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Auf Safari durch Hannovers Pokémon-Welt

Kultspiel "Pokémon Go" Auf Safari durch Hannovers Pokémon-Welt

Mit „Pokémon Go“ ist Nintendo ein Überraschungscoup gelungen. Auf dem Smartphone durchsucht man die Stadt nach Pokémon und sammelt sie. Im Selbstversuch zeigt ZiSH-Autor Joss Doebler, wo es seltene Wesen in Hannover gibt – und erklärt, warum das Spiel so viel Spaß macht.

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Verkehrte Welt: „Pokémon Go“, ein Videospiel, das Zocker an die frische Luft bringt. Denn die Monster warten überall in der Stadt, wie hier im Maschpark und Maschsee.

Quelle: Körner, Franke, Screenshot

Hannover. Eigentlich wollte ich nur eine Packung Milch kaufen. Kurz die Straße runter zum Supermarkt und wieder zurück. Das dauert sonst zehn Minuten. Heute dauert es eine halbe Stunde. Denn unterwegs treffe ich auf eine überdimensionale Fledermaus, die ich einfangen muss, und in der Nebenstraße gibt es Bonusgegenstände. Am Ende stehe ich vor meiner Wohnung – und habe die Milch vergessen.

Ich spiele „Pokémon Go“, das Spiel, über das die ganze Welt spricht. Die App, entwickelt von der ehemaligen Google-Tochterfirma Niantic Labs, verschmilzt Realität und Spiel: Wer durch Straßen geht, sieht auf seinem Smart­phone-Bildschirm eine Stadtkarte – wie bei Google Maps. Ab und zu taucht auch ein Pokémon auf der Karte auf – sie zu sammeln ist das Ziel von „Pokémon Go“. Wenn man auf Taubsi oder eines der anderen Wesen klickt, wechselt die App in die Kameraansicht, und plötzlich sitzt das Pokémon vor einem auf dem Bürgersteig – bis man es einfängt. Das Konzept dahinter nennt sich „Augmented Reality“, zu Deutsch „Erweiterte Realität“. Es ist eine Parallelwelt, die schon beim „Pokémon Go“-Vorgänger „Ingress“ Zehntausende Nerds begeisterte: Bei „Ingress“ ging es darum, virtuelle Portale zu erobern und gegen andere Spieler zu verteidigen. Auch das funktionierte über eine App, die die Portale anzeigte – wie etwa vor dem Hauptbahnhof.

Die besten Orte in Hannover

Jedes Gebiet hat seine eigenen Pokémon. Während man Taubsi, Rattfratz und Zubat nahezu überall findet, wird es bei selteneren Kreaturen schon schwieriger. Ein Besuch in diesen hannoverschen Gegenden lohnt sich besonders:

Maschpark: Hier findet man täglich eine große Gruppe von Trainern, die sich gegenseitig mit Lockmodulen unterstützen. So lässt sich der Treffpunkt nicht verfehlen. Unter den bisherigen Funden sind Dratini, Starmie, Flegmon, Knofensa und Goldini.

Maschsee: Vor allem das Ostufer lohnt sich für Karpador, Schillok, Enton, Krabby und Pikachu. Generell ist der Maschsee der beste Ort für Wasserpokémon.

Georgengarten: Das Gebiet ist sehr vielfältig. Gesehen wurden hier Nidoran, Bisasam, Myrapla, Abra und Pummeluff.

City: Die Innenstadt beheimatet unter anderem Voltoball, Nebulak, Mauzi, Rossana und Magnetilo. 

Bei „Pokémon Go“ geht es zuerst einmal ums Sammeln: Stattliche 151 verschiedene Pokémon gilt es zu finden. Dafür muss man gezielt in bestimmte Gebiete reisen. Die Monster sind nach Kategorien mit eigenen Territorien sortiert: Den Typ Elektro findet man vor allem in Industriegebieten, Psycho-Pokémon in der Nähe von Krankenhäusern, und Geister gibt es – etwas makaber – auf Friedhöfen. Die exakten Standorte der einzelnen Exemplare werden zufällig vom Spiel bestimmt, auf Basis der einst bei „Ingress“ gesammelten Geodaten. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Pokémon überhaupt erscheint, ist je nach Typ unterschiedlich. Es wird wohl Monate oder gar Jahre dauern, bis ein Spieler alle zusammen hat.

Das Spiel ist wie gemacht für die Millennial-Generation. Viele Pokémon-Fans kennen die knuffigen Wesen seit den ersten Game-Boy-Spielen aus den Neunzigern. Das erklärt auch den Hype um „Pokémon Go“: Es spielt mit den Kindheitserinnerungen von uns Mittzwanzigern. Wenn wir an die ersten Pokémon-Spiele zurückdenken, dann denken wir an eine Zeit, in der wir uns keine Gedanken über berufliche Zukunft und Bachelorarbeit machen mussten. Alles, was zählte, waren das Nokia 3210, trashige Eurodance-Musik – und Pokémon. Die gab es als Serie und Sammelkarten. Und Ende 1999 folgten dann in Deutschland auch die Game-Boy-Spiele.

Das Konzept geht auf: Weil „Pokémon Go“ in den USA, Neuseeland und Australien so erfolgreich war, dass die Server zusammenbrachen, wurde die Veröffentlichung im Rest der Welt zunächst ausgesetzt. Das hat die Fans aber nicht davon abgehalten, das Spiel seit dem vergangenen Wochenende mit technischer Trickserei trotzdem herunterzuladen.

