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Treffen der Reimemonster

Ferris MC und Weekend im Interview Treffen der Reimemonster

Beim Hangover-Jam in Hannover spielen am Sonnabend deutsche Rapper der ersten Stunde und Newcomer.
 ZiSH hat mit Ferris MC und Weekend über Glaubwürdigkeit und Vorbilder im deutschen Hip-Hop gesprochen.

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Diese Rapper 
trennen 13 Jahre Altersunterschied: 
Weekend (links) und Ferris MC. Beide spielen am 
Sonnabend auf dem 
Hangover Jam.

Quelle: Montage

Hannover. Ferris, als du Anfang der Neunzigerjahre angefangen hast und mit anderen Künstlern Sampler wie „Die Klasse von 95“ rausgebracht hast, war deutscher Rap noch nicht Mainstream. Wann wurde dir klar, dass Hip-Hop massentauglich ist?
Als „Die Klasse von 95“ kam, waren Fettes Brot mit „Nordisch by Nature“ erfolgreich. Das war ein guter Aufhänger. Da wurde der Underground mit dem Mainstream verbunden. Für mich war klar, das ich nicht wie Fanta 4, Fettes Brot oder Dritte Generation sein konnte. Dafür war mein Background zu verschieden. Rap war die Sprache der Straße, von Menschen die chancenlos sind – und trotzdem was erreichen wollen. Ich habe mich immer ans Außenseitertum gehalten und nie Radiomusik gemacht. Ich wusste nicht, wie das funktioniert. Mit Deichkind bin ich natürlich Mainstream.

Ist Hip-Hop inzwischen zu kommerziell?
Die Szene um den Straßenrap ist seit einigen Jahren kommerzieller, als sie eigentlich sein möchte. Bei Bushido, Farid Bang oder Kollegah ist es schon kommerziell, wenn man das Wort „Hurensohn“ benutzt. Die wissen, welche Zielgruppe sie damit erreichen – und das ist der große Markt: die Jugendlichen von zwölf bis 18. Bushido rappt über Sachen, die gar nicht mehr seinem Alter entsprechen. Er geht da eher zehn Jahre zurück, um sich jugendlich zu verkaufen. Rapper, die heute angesagt sind, haben mit der eigentlichen Attitüde nichts mehr zu tun.

Chuck D. von Public Enemy hat Hip-Hop als das „CNN der Schwarzen“ bezeichnet. Was ist dann deutscher Rap?
Gute Frage. Im Grunde genommen hat der deutsche Rap das eiskalt kopiert. Natürlich kann man in Deutschland die Geschichte der Schwarzen, der Sklaverei und der Ungerechtigkeit nicht so widerspiegeln. In Deutschland ist Rap zumindest ein Sprachrohr für Menschen aus Problembezirken. So ist für mich auch der deutsche Hip-Hop entstanden – und kommt dem US-Original wohl am Nächsten. Und die passenden Aussagen kommen von Menschen, die das, was sie rappen, auch wirklich durchlebt haben. Das spürt man.

Was waren die wichtigsten Veränderungen im Rap in den letzten Jahren?
Auf jeden Fall die Digitalisierung mit Youtube und Facebook, die Künstlern eine viele größere Plattform geben. Jeder hat die Chance, etwas aus sich zu machen. In dieser schnelllebigen Zeit sind allerdings die Klassiker abhandengekommen: Songs, die man bis heute im Club auflegt und immer wieder hört. Was früher jahrelang in war, wird heute in ein paar Wochen wegkonsumiert. Das fehlt.

Was kannst du von jungen Rapern lernen?
Da spreche ich jetzt von Marteria und Casper: Die beiden haben Themen auf ein anderes Level gebracht. Da geht es nicht um Rapskills, sondern um Inhalt und den Song. Auch wenn ich eher zur ersten Generation gehöre, sehe ich mich als Songwriter. Da sehe ich, inwiefern ich noch mithalten kann. So viel Battlegedanke muss sein.

Nachdem du lange mit Deichkind unterwegs warst, hast du jetzt ein neues Soloalbum veröffentlicht. Stört es dich, dass du für viele der Typ von Deichkind bist?
Nö, ich bin gern bei Deichkind. Solo ist es anders, weil ich viele alte Tracks spiele, allerdings mit Band aufgepeppt. Da geht es härter zu als bei Casper.

Interview: Manuel Behrens

Mit ZiSH zum Hangover-Jam

Seine ersten Schritte im Hip-Hop machte Samy Deluxe alias Samy Sorge Ende der Neunzigerjahre. Dabei war der 37-jährige Hamburger stets umtriebig, vielseitig und erfolgreich unterwegs: Seine Alben landeten stets in den Top 5 der Charts, „Schwarz und Weiß“ von 2011 sogar auf dem ersten Platz. 2005 trat er für Hamburg beim Eurovision Song Contest an. Am Sonnabend ist er einer von zehn Rappern, die bei der ersten Ausgabe des Hangover-Jams auftreten.

