugendwort-Liste gibt es die Bezeichnung „Uhrensohn“, also jemand, der sich zur falschen Zeit wie ein Idiot benimmt. Mich erinnert das an Schimmi.
Ja, das würde sehr gut zu ihm passen! Ich freue mich über Dinge, die man ihm andichtet, die nicht ich ihm schon angedichtet habe. Wenn sie selbst vom Affen gelaust werden und den Schimmi weiterdichten, das finde ich super.

Hatten Sie Befürchtungen, dass Jugendliche über Ihr Buch sagen „So sprechen wir doch gar nicht“?
Nein. Ich glaube, dass klar ist, dass der Schimmi so was ist wie eine Kunstfigur. Ich habe den Text aus meinem eigenen Rezipieren entwickelt. Alle Worte, die darin vorkommen, benutze ich auch. Vielleicht habe ich ein wenig mehr Zucker hinzugefügt, bei Photoshop die Farben stärker aufgedreht und die Kontraste erhöht.

Große Gesten und ein übersteigertes Geltungsbedürfnis – Schimmi erinnert etwas an Donald Trump. Oder?
Ja, wahrscheinlich hat der Schimmi sich von jedem Angeber und Hochstapler was geborgt. Wie Trump kann er sich die Welt „greater“ reden, als sie vielleicht ist. Beide versuchen, durch verbale Attacken ihr Umfeld zu dominieren. Und: Beide haben ein Frisurproblem.

Interview: Kira von der Brelie

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