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Mit ZiSH zum Comeback der Beginner

Musik Mit ZiSH zum Comeback der Beginner

Nach mehr als einem Jahrzehnt Pause stehen die legendären Beginner wieder auf der Bühne. Heute Abend starten Eizi Eiz, Denyo und DJ Mad in Hannover ihre große Deutschland-Tournee. ZiSH verlost die letzten Tickets für die ausverkaufte Show in der Swiss Life Hall - und berichtet von anderen spannenden Comebacks.

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Quelle: dpa/Promo

Smarte Füchse von der Elbe

Roughe Beats und Texte mit ’ner Aussage; der Flow mies, doch die Shows waren herausragend“: So erinnern sich die wiedervereinigten Beginner in „Es war einmal“ jetzt an ihre Anfänge Anfang der Neunzigerjahre. Das trifft es ziemlich gut. Während das harmlose „Die da !?!“ von den Fatastischen Vier 1992 sogar in Tanzschulen dudelte, rappten Jan „Eizi Eiz“ Eißfeldt und Dennis „Den­yo“ Lisk in alternativen Jugendzentren wortgewaltig gegen Neonazis, DJ Mad zersägte dazu auf der Bühne Hakenkreuze mit der Kettensäge. Auch an Hip-Hop-Kollegen, die hierzulande Gangs und Gettos glorifizierten („Dies ist nicht Amerika“) arbeiteten sich die Hamburger ab – und suchten dabei ihren ganz eigenen Sound.

Den fanden die zum Trio geschrumpften Absoluten Beginner 1998 mit ihrem Majorlabel-Debüt „Bambule“: Die Single „Liebes Lied“ hielt sich 18 Wochen in den Charts – trotz oder gerade wegen des übertrieben näselnden Eizi Eiz. So funky und feinsinnig, voller Verweise auf Rap-Meilensteine, klang keine zweite deutsche Gruppe. Derbe selbstbewusst, aber eben nicht aggro. Auch wer damals sonst nur Punk und Grunge im Discman hatte, nickte bei „Hammerhart“ oder „Füchse“ anerkennend mit: Wie poetisch, politisch, schnell und originell Rap sein kann, entdeckten viele zum ersten Mal mit den Absoluten Beginnern.

Kein Wunder, dass „Advanced Chemistry“, das erste Beginner-Album nach 13 Jahren, im August aus dem Stand auf Platz eins der Charts kletterte.

Zwischen verbissenem Gangsta- und hochironischem Cloud-Rap ist also immer noch Platz für die Füchse von der Elbe. Mit Gastauftritten von Gzuz von der 187 Straßenbande, Haftbefehl, Samy 
Deluxe, Torch, Megaloh und Dendemann ist die Platte ein großer Schulterschluss der Deutsch-Rap-Familie – bei dem gerade die pöbelnden Enkel verhindern, dass es zu besinnlich zugeht. „110 Prozent, Alter, ich geb immer Gas / Mittelmaß is ’n No-Go wie ’n Hitlerbart“, rappt Eizi Eiz. Schön, das zu hören. Nächste Woche auch live in Hannover. rör    

Wer sehen will, wie die Beginner 110 Prozent auf der Bühne geben, sollte Dienstagabend, 8. November, ab 20 Uhr zum Tourauftakt in der Swiss Life Hall Hannover kommen. Die Show ist ausverkauft - aber ZiSH verlost die letzten Tickets. Schreibt uns bei Facebook, warum ihr unbedingt dabei sein müsst, wenn die Hamburger Jungs nach Hannover kommen. Alles Infos findet ihr auf https://www.facebook.com/ZishHAZ/posts/1323773407641569rör 

Gegen alles und jeden

Dank Rage Against the Machine weht bis heute auf Dorfschützenfesten für fünf Minuten und 14 Sekunden ein Hauch von Anarcho-Kommunismus. Zur Zeile „Fuck you, I won’t do what you tell me“ aus ihrem Hit „Killing in the Name“ kann man wunderbar gegen alles und jeden sein – egal, ob steigende Maispreise in Nicaragua, das kapitalistische System an sich oder den lästigen Blockflötenunterricht. Neben Nirvana waren Rage Against the Machine die Neunziger-Rock-Band, zu der man sich am besten durch die Pubertät ekeln konnte.

Ihr selbst betiteltes Debütalbum von 1991 war aber auch musikalisch eine riesige Offenbarung: Es vereinte wütenden und politischen Hip-Hop mit groovenden Heavy-Metal-Riffs. Wie viele Tausend Jugendliche sich wohl E-Gitarren zu Weihnachten gewünscht haben, um irgendwann mal so virtuos zu spielen wie Tom Morello?

Im Jahr 2000 stieg Frontmann Zack de la Rocha aus und die Band löste sich auf. Sieben Jahre später kam es zur Reunion auf einigen gut dotierten Festivals. Auf eine neue Platte warteten Fans bis zur Wiederauflösung 2011 allerdings umsonst. Die einzelnen Mitglieder widmeten sich Soloprojekten oder heuerten bei anderen Bands an.

Im US-Wahljahr 2016 meldeten sich drei Viertel der Band zurück – Frontmann de la Rocha geht weiter eigenen Projekten nach. Der Rest von „Rage“ holte sich Rapper Chuck D und DJ Lord, beide von Public Enemy, und Cypress-Hill-Rapper B-Real ins Boot. Gemeinsam gründeten sie die All-Star-Gruppe Prophets of Rage. Ihr an den Wahlslogan von Donald Trump angelehntes „Make America Rage Again“ gibt die Richtung vor: Die US-Bevölkerung auf Polizeigewalt, Korruption und natürlich Donald Trump aufmerksam zu machen und – bestenfalls – auf die Barrikaden zu bringen.

