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Beim Barte des Proleten

YouTube-hit „30 Grad“: MC Fitti im Interview Beim Barte des Proleten

Sein YouTube-Hit „30 Grad“ machte MC Fitti zum Internetphänomen. Das Gesicht mit dem Zottelbart und dem Dauergrinsen ist längst zu seinem Markenzeichen geworden. ZiSH-Autor Manuel Behrens hat sich mit ihm über sein Debütalbum, Ballermannauftritte und schlechte Laune unterhalten.

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„Vielleicht mache ich beim nächsten Album extra alles ohne Thema.“ Will sich nicht festlegen: MC Fitti.

Quelle: handout

Hannover. Wie MC Fitti wirklich heißt oder wie alt er ist, verrät der Wahlberliner nicht. Auch wie er aussieht, weiß keiner so wirklich. Es scheint als verstecke sich der Rapper hinter seinem Markenzeichen – dem langen, roten Vollbart, der scheinbar festgeklebten Sonnenbrille und dem Cap.
Dafür ist seine Geschichte kein Geheimnis. In Gifhorn geboren, ging MC Fitti gleich nach der Schule als Kulissenbauer nach Berlin, arbeitete dort für Fernseh- und Filmproduktionen wie „Das Leben der Anderen“, bis er vor einem Jahr mit seinem YouTube-Hit „30 Grad“ durchstartete.

In dem Song besingt er bunt, schrill und ganz schön durchgeknallt das leichte Leben. Das dazugehörige Video machte sein Gesicht zum Markenzeichen. Eingefügt in eine „Miami Vice“-Szenerie, grinste und rappte es in die Kamera. Seitdem ist er seinem Stil treu geblieben. Ohne eine Riesenportion gute Laune scheint es MC Fitti nicht zu machen, und ohne seine markante Verkleidung schon gar nicht. Die ist mittlerweile so verbreitet, dass Sticker von Fittis Gesicht über Köpfe auf Straßenschildern und Plakaten geklebt werden. Wie bei einem Internet-Meme kommt man auch in Hannover inzwischen nur schwer um das Grinsegesicht an Straßenlaternen und Bushaltestellen herum.

Doch die zunehmende Popularität spannt wohl auch sehr ein. Für das Interview blieben am Ende dann doch nur 15 Minuten Zeit. Nicht alle Fragen wurden nachträglich beantwortet – wohl auch, um nicht allzu viel von dem Menschen hinter dem Bart preiszugeben.
 

Dein zotteliger Bart ist eines deiner Markenzeichen. Fragt deine Mutter dich manchmal: „Wann rasierst du dich endlich?“
Ja, auf jeden Fall. War aber schon so, als ich noch Handwerker war. Da haben meine Eltern, als ich eine dreckige Latzhose an hatte, auch gefragt: „Wann wäscht du die mal wieder?“ Da gab es immer irgendwelche Sachen. Ist jetzt aber nicht doller als früher.

Verstehen sie, dass dein Bart zu MC Fitti dazugehört?
Die verstehen, dass das jetzt so sein muss. Und dass er dranbleiben muss. ZZ Top machen das ja auch.

Die haben wahrscheinlich auch keine Eltern mehr.
Stimmt, die sind uralt. Ne, meine Mutter sagt: „Lass wachsen.“

Was haben deine Eltern gesagt, als du das erste Mal einen Song von dir vorgespielt hast?
Vorher habe ich in Berlin Kulissenbau gemacht. Seit ich jugendlich bin, bin ich Handwerker. Und jetzt auf einmal Musiker – das konnten sie sich natürlich nicht vorstellen. Jetzt haben sie das alles mitgekriegt und sind voll hinter mir und finden das cool. Die kennen mich ja schon ein paar Jährchen länger und wissen wie ich drauf bin. Dass ich das volle Kanne durchziehe, finden die super.

Am 5. Juli erscheint MC Fittis erstes Album „#Geilon“. Für Freunde der Gesellschaftskritik und tiefgründiger Texte ist Fittis Musik nicht wirklich geeignet: Auf der Platte finden sich 16 Partysongs, mit Reimen, die Deutschlehrern Bauchschmerzen bereiten werden. Ob aktuelle Trends („Whatsapper“), Lebensgefühl („Geilon“) oder Anleitung zum Aerobic – ohne gute Laune geht bei MC Fitti gar nichts.

Die gute Laune auf deinem Album ist allgegenwärtig. Was machst du, wenn du mal nicht so gut drauf bist? Lächelst du Probleme weg?
Kommt auf die Probleme an. Wenn das selbstgemachte Blödsinnsprobleme sind, ärgert man sich natürlich. Später denke ich dann: „Warum ärgere ich mich überhaupt?“ Wenn was Krasses passiert, lässt das natürlich keinen kalt. Wenn die Oma stirbt oder so. Da ist man dann auch schon mal traurig. Ganz normal. Aber wenn ich geblitzt werde, zum Beispiel mit 80 Stundenkilometern zu schnell in der Stadt, dann ärgere ich mich. Aber dann ist auch wieder gut. Kann ich dann eh nicht mehr ändern.

Und du hast dann wahrscheinlich eine neue Textidee.
Ja, „Flitzer-Blitzer“. Wie findest du das Album eigentlich?

Das sorgt in der Redaktion auf jeden Fall für gute Laune. Wo wir gerade beim Thema sind: Womit kann man dir die Laune vermiesen?
Schlechte Laune kriege ich, wenn ich verschlafe. Dann fehlt mir ein innerlicher Rhythmus und ich muss mich ordnen. Auf Tour bin ich nicht so gut drauf wenn ich verkatert bin – „Katerlaune“.