Durch Kampagnen wie Gemeinsam gegen Aids zeigte Samy sein soziales Engagement. Mit seinem Kollegen Afrob verbindet ihn eine besondere Freundschaft: Nach zwölf Jahren veröffentlichen sie unter dem Namen ASD am 3. Juli ihr zweites Album „Blockbasta“. Die Karriere von Weekend hat hingegen gerade erst begonnen: Sein zweites Album „Für immer Wochenende“ landete auf Chartplatz eins.
Das Hip-Hop-Festival ist ein Treffen der Generationen: Neben Ferris MC, Afrob und Megaloh treten Newcomer wie 
Johnny Rakete auf. Moderiert wird das Festival vom Hannoveraner Spax.
Beginn ist am Sonnabend um 14.15 Uhr an der Gildeparkbühne. Tickets kosten an der Abendkasse 40 Euro.

Tim Fritsche

Hangover-Jam: Sonnabend, 14.15 Uhr 
Tickets gibt es für 38,75 Euro im Vorverkauf, etwa in den HAZ-Ticketshops. Online gibt es sie unter tickets.haz.de. 
 Gildeparkbühne, 
Ferdinand-Wilhelm-Fricke-Weg 8

Weekend, du kommst aus Gelsenkirchen. Keine große Metropole wie Berlin oder Frankfurt. Wie wichtig ist es in der deutschen Hip-Hop-Szene, wo man herkommt?
Ich glaube, dass das heute keine große Rolle mehr spielt. Es war ja früher so, dass Rapper in erster Linie für ihre Gegend und Stadt standen. Heute geht es mehr um die Musik oder den Typen. Ich finde es sogar anstrengend, wenn Leute sich immer auf die Fahne schreiben, wo sie herkommen. Ich mag Gelsenkirchen megagern, aber es gibt auch andere schöne Städte und ich möchte mich da nicht über jemand anderen erheben.Warum sollte ich zum Beispiel sagen, dass Gelsenkirchen cooler ist als Hannover?

Wo kommen denn deine musikalischen Vorbilder her?
Das ist voll verschieden. Ich habe Phasen in meiner Jugend gehabt, da habe ich viel Ami-Rap gehört. Eingestiegen bin ich bei Kool Savas über Creutzfeld & Jakob. Ich höre ja seit 15 Jahren Hip-Hop. Wahrscheinlich hat alles, was ich mal gehört habe, mich irgendwie beeinflusst.

Was war deine allererste Deutschrap-Platte?
Das war tatsächlich Creutzfeld & Jakob, „Gottes Werk und Creutzfelds Beitrag“.

Bevor du dich entschieden hast, nur noch Rapper zu sein, hast du als Sozialarbeiter im Jugendamt gearbeitet. Stört dich das, wenn Jugendliche hören, dass du auch mal übers Saufen oder Rauchen rappst?
Nein. Ich mache alles mit einem riesengroßen Augenzwinkern und es gibt auch immer versteckt ein bisschen Kritik an Dingen. Ich bin auch nur ein Mensch. Ich nehme keine Drogen, aber ich bin auch nicht militant dagegen.

Hat dich denn deine Arbeit beim Jugendamt in deinen Themen beeinflusst?
Wahrscheinlich schon. Ich habe letztens was geschrieben, was total in so eine Richtung geht. Da geht es darum, wie es bei sozial benachteiligten Menschen zu bestimmten Dingen kommt. Mehr kann ich nicht verraten.

Siehst du dich denn als Studentenrapper?
Nö. Ich finde Studentenrapper klingt so megabrav und bisslos und politisch. Das sind alles Sachen, die hoffentlich nicht auf mich zutreffen. Ich glaube, es gibt oft das Bild im Kopf: „Er ist blond, er macht keinen Straßenrap, wir brauchen eine andere Kiste dafür und nennen es Studentenrap.“

Welche deutschen Rapper, die schon länger dabei sind, findest du denn gut?
Lakmann von Creutzfeld & Jakob ist nach wie vor ein Wahnsinnsrapper. Der ist eigentlich viel besser als damals. Der rappt inzwischen einfach strukturierter. Früher hat er einen völlig verrückten Rapstil gehabt und inzwischen rappt er unfassbar krass technisch. Ich finde, auch Megaloh hat eine Wahnsinnsstimme, sagt gute Dinge und hat ein gutes Beatpicking.

Was denkst du, wenn du alte Hip-Hop-Songs wie „Die Da?!“ von den Fantastischen Vier im Radio hörst?
Ich finde, man muss auch immer sehen, in welcher Zeit das entstanden ist. Das ist vom Stil und der Technik her natürlich krass überholt. Aber in der Zeit war es sicherlich sehr gut.

Also hat sich der deutsche Hip-Hop seit den Neunzigerjahren sehr verändert?
Ja, natürlich. Ganz blöd gesagt: Wenn ich mit meinen technischen Fähigkeiten 1995 gerappt hätte, wäre ich richtig krass gewesen. Aber heute gibt es unfassbar viele Menschen, die genauso krass sind, und ich kann das auch nur, weil ich auf Leuten aufbaue, die vorher so etwas gemacht haben.

Jan Böhmermann hat vor Kurzem im „Neo Magazin Royale“ mit deinem Kollegen Dendemann eine „History of German Rap“ gesungen. Versatzstücke aus wegweisenden deutschen Rapsongs. Würdest du dich selbst in einer „History of German Rap“ sehen?
Das möchte ich gar nicht beurteilen. Ich glaube schon, dass ich seit 2011 Bestandteil eines bestimmten Subgenres bin. Aber man muss in fünf Jahren mit mehr Abstand sehen, ob das jetzt eine Relevanz für den deutschen Rap hatte oder nicht.

Interview: Hannah Scheiwe

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