Dass der Hype auch in Hannover voll eingeschlagen hat, merke ich abends im Maschpark. In einer Ecke sitzen etwa 60 Jugendliche und junge Erwachsene im Gras und starren auf ihre Handys. Der Treffpunkt ist durch eine hannoversche Facebook-Gruppe entstanden, die am Mittwoch, als „Pokémon Go“ auch offiziell in Deutschland erschien, bereits mehr als 1400 Mitglieder hat. Auch hier trifft man vor allem Jugendliche in den Zwanzigern, die früher auf dem Game Boy gespielt haben. „Ich habe ‚Pokémon‘ gespielt, bevor ich lesen konnte“, sagt Nils (22), der heute einen Teilzeitjob in einem Kleidungsladen hat. Der angehende Eventmanagement-Student Luis (21) sagt, dass er am Vortag laut einer Smartphone-App 18 000 Schritte nur für das Spiel gelaufen ist. Wie anstrengend das sein kann, merke auch ich. Mit „Pokémon Go“ renne ich laut Handy 20,6 Kilometer in zwei Tagen. Es ist verrückt: Sonst sind es vor allem Videospiele, wegen denen ich zu Hause auf dem Sofa bleibe. „Pokémon Go“ dreht den Spieß um. Wenn ich gut sein will, muss ich rausgehen, viel unterwegs sein – und mich mit anderen Menschen treffen. Das Spielprinzip ist sehr monoton. Kann man mit seltenen Kreaturen prahlen oder zusammen auf Jagd gehen, bleibt es spannend. Das Gute: Jeder kann jedes Pokémon fangen, das auftaucht. Niemand schnappt jemand anderem etwas weg.

Schon bevor Pokémon Go in Deutschland offiziell erschienen war, ist auch in Hannover das Pokémon-Fieber ausgebrochen. In einer Bildergalerie zeigen wir Ihnen, wo welche Pokémon bereits gesehen wurden und welche Pokéstops einen Besuch Wert sind. Sie haben Tipps und Tricks für uns? Dann schicken Sie uns doch einfach Ihre Hinweise. Dann aktualisieren wir die Galerie. 

Zur Bildergalerie

Doch nicht alle sind von dem Spiel so begeistert. Viele kritisieren den Datenhunger der App: Wer sich über ein Google-Konto anmeldete, gewährte den Entwicklern sogar Zugang auf seine Mails – laut Niantic Labs ein Programmierfehler, der nun behoben sei. Andere betonen die Gefahr im Straßenverkehr, wenn die Menschen nur noch mit ihren Handys beschäftigt sind. Doch gibt es auch positive Berichte: So schreiben viele Menschen, dass das Spiel ihrer mentalen Gesundheit guttue. „Pokémon Go“ motiviert einen, das Haus zu verlassen und sich mit Leuten zu umgeben – Dinge, die einem schwerfallen können, wenn man etwa unter Depressionen oder Ängsten leidet.

Gruselig ist, dass sich die Gedanken ständig um das Spiel drehen, etwa beim Einkaufen. Es sind Momente, in denen man sonst Leerlauf hat, um den Kopf zu ordnen. Was mich begeistert, ist, dass ich plötzlich am Maschsee sitze – einfach nur, um am Maschsee zu sitzen. Das Spiel darf ruhig nebenbei weiterlaufen und sich melden, wenn ein Wesen auftaucht. So lange freue ich mich, durch „Pokémon Go“ an die schönen Seiten meiner Stadt erinnert zu werden – und wieder draußen zu sein.

Von Joss Doebler

Insider-Tipps für Anfänger

Dein Startpokémon ist unwichtig:  Du musst viele Exemplare der selben Sorte fangen, um ein Pokémon hochzuleveln. Dein Starter ist dabei niedriger als alles, was du fängst, und sehr selten. Häufig vorkommende Pokémon wie Rettan und Taubsi sind am Anfang wichtiger.

Staub und Bonbons:  Das sind Ressourcen, die beide zum Leveln und Weiterentwickeln deiner Pokémon benötigt werden. Bonbons sind artspezifisch: Du kannst dein Taubsi also nur mit Taubsi-Bonbons füttern. Die bekommst du durch das Fangen und Versenden anderer Taubsis. Dabei erlangst du auch den Staub, bei dem es aber keine unterschiedlichen Sorten gibt.

Pokéstops:  Denkmäler, Kunstwerke und besondere Gebäude sind oftmals sogenannte Pokéstops. An ihnen kannst du dir alle fünf Minuten neue Gegenstände abholen. Sie bewusst zu suchen, ist in Hannover nicht nötig. Du wirst ganz automatisch bei deinen Streifzügen bei genügend von ihnen vorbeikommen.

Lockmodule und Rauch:  Beide Gegenstände locken Pokémon an. Lockmodule sind effektiver, müssen aber fest an einem Pokéspot platziert werden. Rauch erfüllt die gleiche Funktion, befindet sich aber immer an deiner aktuellen Position.

Triff dich mit Leuten:  Pokémon zu suchen ist spannend. Noch spannender ist es, sie  mit anderen Spielern gemeinsam zu jagen. Dann lassen sich auch Lockmoduler effektiver nutzen – und vielleicht lernst du noch ein paar Tricks.

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