Shows hat die Band meist in Städten gespielt, in denen gerade die Republikaner Wahlkampf gemacht hatten. Ob ihre Aufklärungskampagne hilft, zeigt sich am Wahltag. Mächtige Riffs und altbewährten Sound gibt’s schon jetzt auf ihrer neuen EP „The Party’s Over“.   man 

Für immer 16

 Jung sind sie selbst nicht mehr, den Soundtrack zur Adoleszenz schreiben sie immer noch: Obwohl Mark Hoppus, Travis Barker und Matt Skiba von Blink-182 mittlerweile über 40 sind, liefern sie mit ihrem nun siebten Studioalbum „California“ federleichte College-Pop-Punk-Melodien ab. Bekannt wurde das Trio bereits Mitte der Neunzigerjahre mit Songs wie „What’s My Age Again?“ und vor allem dem Album „Dude Ranch“ – damals noch mit Tom DeLonge an der Gitarre. Mit zunehmendem Alter sah es immer mehr danach aus, als wenn die Musiker die Lust aneinander verloren hätten: 2005 kam es erst zum Streit, dann zur Auflösung.

2009 gab es das Comeback, nachdem DeLonge mit Angels & Airwaves auch sein Pop-Punk-Nebenprojekt in den Charts etabliert hatte. Der verließ nach erneuten Zänkereien 2015 allerdings endgültig die Band und wurde von Alkaline-Trio-Bassist Matt Skiba ersetzt. Mit ihren unbeschwerten Melodien gepaart mit provokantem Humor und der nötigen Portion Punkrock standen Blink-182 lange für den Soundtrack zahlreicher Highschool-Komödien. Das Trio wirkte, als wäre es der Pubertät nie entwachsen.

Kurz bevor sie für vier Jahre in der Versenkung verschwanden, wagten sie auf ihrem dritten Album kleine Stilbrüche: Auch, wenn der Sound durch die chorischen Refrains seinen Ohrwurmcharakter behielt, löste ruhiges Backgroundgeklimper teilweise die verzerrten Gitarrenriffs und das dominante Schlagzeug ab. Das Ergebnis klang ernster und erwachsener als der Pop-Punk zuvor. Richtig zufrieden waren sie jedoch wohl selbst nicht: Nach der Weiterentwicklung folgte zwei Jahre später die nächste Trennung.

2011 erschien die Comeback-Platte „Neighborhoods“. Musikalisch vertrauten Blink-182 nunmehr auf Altbewährtes und klingen wie auf ihren ersten beiden Alben: melodischer Gute-Laune-Punk, bei dem man auch schon nach kurzem Hören unwillkürlich mitnickt – oder eben pogt. In der nächsten Festivalsaison sind Blink-182 Headliner auf dem Hurricane-Festival. kb     

Die deutschen Nofx

Mit dem jüngst verstorbenen Schauspieler Manfred Krug teilen die Punkrocker von Wizo eine ganz besondere Erinnerung. Krug musste im Herbst 1991 unter anderem wegen Verstoßes gegen das Tempolimit und Körperverletzung vor Gericht. Die Punks aus Sindelfingen solidarisierten sich augenzwinkernd mit dem Schauspieler: „Freie Fahrt für sportliche Fahrer“ forderte die Band ebenso wie die Einführung einer Zehn-Promille-Grenze am Steuer. Dann spielten Wizo ein Konzert unter dem Gerichtssaal, in dem gerade die Verhandlung lief.

Eigentlich würde das Trio in diesem Jahr seinen 30. Geburtstag feiern – wäre da nicht die vierjährige Pause: Zwischen 2005 und 2009 tat sich nichts. Ihre größten Erfolge feierten die Schwaben Mitte der Neunzigerjahre. Was Green Day, Nofx oder The Offspring für den Melodic Punk in den USA bedeuteten, das waren Wizo für Deutschland: schnelle, kurze und harte Songs, eingängige Texte mit mal lustigen, mal politischen Inhalten. Ihre Alben „Bleib tapfer/Für’n Arsch“, „UUAARRGH!“ und „Herrénhandtasche“ verkauften sich bestens.

1994 erregte die Band Aufsehen, als sie eine Show während der Chaostage in Hannover spielte, bei denen es heftig zur Sache ging. Als einzige deutsche Band schafften es Wizo auf das Label Fat Wreck Chords von Nofx-Sänger Fat Mike. Dort waren sie in Gesellschaft von Pennywise, Lagwagon und eben Nofx und bekamen die Chance, auch in den USA aufzutreten. Nach 1995 erschien erst kurz vor der Auflösung 2004 ein neues Album: „anderster“.

Mit „DER“ ist im August nun die neue Platte der Punkrocker erschienen. Ihrer Stilmischung aus Fun- und Polit-Punk ist die Band um das einzig verbliebene Gründungsmitglied Sänger Axel Kurth treu geblieben. Ihre aktuelle Platte schaffte mit Platz 11 sogar die beste Chartplatzierung in der Bandgeschichte. Für ihre aktuelle Tour, die am heutigen Freitag startet, haben sie sich mit einer anderen wiedervereinigten Band zusammengetan: Als Vorgruppe spielen Die Abstürzenden Brieftauben aus Hannover. man     

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