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„Ich weiß nicht, was 
erwachsen sein ist“

Singer-Songwriter Bosse im Interview „Ich weiß nicht, was 
erwachsen sein ist“

„Engtanz“, so heißt das neue Album von 
Bosse. Im ZiSH-Interview spricht der 
Singer-Songwriter über das Schwofen, den Drang nach Perfektion – und den 
Fußballverein für den sein Herz schlägt.

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Jetzt mit "Engtanz" unterwegs: Musiker Bosse.

Quelle: Nina Stiller

Deine neue Platte heißt „Engtanz“. Bist du denn ein guter Tänzer?
Sagen wir es so: Ich tanze auf jeden Fall gerne. Jetzt nicht so gerne in Großraumdiscos. Aber vor allem auf der Bühne. Wenn ich Musik im Ohr habe oder die Bühne wackelt, weil der Bass so fett ist, dann bewege ich mich schon ganz 
gerne.

Hast du überhaupt schon einmal einen Stehblues getanzt?
Ich komme ja vom Dorf. Da gab es diese berüchtigten Kellerfeten. Und da wurde das nach dem Flaschendrehen zelebriert. Das war vielleicht sogar die Vorstufe vom Petting: Der erste körperliche Kontakt mit einem Mädchen eben. Heute gibt es in Hamburg und Berlin echt gute Läden, wo man wieder eng tanzen gehen kann. Das machen auch ein paar junge Leute. Ich bin da immer gerne Gast.

Und warum heißt das Album jetzt so?
Als ich mir das Album angehört habe, da habe ich gemerkt, dass es mein musikalisch tanzbarstes Album seit Jahren ist. Es musste im Titel also irgendetwas mit tanzen vorkommen. Der andere Teil der Platte ist aber irgendwie ruhig, da geht es viel um Nähe. Er ist eher im Liegen mit drei Rotwein intus zu genießen. So bin ich auf diese Wortmischung gekommen. Und „Engtanz“ ist das alte Schwofen. Das gibt mir irgendwie das Gefühl von guten, zerbombten Nächten. Und auch um dieses Nachtgefühl geht es viel auf dem Album.

Bosse kommt nach Hannover

Am Sonnabend, 3. Dezember 2016, spielt Bosse in der Swiss-Life-Hall, Ferdinand-
Wilhelm-Fricke-Weg 8. Karten gibt es für 38,75 Euro im Internet online und in allen HAZ-Ticketshops.

In vielen Songs geht es vor allem ums Erwachsenwerden und -sein. Fällt es dir manchmal schwer, erwachsen zu sein?
Ich weiß eigentlich gar nicht, was erwachsen sein ist. Es ist aber auf jeden Fall so, dass ich nicht mehr 22 bin. Ich merke natürlich, dass der Körper schon mal anfängt, zu zwicken. Und auch, dass die Jahre ins Land ziehen. Sicherlich bin ich auch erfahrener geworden, weiß, was ich verpasst habe und was ich gerne noch machen möchte.

Gibt es dann auch etwas, was du mit dem Wissen von heute anders machen würdest?
Wenn ich ehrlich bin, gibt es da nichts. Am Ende ist es doch so, dass das eine immer zum anderen führt. Ich glaube, dass jeder Umweg und jede Extrarunde für irgendetwas da ist, dass etwas Gutes entsteht und man daraus lernt.

Auch in dem Song „Krumme Symphonie“, in dem Casper rappt, singst du davon, das in deinem Leben ziemlich viele Dinge schiefgehen. Die letzten Jahre liefen mit Konzerten und Auszeichnungen und Ehrungen für dich aber doch sehr gut, oder?
Es geht in dem Song gar nicht so sehr um mich, sondern darum, dass der Mensch immer alles gut und perfekt haben will. Und natürlich bin ich auch so: Am liebsten könnte bei mir immer alles glatt laufen. Aber das ist eben nicht so. Das Streben nach Perfektion kann auch ein Druckmittel sein – das nervt doch.

"Ich sitze beim Songschreiben da, als wäre ich 17"

Hat dich der Erfolg von „Kraniche“ unter Druck gesetzt, mit dem neuen Album daran anknüpfen zu können?
Druck ist ja auch so eine Erwartungshaltung. Die finde ich grundsätzlich erst mal supernervig. Ich kenne so viele Kollegen, die es niemals schaffen können, einen ehrlichen Song zu schreiben, weil sie das immer nur für den Typen von der Intro oder dem Musikexpress machen. Ich glaube, dass alles, was jemand anderes von einem erwartet, was man selbst aber nicht ist, nervt und auch nichts werden kann. Also sitze ich beim Songschreiben da, als wäre ich 17: Ich habe ein weißes Blatt Papier, ein Klavier und eine Gitarre. Dann fange ich an und es ist mir total egal, wem das gefällt. Wenn jemand denkt, mit Musik will ich richtig viel Kohle machen, dem kann ich davon nur abraten.

Bosses neues Album

Hier geht's zur Plattenkritik von Bosses neuem Album "Engtanz".
Isabell Rollenhagen hat es sich angehört.

Du bist in der Nähe von Braunschweig aufgewachsen. Hier hattest du auch deine erste Band. Vermisst du deine Heimat?
Das vielleicht nicht. Aber da hängt ein riesengroßer Teil Kindheit und Jugend und Familie. Die zu sehen oder meinen Verein, das finde ich manchmal schon schön.

Dein Verein? Ist das Eintracht Braunschweig?
Richtig. Hast du jetzt gerade auf den Boden gespuckt? (lacht)

Niemals! Aber freust du dich gerade, wenn du dir die Tabelle anschaust und siehst, dass Hannover 96 ganz unten steht?
Nee, da freue ich mich überhaupt nicht. Ich habe ganz viele Freunde und Familie in Hannover, die auch Dauerkartenbesitzer sind. Ich drücke 96 die Daumen und wünsche denen echt das Beste.

Aber zum Derby kommst du im Fall des Falles?
In der ersten Liga – das war für Braunschweig ja eher eine kurze Geschichte –, da war ich bei beiden Spielen im Stadion. Und klar: Wenn es Derbys gibt, bin ich auf jeden Fall dabei.

Interview: Isabell Rollenhagen

Zur Person

Axel Bosse wurde 1980 in der Nähe von Braunschweig geboren. Mit 17 Jahren bekam er mit seiner Band Hyperchild einen Plattenvertrag. Als sich die Gruppe zwei Jahre später auflöste, entschied er, solo weiterzumachen.
Der Durchbruch gelang Bosse 2011 mit seinem vierten Album „Wartesaal“. Zusammen mit Anna Loos trat er bei Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“ für Niedersachsen an. Ihr Lied „Frankfurt Oder“ landete auf dem zweiten Platz. Nach diesem Erfolg
zog er mit seiner türkischstämmigen Frau Ayse und seiner Tochter für vier Monate nach Istanbul um an seinem Album „Kraniche“ (2013) zu arbeiten. Mit dem Song „Schönste Zeit“ erreichte er Goldstatus, mit „So oder so“ gewann Bosse 2013 Stefan Raabs „Bundesvision Song Contest“. Jetzt erscheint sein neues Album mit dem Namen „Engtanz“.

ZiSH

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