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Hauptsache, fertig werden

Lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten Hauptsache, fertig werden

Semesterferien? Von wegen, denn für viele Studenten beginnt bald die stressige Prüfungsphase. Bei der „langen Nacht der Hausarbeiten“ gibt es Hilfe für Studis, die auf den letzten Drücker lernen. Und ZiSH hat 6 Tipps vom Experten für euch, wie ihr endlich mit eurer Hausarbeit anfangt.

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Bei der „langen Nacht“ bieten Tobias Gärtner, Abraham Brown, Jasmin Farsi und Anja Poloubotko vom Fachsprachenzentrum eine Schreibberatung an.

Quelle: Wallmüller

Hannover. Kaffee muss her. Dringend. Riesiges Getümmel herrscht am Kaffeestand im Erdgeschoss der Bibliothek. Im Eilverfahren gehen hier heiße Becher über die Theke. Der Wachmacher landet direkt in den Mündern der müden Studis.

Es ist mal wieder „lange Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten“, in der Technischen Informationsbibliothek (TIB) der Leibniz-Uni. Schon der Name der Veranstaltung schreit nach Koffein. Wo sonst penibel darauf geachtet wird, dass alle still sind, dürfen die Studenten heute von Vortragsreihen zu Beratungsstellen wuseln. Am ruhigsten geht es noch in den Yogakursen zu.

Die „lange Nacht“ ist ein Angebot für Studis, um endlich voranzukommen: Mit der Hausarbeit, dem Essay oder um einfach für die nächste Klausur zu lernen. Schließlich kommt man in der arbeitsreichsten Uni-Zeit stets auf die verrücktesten Ideen: Frühjahrsputz im WG-Zimmer, freiwillig das Geschirr der Mitbewohner abwaschen, das Treppenhaus wischen und so weiter und sofort. Sobald die eigentlichen Pflichten Bauchschmerzen bereiten, lenkt man sich gerne ab.

Von 17 bis 24 Uhr ist die Universität deswegen an diesem Donnerstagabend geöffnet. Experten geben Tipps zum Planen und Schreiben von Hausarbeiten und zur persönlichen Beratung bei Aufschieberitis und Stressbewältigung. Hier gibt es Vorträge zum Formulieren wissenschaftlicher Texte, zu Arbeitsschritten bei der Textproduktion und zur Struktur von Hausarbeiten.

So geht’s: Hausarbeiten ohne Stress

Martin Paulick arbeitet in der Psychologisch-Therapeutischen Beratung der Leibniz-Universität Hannover.

„Eigne dir eine Jobmentalität an“, erklärt Martin Paulick, Sozialwissenschaftler und Berater in der Psychologisch-Therapeutischen Beratung der Uni Hannover, den wichtigsten Schritt in Richtung stressfreies Hausarbeiten-Schreiben und Lernen. Denn regelmäßiges Abarbeiten von Uni-Kram setze – nach getaner Arbeit – länger anhaltende Glückshormone frei als die kurze Euphorie nach einer geschafften Klausur durch Bulimie-Lernen. Paulick gibt sechs Tipps, wie man dorthin kommt:

Klare Arbeitszeiten: Um Arbeits-Routine im Studium zu bekommen, sollte man regelmäßig zur selben Zeit anfangen zu arbeiten – am besten nicht zu lang nach dem Aufstehen. Auch der Feierabend muss feststehen – auch wenn es mal nicht so gut läuft. Verdaddelte Stunden bis in die Nacht nachzuholen bringt nichts.

Arbeitsort ohne Ablenkung: Nicht ohne Grund arbeiten die meisten Menschen in Büros – zu Hause winkt meist zu viel Ablenkung. Außerdem verschwimmen dort Arbeits- und Freizeit. In der Bib ist man fern von TV, Spülmaschine und Co. – und ganz nebenbei kann allein schon der Anblick anderer lernender Menschen motivieren.

Pausen machen: Fast wie in der Schule empfiehlt Paulick, alle 45 Minuten fünf bis zehn Minuten Pause zu machen – und sich dabei bewusst anders zu beschäftigen, indem man spazieren geht, auf dem 
Smartphone daddelt (das sonst in der Arbeitszeit tabu ist) oder sich mit anderen austauscht.

