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Hast du sie noch alle?

Pokémon werden 20 Jahre alt Hast du sie noch alle?

Egal ob Sammelkarten, Serie oder Videospiel: Die knuddeligen Pokémon waren die Helden unserer Kindheit. In diesem Jahr 
werden sie 20 Jahre alt. ZiSH-Autorin Sarah Franke sagt, was sie beim Zocken mit den kleinen Monstern gelernt hat.

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Als Kind wollte ZiSH-Autorin Sarah Franke am liebsten mit ihren Pokémon im Garten spielen.

Quelle: Witting, Pokemon Company International; Montage: Llorens

Als Kind habe ich ganz genau hingehört, wenn die Büsche am Wegesrand raschelten. Denn damals hoffte ich insgeheim, dass mir ein Pokémon aus dem Gestrüpp entgegenspringen würde. Die leben nämlich, wie jeder Pokémon-Trainer weiß, im hohen Gras. Gesehen habe ich natürlich nie eines der kleinen Monster, die wie Tiere, Geister oder Fabelwesen aussehen. Sie existieren nur auf den Bildschirmen von Nintendo-Konsolen – und das schon eine ganze Weile. Seit 20 Jahren jagen Gamer auf der ganzen Welt den niedlichen Pokémon in den Videospielen hinterher.
Angefangen hat in Deutschland alles mit der roten und blauen Edition für den Gameboy. Im Laufe der Jahre sind gut zwei Dutzend weitere Spiele und jede Menge Ableger auf den Markt gekommen. Spielwelten, Charaktere und Pokémon variieren – nicht aber das Spielprinzip. Am Anfang sucht man sich eines von drei Pokémon aus. Zusammen mit ihm wandert man fortan durch die fiktive Spielwelt, um weitere Monster für sein Team mit sogenannten Pokébällen zu fangen und sie zu trainieren. Denn in der Spielwelt warten zahlreiche Computergegner, gegen die man kämpfen muss. Manche sind nett, andere gehören zu einer bösen Organisation. Das Ziel: Die Pokémon-Welt vor den Plänen der Bösen zu bewahren und nebenbei der stärkste Pokémon-Trainer zu werden. Auch Serien, Filme und ein Sammelkartenspiel mit mittlerweile über 5000 Karten gibt es – und jede Menge Fanartikel.
Damit war auch mein Zimmer dekoriert. Wie wohl viele Kinder meiner Generation träumte ich in meiner Pokémon-Bettwäsche und am Schreibtisch davon, mit den kleinen Monstern in der echten Welt im Garten zu spielen – oder sogar selbst als Trainerin um die Welt zu reisen. Auf dem Pausenhof tauschten wir die Sammelkarten. Plüsch-Turtok saß in meinem Bett und geweckt hat mich ein Pikachu-Radiowecker, aus dem der Soundtrack der Serie schepperte. „Komm und schnapp sie dir!“: Auch heute ist das epische Lied Teil meiner Playlist. Denn es motiviert – egal ob beim Wohnung-streichen oder in der Klausurenphase.
Denn der Song erinnert mich daran, dass ich alles schaffen kann, wenn ich nur am (Poké-)Ball bleibe. Egal, wie oft ich beim Daddeln mit meinen Pokémon im Kampf gegen einen Arena-Leiter verloren habe: Irgendwann waren sie stark genug, und der Orden, die Belohnung für einen gewonnenen Kampf, gehörte mir. Klar war es nervig, ständig nur das nutzlose Fisch-Pokémon Karpador beim Fischen an der Angel zu haben oder in einer Höhle andauernd von der Fledermaus Zubat angegriffen zu werden. Aber am Ende hatte ich dann doch ein Goldini geangelt oder die Höhle unbeschadet durchquert. Denn in der Pokémon-Welt gibt es – genauso wie in Hollywood-Blockbustern – immer ein Happy End. Das Böse wird nicht gewinnen. Ich konnte mir sicher sein: Wenn es noch nicht gut ist, dann ist das noch nicht das Ende.

Zusammen mit meinen Pokémon kämpfte ich gegen den Rest der Welt – und via Kabelverbindung von zwei Gameboys mit meinen Freunden. Auch tauschten wir unsere Pokémon. Immer wieder war es spannend zu beobachten, wie das Monster dabei von einem Bildschirm zum anderen wanderte. Seit die Nintendo-Konsolen internetfähig sind, kann man sogar gegen Menschen aus der ganzen Welt antreten.
Wenn ich heute den Nintendo aus der Schublade hole und ein neues Spiel einlege, erkenne ich fast keines der kleinen Monster wieder. Denn als ich als Kind anfing, virtuell durch das hohe Gras zu streifen, gab es 151 Pokémon zu entdecken. Heute sind es laut Pokéwiki 721. Wer dem Spielmotto „Schnapp sie dir alle!“ gerecht werden will, hat eine Menge zu tun – auch wenn nicht alle Pokémon in jedem Spiel vorkommen. Doch auch ohne die alten Bekannten habe ich schon viele verregnete Tage auf dem Sofa mit meinem Nintendo verbracht.
Damit bin ich nicht alleine. Denn nicht nur Kinder jagen die virtuellen Monster – auch in der letzten Reihe von Vorlesungen sitzen immer wieder daddelnde Studenten mit einem Gameboy in der Hand. Wenn der Uni-Professor genauso einen Monolog hält wie der Pokémon-Professor Eich zu Beginn des Spiels, kann man schnöde Vorlesungen mit sammeln und kämpfen in der Spielwelt überbrücken.
So beliebt ist das Spiel seit 20 Jahren nicht nur, weil die Pokémon knuffig aussehen. Denn im Endeffekt ist es egal, ob man sich zu Beginn ein Glumanda oder ein Flemmli als Gefährten wählt, oder man gegen die Gegner von Team Rocket oder von Team Magma kämpft. Der allerbeste und stärkste Pokémon-Trainer zu werden, spornt den Ehrgeiz an. Schließlich geht es darum, die Welt zu retten. Bald sogar die echte Welt: Nintendo will in diesem Jahr die „Augmented Reality Game“-App „Pokémon Go“ herausbringen. Wie bei einer Schnitzeljagd suchen die Spieler dann mit dem Smartphone via GPS Pokémon in ihrer realen Umgebung. Dass ich also ein Pokémon am Wegrand finde, ist bald gar nicht mehr so unwahrscheinlich.

