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Warum auch Lehrer gespannt auf Abi-Bücher warten

Redaktionsbesuch Warum auch Lehrer gespannt auf Abi-Bücher warten

Das Abi-Buch ist ein tolles und einzigartiges Andenken an die Schulzeit – aber es macht auch viel Arbeit. Und auf den letzten Metern geht immer etwas schief. ZiSH hat zwei Redaktionen besucht.

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Hannover. Mit einer Mischung aus Erleichterung und Stolz hält Maja das Buch im DIN-A4-Format in den Händen. „Endlich ist es da“, sagt sie freudestrahlend. Maja ist Abiturientin an der Käthe-Kollwitz-Schule, das Buch in ihren Händen ist das Musterexemplar des Abi-Buchs. „ABI 2017“ steht in schwarzen Lettern in einem grünem Farbklecks. Das Abi-Buch ist fester Bestandteil fast jedes Abschlussjahrgangs. Meist hält es länger als der Kontakt zu Schulfreunden. In dem Buch stecken Erinnerungen an die Schulzeit, an Studien- und Klassenfahrten, an die Mottowoche – vor allem aber auch viele Stunden Arbeit. Die übernimmt in der Regel ein Komitee, das sich eigens dafür aus Freiwilligen zusammenschließt. Maja und Marie-Luise, beide 18, sind Teil der fünfköpfigen Mädchengruppe, die sich in diesem Jahr um das Abi-Buch an der Käthe-Kollwitz-Schule kümmert. „Die Jungs kümmern sich eher um den Abi-Ball oder die Abi-Shirts“, sagt Marie-Luise.

Das Komitee besteht bereits seit der elften Klasse, stressig wird’s aber erst gegen Ende – das heißt mitten in der Prüfungszeit. Maja und Marie-Luise wussten das und wollten trotzdem mithelfen: „Wir wollten eine schöne Erinnerung an unsere letzten Schuljahre nach unseren Vorstellungen gestalten“, sagt Maja. Finanziert werden die Bücher durch Sponsoren, die im Abi-Buch Werbung abdrucken. Bevor Artikel geschrieben und am Layout gearbeitet werden kann, müssen Bilder und Steckbriefe der Abiturienten gesammelt und eine passende Internetseite für den Druck der Bücher gefunden werden.

Ständig verrutscht etwas

Während Maja und Marie-Luise sich bereits im Mai über das Probeexemplar freuen können, warten Sarah und Neha (beide 18) von der Herschelschule noch ungeduldig auf das gedruckte Buch. „Die größten Probleme hatten wir mit dem Layout“, meint Neha. Getreu ihrem Abi-Motto „Muhammad ABI – 12 Jahre durchgeboxt“ mussten sich Neha und Sarah auch durch das Programm boxen: Als endlich die passende Bildunterschrift gefunden und eingetippt war, verrutschte das passende Bild prompt auf die nächste Seite.

Das ständige Neuanpassen der Steckbriefe und Bilder hat auch Marie-Luise und Maja viel Zeit und Nerven gekostet. Zwar gibt es viele Internetseiten, die auch Muster-Layouts zur Verfügung stellen wie abibuch-designer.de, aber die Programme sind oft komplizierter als Open Office. „Wir haben einen ganzen Nachmittag gebraucht, um das Prozedere zu verstehen“, sagt Maja.

Auch das Einsammeln aller Steckbriefe war schwieriger als gedacht. Als die Deadline verstrichen war, hatten sie noch längst nicht alle beisammen. „Wir mussten da ganz schön hinterher rennen“, sagt Sarah. Aber immerhin 80 Prozent der Schüler haben einen Steckbrief abgegeben.

"Lehrer sind neugierig"

Neben der mitunter anstrengenden Sammel- und Layout-Arbeit gibt es aber auch Aufgaben, die besonders gerne übernommen werden. Das Auswerten der Schülerrankings gehört dazu. Das Komitee legt Kategorien fest wie „Lehrerliebling“ oder „Zu-spät-Kommer“. Die Abiturienten stimmen anonym ab. Bis die Abi-Bücher auf dem Abi-Ball verteilt werden, bleibt das analoge „Gefällt mir“-Ranking geheim, nur das Abi-Buch-Komitee kennt die Ergebnisse. „Wir werden täglich gefragt, ob wir nicht etwas verraten können“, sagt Maja lachend. Gerankt werden nicht nur Schüler – auch Lehrer können zum „Besten Lehrer-Paar“ oder „Notenwürfler“ gewählt werden. „Viele Lehrer kaufen sich gerade wegen des Rankings ein Abi-Buch. Die sind ja schließlich auch neugierig“, sagt Sarah.

Dabei fällt die Freude über die Wahl je nach Kategorie anders aus – wer ist schon gerne der „Streber“? „Uns war es wichtig, keine verletzenden Kategorien zu erstellen“, sagt Marie-Luise. Beliebt sind auch die Lieblingsmomente der Schüler wie seltsame Lehrerhandyklingeltöne oder skurrile Situationen im Unterricht. „Wenn ich daran denke, muss ich immer lachen“, sagt Maja.

Ein digitales Magazin zu machen, kam nicht infrage: „Es ist viel schöner, etwas in der Hand zu haben als einen Ordner auf dem Desktop“, sagt Sarah. „In einem Buch blättert man auch mal so herum.“ An das nahe Ende der Schulzeit denken die Abi-Buch-Macher mit gemischten Gefühlen. „Die Freude auf das Neue überwiegt aber“, sagt Marie-Luise. Bei der Frage, ob sie sich wieder melden würden, sind sich Neha, Sarah, Maja und Marie-Luise einig: „Auf jeden Fall.“

Sarah Mussil

Das sind die Abi-Mottos in Hannovers Schulen

Fast jeder Abiturjahrgang wählt zu seinem Abschluss ein Motto, mit dem Abi-Shirts und das Abi-Buch gestaltet werden. Eine Auswahl:

  • „Straight outta G8“ - Käthe-Kollwitz-Schule
  • „ABIkropolis – die Götter verlassen den Olymp“ - Waldorfschule Maschsee
  • „Mohammed ABI – 12 Jahre durchgeboxt“ - Herschelschule
  • „Abismarck – der Otto braucht kein Motto“ - Bismarckschule
  • „Die Teilchen verlassen das Atom“ - Kaiser-Wilhelm und Ratsgymnasium
  • „Abibaba und die 40 Unterkurse“ - Wilhelm-Raabe-Schule
  • "Abitur 2017 - Only 90's Kids will remember" - Goetheschule
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