Freizeit planen: Nicht nur die Arbeit will geplant sein, sondern auch der Feierabend. „Im Idealfall wäre je ein Drittel des Tages mit Arbeit, Freizeit und Schlaf belegt“, sagt Paulick. Wer nur arbeite und im Anschluss direkt ins Bett falle, könne am nächsten Tag wieder schlechter starten, der Körper sei erschöpfter.

Realistisch sein: Eine ganze Hausarbeit schafft man nicht an einem Tag – deshalb sollte man sich machbare Teilziele setzen. „Perfektionismus ist oft der Grund für Prokrastination“, so Paulick. Wer zu viel erreichen will, kann nur enttäuscht werden – und macht dann lieber gar nichts.

Anderen vom eigenen Vorhaben erzählen: Auch wenn niemand einen bestraft, wenn man seine Ziele dann doch nicht erreicht – wer anderen von seinen Plänen erzählt, ist oft motivierter, sie dann auch einzuhalten. Schließlich könnte ja jemand nachfragen, wie es gelaufen ist.

Hannah Scheiwe

Während der Hektik im Foyer stärken sich Svenja und Stella zwei Stockwerke höher an der Vitaminbar. Nachdem die beiden Studentinnen an einer Führung durch das Archiv der Bibliothek teilgenommen und sich Tipps zur Recherche von wissenschaftlichen Quellen geholt haben, wollen sie erst einmal entspannen.

Hier kriegen die beiden kaum etwas mit von der Konzentration, die in den anderen Teilen der Bibliothek herrscht. Abseits der grübelnden Köpfe wurde hier eine Oase zur Entspannung eingerichtet: rote Ohrensesseln, auf Leinwände projizierte Schwarz-Weiß-Filme über Bienenkolonien oder Dampfschiffe. Für die akustische Tiefenentspannung sorgen außerdem Spotify-Playlisten mit Titeln wie „Blende alles um dich herum aus“. Schnarch.

Die beiden setzen sich in zwei der gepolsterten Drehstühle und lehnen sich zurück. Svenja studiert Angewandte Psychologie – bald beginnt ihre Prüfungsphase. Stella studiert Bildungswissenschaften und schiebt ihre Masterarbeit jedoch schon viel zu lange vor sich her, sagt sie. Ein Problem, das viele Studenten kennen, bei Beratungsstellen wie der psychologisch-therapeutischen Beratung der Leibniz-Uni Hilfe suchen.

Zum Schreiben sind Svenja und Stella zwar nicht zur „langen Nacht“ gekommen, dafür haben sie sich von den Vorträgen und Tipps „inspirieren lassen“. Für die beiden war der Abend auch ein Ansporn, endlich mit der Masterarbeit und den Prüfungsvorbereitungen anzufangen.

Geraldine dagegen hat noch immer Druck. Das Essay der Politik-Studentin muss über das Wochenende fertig werden. Im Gegensatz zu Svenja und Stella ist die 23-Jährige hier um zu schreiben. Deswegen bleibt sie heute bis zum Schluss und macht zwischendurch nur kurze Teepausen. Hauptsache, fertig werden! Erst um Mitternacht verlässt sie die Bibliothek – ihr Essay ist dann allerdings fast fertig. „So eine Veranstaltung sollte man ausnutzen“, meint Geraldine. „Und gleichzeitig hat man das gute Gefühl, etwas geschafft zu haben.“

Kurze Pause: Geraldine (l.) muss dringend noch ein Essay zu Ende schreiben.

Doch es sind nur wenige, die wie Geraldine, Stella oder Svenja das umfangreiche Angebot nutzen. An den Beratungsständen und bei den Vorträgen ist nur ein kleiner, harter Kern von Studenten. Selbst viele der Studenten, die ohnehin regelmäßig in der Bibliothek lernen, haben erst vor Ort von der „langen Nacht“ erfahren. Und so herrscht der meiste Betrieb an diesem Abend am Kaffeestand. Schließlich gibt es den Wachmacher hier kostenlos.

Julie Saller

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