Volltextsuche über das Angebot:

9 ° / 8 ° Regenschauer

Navigation:
Warum das Netflix-Festival ein Fake ist

"Netflix & Chill Open Air" Warum das Netflix-Festival ein Fake ist

Fast 8000 Menschen interessieren sich auf Facebook für die Veranstaltung „Netflix & Chill Open Air“ in Hannover. 
Doch ob es das gemeinsame Streamen unter freiem Himmel wirklich gibt, ist mehr als fraglich – die Stadt weiß von nichts.

Voriger Artikel
33 Dinge, die du im Sommer machen musst
Nächster Artikel
Mach dein eigenes Ding!

Zusammen Netflix unter freiem Himmel schauen ist wohl erst mal unrealistisch. Das auf Facebook angekündigte Festival wirkt dubios.

Quelle: Schaarschmidt

Hannover. Es klingt so schön: Einen „romantischen Abend unter dem Sternenhimmel“ verspricht die Facebook-Veranstaltung „Netflix & Chill Open Air“ für Hannover: Knapp 8000 Menschen interessieren sich dafür, mehr als 900 haben für den 20. August bereits zugesagt. Was genau sie dort erwartet, weiß noch niemand. Vom gemeinsamen Serienschauen auf der Großbildleinwand im Freiluftkino bis zum Tablet-Happening, bei dem für jeden Besucher nur das WLAN und eine große Wiese gestellt wird, scheint alles möglich. Immerhin werden auf der Seite aber Getränke und Popcorn versprochen.

Gelockt werden die Besucher mit „VIP Paketen in der Lounge“, die gewinnen kann, wer den Veranstaltungstitel unter die Seite postet und dort außerdem drei Freunde verlinkt. Klingt nach einem guten Deal – nicht nur in Hannover. Auf Facebook gibt es Seiten für gleichnamige Festivals in Städten wie Bielefeld und Osnabrück. Alle haben denselben Infotext mit demselben Gewinnspiel. Copy and Paste. Mehr nicht.

Und noch etwas ist merkwürdig: Namenspate Netflix distanziert sich vehement von den Events. „Wir haben damit nichts zu tun“, sagt die vom US-Streamingdienst engagierte Presseagentur schmallippig. Weitere Nachfragen zu „Netflix & Chill Open Airs“ möchte die Sprecherin nicht beantworten.

Der Titel war vermutlich einfach zu verlockend: Wer „Netflix and Chill“ sagt, meint einen romantischen Abend zu zweit vor der Glotze. Und wer beim zweiten Daten so zum Netflix-Schauen einlädt, hat meist das Gleiche im Sinn wie bei der Frage, ob das Date nicht noch „auf einen Kaffee mit raufkommen“ möchte. Hätte man auch nicht gedacht, dass Fernsehen plötzlich wieder sexy ist.

„Open Air Kino Germany“, der Veranstalter von „Netflix & Chill“, überlässt es der Fantasie der Facebook-Freunde, wie genau der Abend aussehen könnte.Weitere Informationen zum Event gibt es nicht. Und das ist vielleicht auch besser so: Bei der Stadt Hannover, deren Genehmigung für eine solche Veranstaltung nötig ist, hat man noch nichts von dem vermeintlichen Festival gehört. „Bei uns ist kein Antrag eingegangen“, sagte eine Sprecherin. Und auch einer der größten Event-Veranstalter der Stadt, Hannover Concerts, fragt am Telefon verwundert nach, was bitte das für ein Festival sein soll. Vom „Netflix & Chill Open Air“ hören die Mitarbeiter zum ersten Mal.

Das „Open Air Kino Germany“ selbst reagiert überhaupt nicht auf Anfragen. Das Impressum weist weder E-Mail-Adresse, Telefonnummer noch Internetpräsenz aus. Man wünsche sich eine Kontaktaufnahme via Facebook-Nachricht, schreibt der angebliche Veranstalter. Eine Anfrage bleibt allerdings unbeantwortet.