Und was ist, wenn das Essen im Klub schlecht ist und der Veranstalter nervt?
Dann hole ich mir was anderes zu essen. Über den Veranstalter kann sich mein Tourmanager aufregen. Eigentlich ist eine Tour wie eine Klassenfahrt. Und da hat man selten schlechte Laune.

Mit wie vielen Leuten bist du denn im Tourbus?
In einem großen Bus. Wir sind dort so zehn bis zwölf Leute.

Nimmst du nur deine Crew mit oder lädst du auch Freunde ein?
Die Kumpels kommen auf jeden Fall mit. Man muss sich auch manchmal normal unterhalten, nicht immer nur über die Auftritte oder die Arbeit.

Wie lang brauchst du eigentlich für einen Text?
 Das Lied „Schnelle Ponys“ habe ich in eineinhalb Stunden gemacht. „Grüne Welle“ hat länger gedauert. Manchmal ist halt der Text fertig und passt nicht zur Musik. Dann klappt die Musik und der Text passt nicht. Da muss man dann mal hin- und herdrehen. Dann kann es auch mal einen Tag dauern. Oder fünf. Oder zehn.

Kannst du auch mit schlechter Laune einen Text schreiben?
Habe ich noch nicht probiert. Würde wahrscheinlich ein Depri-Song werden. Doofe Frage.

Tut mir leid, kommt nicht wieder vor. Hat sich dein alter Deutschlehrer mal bei dir gemeldet und deine gewollt schiefen Reime kritisiert?
Noch eine doofe Frage! Der hat genug zu tun – mit den ganzen anderen Rappern. Da ruft er immer an.

In deinen Texten geht es um alltägliche Dinge von Jugendlichen und jungen Erwachsenen, wie Whats App oder WG-Partys – hast du manchmal Angst, dass dir die Themen ausgehen oder du zu weit weg von den Jugendlichen bist?
Da habe ich mir noch keine Gedanken drüber gemacht. Und wenn ich mal ein Lied über Tee mit Honig mache, ist das auch okay. Oder ich mache beim nächsten Album extra alles ohne Thema.

Ohne YouTube hätte es MC Fitti wohl kaum bis zu einem Auftritt beim diesjährigen Rock am Ring geschafft. Doch das Geheimnis seiner Musik ist ein anderes: Egal, ob hartgesottener Elektro-Fan oder Verfechter handgemachter Musik – die Beats sind so eingängig und die Melodien so leicht, dass MC Fitti kaum Gefahr läuft anzuecken. Auch im Gespräch kommt man vor Oberflächlichkeit nur schwer hinter die Kunstfigur. Aber wen interessiert schon der Charakter, wenn die Party gerade am besten läuft.

Als du vergangenes Jahr „30 Grad“ rausgebracht hast, war das dein erster Hit. Kannst du dir vorstellen, mit deiner Musik mal auf dem Ballermann aufzutreten?
Das ist kein No-go, aber vorstellen kann ich’s mir auch nicht. Ich wüsste nicht, was man da für ein Gefühl hat. Eher nicht … Aber man weiß ja nie. Wenn ich danach schlechte Laune habe, kann ich ja nie wieder einen Text schreiben.

Was spricht dagegen?
Vielleicht zu wenig Geld.

In deinen Videos und Texten kommen auf ironische Weise immer wieder Retro-Elemente wie die Fernsehserie „Miami Vice“ oder das Nintendo-Spiel „Super Mario“ vor. Ist das Hipster-Humor? Wie würdest du Hipster definieren?
Wie Wikipedia das schreibt, ist das schon ganz richtig. Ich hab den Artikel noch nicht gelesen. Aber die haben ja fast immer recht. Es gibt ja genug Leute, die sich damit auseinandersetzen.

Okay, würdest du dich selber denn als Hipster beschreiben?
Ne. Ich glaube eher nicht. Ich transportiere das vielleicht. Aber aus dem Alter bin ich raus.

Zu Hannover hat MC Fitti eine besondere Beziehung. Als Jugendlicher fuhr er fast jedes Wochenende eine dreiviertel Stunde von Gifhorn in die Landeshauptstadt. Denn in Gifhorn werden die Bürgersteige auch am Wochenende schon viel zu früh hochgeklappt. In Hannover konnte er dafür besser feiern. Im Orange-Klub zu Funk oder in der Nordstadt im Labor. Klubs, die es schon lange nicht mehr gibt. Auch später kam er häufiger nach Hannover zurück und spielte zum Beispiel kostenlos am Lindener Marktplatz.

Letztes Jahr hast du in Hannover noch auf einer Bad-Taste-Party gespielt. Vor ein paar Wochen warst du als Headliner auf deiner eigenen Tour hier. Hat sich die Wahrnehmung geändert und bist du über das YouTube-Phänomen MC Fitti hinweggekommen?
Ich bin jetzt mehr Musiker, also Singer-Songwriter. Bei der Bad-Taste-Party habe ich auf der Bühne die Besoffenen animiert. Und auf der Tour sind die Leute extra wegen mir gekommen.

Am Wochenende hast du bei Rock am Ring gespielt, im Juli erscheint dein Album. Als du angefangen hast, als MC Fitti aufzutreten – hattest du ein Ziel, das du unbedingt erreichen wolltest? An welchem Punkt würdest du sagen: „Jetzt habe ich alles erreicht, ich kann aufhören?“
Den Punkt gab es schon mit der Fertigstellung meines Albums. Mehr wollte ich nicht. Alles andere ist sozusagen Bonus. Oder Sahne aufs Eis. Oder ‘ne Scheibe mehr Fleisch auf den Burger.

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