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Gebt uns Arbeit!

Jugendarbeitslosigkeit in Europa Gebt uns Arbeit!

Viele junge Europäer haben Angst, keinen Job zu finden. In Deutschland stehen die Chancen gut, Spanier und Griechen dagegen haben kaum Hoffnung, in ihrer Heimat Arbeit zu finden. 
Drei Jugendliche aus den Ländern mit der höchsten Arbeitslosigkeit erzählen von der verzweifelten Suche nach einem Job.

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In einigen Staaten in der EU hat mehr als jeder zweite junge Mensch keinen festen Job.

Quelle: Schaarschmidt

Kein Angebot oder viel Arbeit für wenig Geld

Giorgos Dalakouras (23) aus Griechenland sucht in Deutschland Arbeit.

Seit seinem Abschluss sind zwar erst ein paar Monate vergangen, doch viel Hoffnung, schnell einen Arbeitsplatz zu finden, hat Giorgos Dalakouras nicht. Denn er lebt in Griechenland, wo mehr als jeder zweite junge Mensch arbeitslos ist. So viele sind es in fast keinem anderen europäischen Land.
Giorgos ist 23 Jahre alt, hat in Thessaloniki Business Administration studiert und hat seit vier Monaten seinen Bachelorabschluss. Doch das hilft ihm nur wenig. Auch die meisten seiner Freunde stehen ohne Anstellung da. Und die, die einen Job ergattert haben, müssen dafür viele Opfer bringen. Giorgos erzählt von ein paar Bekannten, die für ihre Vollzeitjobs täglich bis zu zwölf Stunden arbeiten und dafür nur etwa 450 Euro bekommen – das Gleiche verdient ein Minijobber in Deutschland.
Nach seinem Studienabschluss ist Giorgos wieder in seine Heimatstadt Larisa gezogen, rund 150 Kilometer von Thessaloniki entfernt. Die Stadt ist auch nur etwa halb so groß. Hier sind die Möglichkeiten noch geringer.
Um seine Chancen auf eine Festanstellung zu verbessern, hat Giorgos während seines Studiums am Erasmusprogramm teilgenommen. Ein Semester hat er an der Leibniz Universität in Hannover verbracht. Das hat ihm sehr gefallen. Zu einigen Kommilitonen hat er noch Kontakt. Deshalb hat er sich jetzt auch auf Stellen in Deutschland und Österreich beworben – bisher aber ohne Erfolg. Am liebsten würde er im Bereich Management, Logistik oder Personalwirtschaft arbeiten.
Giorgos ist durch seine Situation zwar verunsichert und ein bisschen ratlos, doch wirklich entmutigen lässt er sich nicht. „Ich habe kaum Angst vor der Zukunft. Ich muss nur irgendwas anfangen und hoffen, dass es dann wieder leichter wird.“
Im nächsten Jahr möchte er sich auf einen Masterplatz für Business Administration oder Human Resources bewerben. Aber nicht in Griechenland, sondern in den Niederlanden oder Deutschland. Bis dahin hofft er, irgendwo als Praktikant arbeiten zu können.

Sophie Leyh

Ein schlechter Job ist besser als keiner

Delia Doda Florian (28) aus Italien ist froh, eine Stelle gefunden zu haben.