Das entspannte Netflix-Open-Air mit den Freunden oder dem Schwarm bleibt also wohl vorerst eine Wunschvorstellung. Filme kann man im Sommer aber trotzdem draußen gucken. Das Seh-Fest zeigt ab dem 12. Juli an 23 Spieltagen wieder Filme im Freiluftkino auf der Parkbühne. Wer noch zur Premiere möchte, sollte sich beeilen. Denn das Interesse ist groß. Dafür findet die Veranstaltung garantiert statt – zumindest hat die Stadt Hannover sie bereits genehmigt.

Ansgar Nehls

Open-Air-Kinos gibt es seit 100 Jahren

Das älteste Open-Air-Kino der Welt steht in Australien und feiert dieses Jahr seinen 100. Geburtstag. Damit steht es unangefochten im Guinessbuch der Rekorde. Als erstes lief dort 1916 der Stummfilm „Kissing Cup“. Darin muss sich ein Jockey von Kidnappern befreien, um rechtzeitig sein Rennen zu gewinnen.
Das erste patentierte Autokino gab es 1933 in Camden, New Jersey. Der Eintritt kostete damals pro Auto und Person umgerechnet 20 Cent. In der Anfangszeit der Freiluftkinos mussten Mauern und weiße Laken, die zwischen Bäume gespannt wurden, herhalten. Allerdings musste das Camdener Kino schon drei Jahre später wieder schließen. Der Nachbarschaft war es zu laut.

Das älteste deutsche Autokino liegt in der Nähe von Frankfurt am Main. Es öffnete 1960 und besteht ebenfalls noch heute. Die Betreiber nutzen das Gelände inzwischen aber auch regelmäßig für einen Gebrauchtwagenmarkt. Bis Hannover ein Freiluftkino bekam, dauerte es bis 1970. Auf dem heutigen Messegelände war Platz für einige Hundert Autos. Am 27. August 1997 schloss das Autokino Messe als letztes seiner Art in Niedersachsen. Die neueste Innovation im Open-Air-Kino sind aufblasbare Leinwände. Die lassen sich fast überall schnell aufbauen.

Theresa Kruse / ZiSH

Was an Facebook-
Veranstaltungen nervt

Du hast zehn bevorstehende Veranstaltungen diese Woche mit Julia und 257 weiteren Freunden.“ Jede Woche erinnert Facebook mich daran, wo ich überall zugesagt habe. Es ist eine Hassliebe: Ich gehe ja gerne aus. Aber wenn 75 Prozent meiner Benachrichtigungen auf Facebook nur noch damit zu tun haben, dann bin ich genervt.

Dabei ist die Idee von Facebook-Einladungen im Prinzip gut: Bei Konzerten kann ich so etwa sehen, wer von meinen Freunden noch so hingeht. Bei WG-Partys könnte ich anhand der Zusagen planen, wie viele Leute kommen. Aber leider kommt es meist doch ganz anders – und viele, die zugesagt haben, bleiben weg. Ich bin da auch nicht besser: Sobald ich eine Einladung bekomme, klicke ich fast automatisch auf Zusagen.

Vor allem seit Facebook den „Vielleicht“-Button entfernt hat, sagt man lieber mal zu statt nicht zu reagieren. Es ist ja nur Facebook. Und genau da liegt das Problem: Ob man auf Zu- oder Absage klickt, spielt so keine Rolle mehr. Auf Facebook befinden wir uns in einem Universum der Unverbindlichkeit.

Wenn ich meine Party plane, will ich aber wissen, wie viele Gäste wirklich kommen. Wenn ich dafür aber noch mal bei jedem einzeln nachfragen muss, brauche ich Facebook nicht. Dann lade ich zur nächsten Feier lieber wieder persönlich ein.

Anna Rickmann

Voriger Artikel
Nächster Artikel
Mehr aus ZiSH

ZiSH ist die junge Redaktion der HAZ. Hier schreiben Studenten, Azubis und Schüler über das, was sie bewegt. Jeden Dienstag und Freitag gibt es eine neue ZiSH-Seite in der HAZ. Du willst auch mitmachen? Dann bewirb dich gerne! mehr