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Lea, wie landet man einen Youtube-Hit?

Sängerin Lea aus Hannover Lea, wie landet man einen Youtube-Hit?

Schon das erste Lied, das Lea mit 15 Jahren auf Youtube stellte, war ein Hit. Trotzdem ließ sie sich für ihr Debütalbum „Vakuum“ acht Jahre Zeit. Warum eigentlich?

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Wie man sich im Internet benehmen sollte

2,7 Millionen Klicks auf Youtube: In ihrem ersten Song fragte Lea 2007 „Wo ist die Liebe hin?“. Auf „Vakuum“ geht die Suche weiter.

Quelle: Franson

Hannover. Am liebsten sitzt Lea-Marie Becker im Café Bohne an der Limmerstraße. Dort isst sie die ihrer Meinung nach „besten Brownies der Stadt“ – so wie heute. In Linden kennt man die Sängerin. Hin und wieder kommen Studenten vorbei und grüßen die 23-Jährige mit dem markanten blonden Mini-Dutt und Klamotten, mit denen man außerhalb vom Hipster-Kiez noch auffällt. Doch nicht nur deshalb drehen sich die Leute nach ihr um: Vor gut zwei Wochen war sie schließlich im Fernsehen, beim Musikpreis „Echo“ stand sie als Backgroundsängerin von Mark Forster auf der Bühne. Und im Internet ist sie schon sehr viel länger.

Im Dezember 2007 stellte sie ihr erstes Musikvideo auf Youtube: Die damals 15-Jährige sitzt mit schwarz geschminkten Augen, T-Shirt und strubbeliger Ponyfrisur am Klavier im Musikraum ihrer Schule. Während sie darüber singt, dass Liebe vergänglich ist, schaut sie hin und wieder leidend in die Kamera. „Wo ist die Liebe hin?“, heißt ihr erster selbst geschriebener Song. Das Feedback war riesig: Die Videoplattform Youtube stellte Leas Liebeslied auf die Startseite. Mittlerweile hat ihr altes Video über 2,7 Millionen Klicks – und Lea seit zwei Jahren einen Plattenvertrag bei Four Music, dem Label, das die Fantastischen Vier gegründet haben. Zu den Künstlern, die dort unter Vertrag stehen, zählen auch Mark Forster, die Indie-Rock-Band Madsen und Joris, der kürzlich drei Echos gewann. „Ich reise jetzt mehr und lerne viele tolle Musiker kennen“, sagt Lea.

Über Youtube wurden auch andere Künstler entdeckt. Das prominenteste Beispiel ist Justin Bieber. Statt Mixtapes an Plattenfirmen zu schicken, wird einfach ein Video ins Netz gestellt und darauf gehofft, dass ein Plattenboss darüber stolpert. So viel Glück muss man erst einmal haben. Lea hatte es. Denn heute, über acht Jahre nach ihrem Youtube-Hit, erscheint ihr erstes Album „Vakuum“.

Ihre Songs hat Lea in ihrem Lindener WG-Zimmer am E-Piano geschrieben. Ihr Lieblingsthema: die Liebe. „Über Liebe und Beziehungen kann ich viel erzählen. Deshalb sind meine Lieder immer sehr persönlich“, sagt Lea. Auch wenn Lea nicht mehr so brav wie noch vor acht Jahren in ihrem Youtube-Video wirkt: Nach wie vor ist sie bodenständig. Damals, im Jahr 2007, als ihr Management auf sie aufmerksam wurde, entschied Lea, erst die Schule fertig zu machen. „Einen kleinen Hype mitzunehmen und dann tief zu fallen – das ist nichts für mich“, sagt sie.

Vor vier Jahren zog Lea für ihr Studium von Kassel nach Hannover. Hier studiert sie Musik und Sozialpädagogik. Ihr Vater ist Musikpädagoge. Zu Hause gab es jede Menge Instrumente. Lea entschied sich für das Klavier. Mit dem Songschreiben ließ sie sich Zeit: Ihr zweites Stück schrieb sie erst ein Dreivierteljahr später, nachdem sie „Wo ist die Liebe hin?“ online gestellt hatte. Daraufhin bekam sie Angebote, bei Casting- und Talentshows mitzumachen. Sie lehnte ab. Jetzt, da ihr Album fertig ist, spielt sie ihre ersten größeren Konzerte. München, Frankfurt und Köln stehen in der nächsten Woche auf dem Programm. Am 3. Mai gibt Lea ihr erstes richtiges Hannover-Konzert. Natürlich in Linden – mit ihrer Begleitband tritt sie im Lux am Schwarzen Bären auf.

Erste Live-Erfahrungen hat sie allerdings nicht in Clubs, sondern in Bars und Kneipen gesammelt. Auch hier, im Café Bohne, hat sie schon ein Konzert am offenen Fenster gegeben. Ein Kumpel spielt dann Gitarre und Lea Melodia. Nach drei oder vier Liedern ziehen sie weiter in den nächsten Laden. Nicht nur die Zuhörer haben eine Menge Spaß, sondern auch Lea: „Du triffst Freunde und machst Musik – es gibt nichts Schöneres.“ Wie es im Moment aussieht, wird Lea das noch eine Weile weitermachen können. Egal, ob auf der Limmerstraße oder auf der großen Bühne.

Ricarda Deutsch und Sarah Franke

So klingt Vakuum

Neun Jahre hat es nach Leas Youtube-Videos noch bis zu ihrer ersten Platte gedauert. Das macht sich bemerkbar: Die Songs sind poetischer geworden. Die Liebe bleibt ihr Thema, ausgedrückt wird das große Gefühl auf „Vakuum“ sehr viel gekonnter als 2007. „Wir spüren das Rauschen von Schall/Eine Umlaufbahn nur für unseren freien Fall“, singt sie mit ihrer klaren, zerbrechlichen Stimme. „Dach“ ist außerdem einer der treibenderen Songs ihres Albums. Reduzierte, hallende Untermalung funktioniert als Kontrast zu nachdenklichen, bedeutungsschwer gemurmelten Texten. Auch die ruhigeren Stücke zeichnen sich aus durch Tempowechsel und reduzierten Einsatz von elektronischen Elementen. Das bewahrt die sentimentalen, verschnörkelten Texte davor, ins Schmalzige abzurutschen. Noch immer beherrscht Lea die tiefe Tragik, ihre Stimme hat an unterschwelliger Verzweiflung nichts verloren. In „Rückenwind“ haucht sie melancholisch „Da ist noch was/Da ist jemand, den ich echt gut leiden kann“. Zu dramatisch aufspielendem Klavier gerät das allzu schwermütig und erdrückend. Hier fehlt der treibende Rhythmus als Kontrast, der sich durch sonst durch das Album zieht. Denn die Entwicklung von der Singer-Songwriterin mit Klavier in Richtung Pop tut Leas Stimme und ihren Texten gut.

 Clara Hellner

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