Nach zwei Jahren auf Jobsuche und Hunderten von Bewerbungsschreiben hat Delia Doda Florian endlich Arbeit gefunden: Im Telemarketing einer großen Firma. Der Job ist weder gut bezahlt noch ist er das, wofür die junge Italienerin sich interessiert und ausgebildet wurde. Doch die Lage auf dem Jobmarkt ist in ihrem Land so schlecht, dass Delia froh ist, endlich überhaupt eine feste Stelle zu haben.
Delia ist 28 Jahre alt, lebt in Venedig und möchte dolmetschen oder im Tourismus arbeiten. Oder als Lehrerin, aber diesen Gedanken verwirft sie sofort. Keine Chance bei den langen Bewerberlisten! Fünf Jahre hat Delia Dolmetschen studiert, sie spricht vier Sprachen fließend: Italienisch, Englisch, Französisch und Russisch. Eigentlich gute Voraussetzungen. Doch in Italien, wo zwei von drei jungen Leuten keine Arbeit haben, ist das schwer.
Nach ihrem Studium hat Delia erst nur einen Job als Babysitterin gefunden. Viel Geld bekam sie dadurch nicht. Also ging sie ins Ausland und machte ein Praktikum als Übersetzerin in Paris. Für immer im Ausland zu bleiben, das kann sie sich aber nicht vorstellen. „Ich liebe mein Land und ich möchte hier arbeiten, um die italienische Wirtschaft voranzubringen.“ Außerdem spielt die Liebe eine Rolle – ihr Freund hat in Italien eine feste Stelle bekommen. Also kam Delia nach einem Jahr in Frankreich wieder zurück und suchte weiter.
Bei ihren Bewerbungsgesprächen hat sie viele Absagegründe zu hören bekommen: „Sie haben keine Erfahrung“, „Sie sind überqualifiziert“ oder ganz schlicht „Wir stellen niemanden ein. Die Krise.“
Nun hat sie den Job im Telemarketing gefunden, aber glücklich ist sie nicht. „Die Arbeit interessiert mich nicht, im Gegenteil. Ich habe nicht fünf Jahre studiert und viel Geld ausgegeben, um am Telefon Dinge zu verkaufen“.
Aber der Vertrag scheint ausnahmsweise fair zu sein. Und sie ist dankbar, überhaupt etwas gefunden zu haben. In einem großen Unternehmen ergeben sich vielleicht noch andere Möglichkeiten. Jedenfalls hofft Delia das.

Dora Volke

Eine Chance in Deutschland

Jon Alvarez (21) aus Spanien ist froh, jetzt eine Perspektive zu haben.

Es ist sein erstes Handballtraining im Dorfverein Ottenheim bei Freiburg. Sein Trainer fragt ihn nach seinem Namen – „Jon“. „Nein. Du heißt Carlos. Alle Spanier heißen Carlos!“. Seit einem Jahr lebt Jon Alvarez in Deutschland, denn hier hat er etwas bekommen, was in seiner Heimat hart umkämpft ist: einen Job. Die deutsche Kultur kommt ihm manchmal etwas merkwürdig vor, doch das ist ein kleiner Preis für die Aussicht, als junger Spanier nicht arbeitslos zu sein.
Jon ist 21 Jahre alt, kommt aus Pamplona und hat in Spanien bereits eine Ausbildung zum Elektriker absolviert. Dann kam das Angebot aus Deutschland: Die Firma Herrenknecht bot sieben Spaniern die Möglichkeit, sich zum Industriemechaniker ausbilden zu lassen. Obwohl Jon gerade erst mit seiner Ausbildung fertig war, zögerte er nicht, nach Deutschland zu kommen. Er kennt viele junge Leute in Spanien, die nach der Ausbildung oder dem Studium jahrelang arbeitslos sind und auf ihre unzähligen Bewerbungen oft keine Antwort bekommen. Dieses Risiko wollte Jon nicht eingehen.
Anfangs war er nervös und hatte Angst vor dem fremden Land. „An meinem ersten Tag in Deutschland war ich ganz schön schüchtern. Ich saß mit meiner Gastfamilie beim Mittagessen und verstand kein einziges Wort. Ich fragte mich: Mama, wo bin ich hier gelandet?“. Die Firma, bei der Jon und seine sechs zwischen 19 und 28 Jahre alten Kollegen nun arbeiten, wird von einem Sonderprogramm der Arbeitsagentur und des Bundessozialministeriums gefördert. Dahinter steckt ein simpler Plan: Nach der Ausbildung sollen die Spanier vom Unternehmen übernommen und in spanischsprachigen Ländern eingesetzt werden.
Jon glaubt, er habe mit diesem Angebot großes Glück gehabt. Er hat sich mittlerweile in Deutschland eingelebt, hat Freunde gefunden und fühlt sich in seiner Gastfamilie wohl. Zurück nach Spanien möchte er deshalb erst mal nicht.

Dora Volke

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