Von Sarah Franke

Wie mich Pokémon zum Außenseiter machten

"Ich muss jetzt rein. Gleich läuft Pokémon.“ Als mein Schulkumpel diese Worte zum ersten Mal sprach, hatte ich keine Ahnung, wie oft ich diesen Satz in den nächsten zwei Jahren noch hören sollte. Im Jahr 2000, ich war gerade in der fünften Klasse, traten die 151 debil grinsenden Gesichter in mein Leben. Als ich Pikachu und Konsorten das erste Mal sah, fühlte ich sofort eine innere Ablehnung. Nicht mit mir, dachte ich, ohne zu wissen, dass mein Boykott der Gaga-Wesen mich für über zwei Schuljahre zum Außenseiter machen sollte.
Fußball spielen, im Wald herumlaufen, Klingelstreiche – wir waren fast immer draußen und Stubenhocker grenzte an ein Schimpfwort. Doch genau in diese Richtung ging es: Ich war in meinem Freundeskreis großteils abgemeldet, weil ich weder Lust hatte, die nervige Serie zu schauen noch die Karten zu sammeln. Mit meinen Freunden war nichts mehr anzufangen. Oder war ich der Langweiler? Pokémon entwickelte sich zu einem Wettrüsten: Wer konnte sich die meisten Karten leisten? Wer hatte die besten Pokémon gesammelt?
Ich wunderte mich selbst über meine Standhaftigkeit, denn eigentlich hatte ich bisher jeden noch so blöden Trend mitgemacht. Ich hörte die gleiche Idiotenmusik wie alle anderen (Stefan Raabs „Maschendrahtzaun“ oder „Blue“ von Eifel 65), hatte mich von den „Power Rangern“ verzaubern lassen und wie ein Weltmeister Fußballsticker gesammelt. Bei Pokémon war es anders: Die Magie sprang nicht auf mich über und meine Freunde gaben bald, auf mich auf die debile Seite der Macht holen zu wollen.
Diesen Trend zu verweigern war im Nachhinein gut. Ich tat mich mit anderen Pokémon-Hassern zusammen und wir beobachteten den Aufstieg von Baggy-Hosen und blondierten Gel-Frisuren. Und wir genossen es, diese Trends so richtig doof zufinden.

Von Manuel Behrens

Das wusstest du noch nicht über Pokémon

  • Der Name Pokémon ist die Abkürzung für „Pocket Monsters“.
  • Es gibt bislang 18 Pokémon-Fime. Der erste Film startete am 13. April 2000 in den deutschen Kinos und hatte ganze 3,22 Millionen Besucher. Damit war er der sechsterfolgreichste Film des Jahres.
  • Die mit Abstand teuerste und seltenste Pokémon-Karte ist eine Illustrator-Karte, auf der ein Pikachu abgebildet ist. Eine davon wurde auf Ebay für 90 000 US-Dollar verkauft.
  • Nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 wurden zwei Episoden der Pokémon-Serie in den USA nicht mehr gezeigt – denn darin zerstören Pokémon Hochhäuser.
  • Die Pokémon-Spielwelt der 1. Generation heißt Kanto – genauso wie eine Region in Japan. Für die Einall-Region in den Editionen Schwarz und Weiß war die Stadt New York und ihre Umgebung Vorbild.
  • Spanische Polizisten sind offenbar Pokémon-Fans: Vor ein paar Jahren starteten sie unter dem Namen „Operación Pokémon“ einen Undercover-Einsatz gegen Korruption in der öffentlichen Verwaltung.
  • Auch Fußballer lieben die gelbe Elektroschock-Maus: Pikachu war das Maskottchen der japanischen Fußball-Nationalmannschaft während der Weltmeisterschaft 2014.
  • Der Name „Pikachu“ setzt sich übrigens aus den japanischen Schallwörtern für die Funken eines Blitzes „Pika“ und für das Piepsen einer Maus „Chū“ zusammen.
  • Insgesamt gibt es 721 Pokémon. Am Anfang waren es nur 151.
  • Die Pokémon Rettan und Arbok, die wie Schlangen aussehen, ergeben im Deutschen rückwärts gelesen Natter und Kobra.
  • Die Gift-Pokémon Smogon und Smogmog sollten ursprünglich „Ny“ für New York und „La“ für Los Angeles heißen. So wollten die Entwickler auf die hohe Smogbelastung in den Städten New York und Los Angeles anspielen.
  • Das unnützeste Pokémon ist der Fisch Karpardor. Seine Attacke „Platscher“ bewirkt rein gar nichts.
  • Das wohl seltsamste Pokémon ist Missingno. Der Name ist die Abkürzung für „missing number“, zu Deutsch „fehlende Nummer“. Das Pokémon ist eigentlich ein Programmierfehler. Man findet es in den ersten Videospieleditionen Rot, Blau und Gelb.
  • Hier sind also die verlorenen Schlüssel: Das Pokémon Clavion sammelt sie auf. Es sieht aus wie ein schwebender Schlüsselbund.

Von Kiara Brochwicz

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